Größte Höhle Europas in Ennepetal öffnet wieder
Aktuelle Stunde . 17.10.2025. 12:27 Min.. UT. Verfügbar bis 17.10.2027. WDR. Von Philip Raillon.
"Knochenarbeit" - kein anderes Wort fällt Höhlenforscher Stefan Voigt aus Ennepetal ein, wenn er über die vergangenen Wochen redet. Zusammen mit seinen Kollegen vom Verein "Arbeitskreis Kluterthöhle" hat er einen Teil der Bismackhöhle renaturiert. Im zweiten Weltkrieg wurde die als Bunker genutzt.
Tausende Eimer Schutt
75 Kubikmeter Spreng- und Bauschutt haben sie aus der Höhle geholt. Man könnte auch sagen: Rund 7.500 Eimer! Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich in der früheren Bunkeranlage einiges angesammelt, berichtet Voigt. Zur Aufgabe seines Vereins gehört die Erhaltung und in einem solchen Fall eben auch Renaturierung des Höhlensystems.
Knochenarbeit mit der Schubkarre
Denn die Bismarckhöhle ist mit der Kluterthöhle nebenan verbunden und schon seit 2019 ist das gesamte System offiziell ein Nationales Naturmonument. Stefan Voigt und sein Team haben schon vor einiger Zeit zwei weitere Höhlen im Klutertberg renaturiert, die früher einmal zum Bunker umgebaut worden waren.
Auch Spalte mit Tropfsteinen entdeckt
An der Bismarckhöhle sind sie jetzt schon länger dran. Der inzwischen zweite Bauabschnitt ist jetzt fertig geworden. "Wo du früher nur gebückt durchlaufen konntest, ist jetzt ein sechs Meter hoher Gang freigeworden", so Voigt. Auf einer Länge von zehn Metern wurde auch der Klutertbach freigelegt, der durch die Höhle fließt.
Kam hinter Schlamm zum Vorschein: ein versteinertes Korallenriff
Zudem haben die Höhlenforscher vorsichtig die Wände vom Schmutz befreit. Zum Vorschein kam darauf ein Millionen Jahre altes Korallenriff. Eine weitere Entdeckung ist eine kleine Spalte, in der die Forscher Tropfsteine und Kristalle fanden.
Bunker hatte sogar einen unterirdischen Spielplatz
Stefan Voigt kümmert sich seit Jahren um die Höhlen
Die frühere Bunkeranlage in der Höhle ist groß. Sie bot rund 2.500 Menschen Platz. Es gibt mehrere gemauerte Räume, darunter eine provisorische Krankenstation und sogar einen unterirdischen Spielplatz, auf dem Kinder spielten, als sich die Menschen bei Luftangriffen in die Höhle flüchteten. "Da sind tatsächlich noch die Überreste des Karussell und der Wippe vorhanden - Wahnsinn", so Stefan Voigt.
Diese Relikte werde man bei weiteren Renaturierungen größerer Bereiche der Bismarckhöhle natürlich erhalten, so der Höhlenforscher. Auch bei früheren Renaturierungen habe man in enger Absprache mit den Behörden immer einen Kompromiss zwischen Renaturierung und Denkmalschutz gefunden.
Große Bemühungen um Finanzierung - Kritik von Verein
Unterdessen macht die schwierige Finanzierungssituation dem Verein Sorgen. Das NRW-Umweltministerium habe eine Förderung in Aussicht gestellt, die Bezirksregierung dann aber nicht gezahlt, berichtet Vereinschef Stefan Voigt. "Sowohl die Obere Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Arnsberg als auch die Untere Naturschutzbehörde des Ennepe-Ruhr-Kreises haben uns leider in keiner Weise unterstützt, so dass wir andere Möglichkeiten nutzen mussten."
Letztendlich sprangen die NRW-Stiftung mit 15.000 Euro und der Energieversorger AVU mit tausend Euro ein. Dazu kamen ein Zuschuss von Stefan Voigts eigener Gartenbaufirma in Höhe von 6.000 Euro sowie mehrere Privatspenden. Mit staatlichem Geld hätten die Mitglieder aber weiterkommen können.
Bezirksregierung und Kreis weisen Vorwürfe zurück
Auch der unterirdische Bach wurde freigelegt
Auf WDR-Anfrage verweist die Bezirksregierung Arnsberg auf Förderungen aus den vorherigen zwei Jahren, insgesamt über 80.000 Euro: "Das Engagement des Vereins wurde zudem mit weiteren Förderprojekten in anderem Zusammenhang als dem Kluterthöhlensystem durch die Bezirksregierung Arnsberg unterstützt." Warum das aktuelle Renaturierungsprojekt nicht gefördert wurde, hat die Bezirksregierung in ihrer Antwort offen gelassen.
Auch der Ennepe-Ruhr-Kreis weist die Vorwürfe gegen seine Untere Naturschutzbehörde zurück. In einem Statement heißt es, der Kreis beteilige sich finanziell nicht, weil seine verfügbaren Mittel zweckgebunden sind und nur für reine Naturschutzmaßnahmen eingesetzt werden dürfen. Die aktuellen Arbeiten an der Höhle gehören aber nicht dazu, "sodass die zweckgebundenen Naturschutzmittel nicht alle notwendigen und geplanten Maßnahmen stützen können." Stattdessen würde der Kreis beispielsweise Naturschutzmaßnahmen am Klutertberg und Artenmonitorings übernehmen.
Höhle wird virtuell erlebbar
Für Besucher soll die Bismarckhöhle übrigens nicht freigegeben werden. Die Höhle bleibt der Forschung vorbehalten. Allerdings soll es im Geo-Center, dem Besucherzentrum der Kluterthöhle, virtuell die Möglichkeit geben, die Welt der Bismarckhöhle zu bestaunen.
Unsere Quellen:
- "Arbeitskreis Kluterthöhle e.V." in Ennepetal
- Bezirksregierung Arnsberg
- Ennepe-Ruhr-Kreis
