Nach Messerangriff: Iris Stalzer als Bürgermeisterin vereidigt
02:20 Min.. Verfügbar bis 04.11.2027.
Iris Stalzer ist sichtbar angespannt, als sie den kleinen Ratssaal in Herdecke betritt. Ein wenig in sich gekehrt setzt sich die 57-Jährige auf ihren Platz, die Hände im Schoß verschränkt. Nur ein kurzer, vorsichtiger Blick geht hinauf zur kleinen Medientribüne. Da wo heute alle Plätze besetzt sind und die Kameras der Fotografen klicken. Sonst ist das Interesse an den Ratssitzungen in Herdecke deutlich geringer. Doch heute ist es voll - wegen ihr.
Es ist der erste öffentliche Auftritt von Stalzer nach dem Messerangriff auf sie. Genau vier Wochen ist der jetzt her. Seit vier Tagen ist Stalzer auch schon Bürgermeisterin von Herdecke. Jetzt legt sie den Amtseid ab. Sie spricht ihn nach, hat ihn sich aber sicherheitshalber auch noch mal auf einem Zettel notiert. Ein erstes Lächeln huscht ihr über die Lippen, als sie Blumen und Glückwünsche entgegennimmt.
Antrittsrede mit emotionalen Worten
In ihrer kurzen Antrittsrede wird es dann emotional: "Der 7. Oktober war für mich ein Tag des Scheiterns und ein Tag der Verletzbarkeit", räumt sie ein. Und sie stellt selbst die Frage, die sich wohl auch andere Herdecker stellen: "Kann ich den Herausforderungen trotzdem gerecht werden?" Stalzer beantwortet sie schnell und deutlich mit "Ja", weil es nicht darauf ankomme, allmächtig zu sein.
Einen kurzen Einblick in ihre Rolle als Bürgermeisterin gibt Stalzer auch. Sie spricht von einem überparteilichen Amt, will aber ihre "Meinung nicht an der Rathaustür abgeben". Ihre Ziele: Kompromisse finden und eine gute Zusammenarbeit für Herdecke. Nach ihrer Rede übernimmt Stalzer den Vorsitz der Ratssitzung. Souverän und spürbar erleichtert, dass der für sie offenbar schwierigste Teil der Sitzung nun geschafft ist.
Messerangriff auf Stalzer
Interviews gibt Stalzer an diesem Tag nicht. Sie wolle sich auf ihren Amtsantritt konzentrieren, lässt sie durch ihre Anwältin mitteilen. Und weiter: "Aus unserer Sicht ist zu dem Fall auch erst einmal alles gesagt."
Genau vor vier Wochen war Stalzer brutal niedergestochen worden. Zunächst hieß es, der Angriff sei auf der Straße passiert, ein politisches Motiv stand im Raum. Doch schnell wurde klar: Hintergrund der Attacke waren wohl Probleme innerhalb der Familie.
Stalzer hatte ausgesagt, dass ihre 17-jährige Adoptivtochter sie mehrere Stunden im Keller des eigenen Hauses bedroht und mit einem Messer verletzt haben soll. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde die Politikerin ins Krankenhaus gebracht.
Schnelle Genesung von Stalzer
Die Frage, ob sie ihr Amts trotz des Angriffs wie geplant antreten würde, hat Stalzer recht schnell beantwortet. "Ich bin dank der sehr guten Erstversorgung und der sehr guten Versorgung in der Klinik schnell genesen", hatte sie schon vor knapp zwei Wochen nach dem Angriff gesagt.
Gegen die Adoptivtochter liegt ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung vor. Sie muss sich jeden Tag bei der Polizei melden. Die Jugendliche und auch der 15-Jährige Adoptivsohn Stalzers sind in der Obhut des Herdecker Jugendamts.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Antrittsrede Iris Stalzer
- Rechtsanwältin Renate Schmid