15-jähriger Hattinger wegen Mordversuchs verurteilt

WDR 01:19 Min. Verfügbar bis 12.06.2028

Prozess in Essen 15-jähriger Hattinger wegen versuchten Mordes verurteilt

Stand:

Das Landgericht Essen hat einen 15-Jährigen aus Hattingen wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt. Im vergangenen Oktober hatte er einem gleichaltrigen Jungen nach dem Gebet vor einer Moschee aufgelauert und ihn hinterrücks niedergestochen. 

Von Thomas Becker

Das Opfer wurde von drei Stichen in den Rücken getroffen und schwer verletzt. Der Junge konnte sich in eine nahe gelegene Tankstelle retten. Passanten versuchten dort, seine Blutungen zu stillen. Er wurde noch vor Ort vom Notarzt versorgt.

Streit um ein Mädchen

Hintergrund der Tat soll der Streit um ein Mädchen gewesen sein. Dazu hat der 15-jährige Angeklagte in seinem Geständnis vor Gericht aber nichts gesagt. Die Richter gingen im Urteil davon aus, dass sich dieser Streit immer weiter hochgeschaukelt hat, bis hin zum Mordplan. Der 15-jährige hatte behauptet, es habe das Opfer nur verletzen wollen, das glaubten ihm die Richter nicht.

Vater stand Schmiere

Verurteilt wurde heute auch der Vater des Täters, zu vier Jahren Haft. Nach Überzeugung der Strafkammer war der 41-Jährige in den Mordplan eingeweiht und hat sogar am Tatort Schmiere gestanden. "Dass er seinen Sohn dabei unterstützt", sagte der Richter heute, "statt ihn abzuhalten, das kann einen nur noch sprachlos machen."

Tatablauf von Kameras gefilmt

Minutiös schilderte der Richter im Urteil den Ablauf des Verbrechens, der von mehreren Überwachungskameras festgehalten wurde. Während in der Moschee das Gebet lief, kamen Vater und Sohn im Auto dort an, am Steuer saß ein Onkel des 15-Jährigen. Er blieb dort auch sitzen und wartete. Die beiden anderen stiegen aus und beobachteten dann von unterschiedlichen Positionen die Ausgänge der Moschee.

Als das Opfer nach dem Gebet herauskam, stürzte der Täter sich sofort mit gezücktem Messer von hinten auf den Jungen und stach zu. Danach rannte er zum Auto, ebenso wie sein Vater, der Wagen fuhr sofort los. Der 44-jährige Fahrer wurde heute wegen Beihilfe zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Vater ist untergetaucht

Ob und wann der verurteilte Vater seine Haftstrafe antreten wird, ist ungewiss. Er war zwischenzeitlich auf freiem Fuß und ist vor zwei Wochen untergetaucht. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Auch dafür fand der Richter heute deutliche Worte. Er habe sich "aus dem Staub gemacht und seinen Sohn in der schwierigsten Phase seines Lebens im Stich gelassen."

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters im Gericht
  • Landgericht Essen

15-jähriger Hattinger wegen Mordversuchs verurteilt

WDR 12.06.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 11.06.2028

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Sendung: WDR.de, 15-jähriger Hattinger wegen Mordversuchs verurteilt, 12.06.2026, 17:34 Uhr

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