Mentoring in der Pflege: Wenn jung und alt voneinander lernen

WDR 03:11 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Altersheim in Rheinberg Warum Jung und Alt gemeinsam stärker sind

Stand:

Ältere Bewohner aus dem Bett heben, Mahlzeiten digital erfassen oder vertraute Gespräche führen: All das sind Aufgaben, die sich gemischte Teams aus jungen und alten Pflegehilfskräften in Rheinberg erfolgreich teilen - und das abhängig von ihrem Alter.

Mariola Galwas und Melisa Trumic teilen sich heute den Dienst. "Lass mich die Dame aus dem Bett heben", sagt Trumic zu ihrer Kollegin und hievt vorsichtig eine 88-jährige Bewohnerin aus ihrem Bett. Trumic und Galwas sind Pflegehilfskräfte mit einer Besonderheit: Zwischen den beiden liegen 36 Jahre Altersunterschied - und genau das macht ihr Team so stark.

Altersgemischte Teams in der Pflege

Im Pflegezentrum "Am Wiesenhof" in Rheinberg setzt man seit Jahren auf altersgemischte Teams. Diese arbeiten in den Diensten als Duo eng zusammen. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, denn abhängig vom Alter bringen die Pflegehilfskräfte jeweils unterschiedliche Stärken mit ein", erklärt Jannik Jakubowski, der die Dienstpläne erstellt.

Mariola Galwas und Melisa Trumic teilen sich in der Pflege die Arbeit. Die jüngere Trumic hebt beispielsweise die Bewohner ins Bett.

Gerade bei körperlich anstrengenden Arbeiten in der Pflege ist Mariola Galwas dankbar für die Hilfe ihrer jüngeren Kollegin Melisa Trumic.

So steht Trumic mit 25 Jahren am Anfang ihrer beruflichen Karriere. "Das klingt vielleicht etwas blöd, aber ich habe im Vergleich zu meinen älteren Kollegen mehr Kraft", sagt sie. Außerdem fällt ihr der Umgang mit digitalen Programmen leichter. "Als ich hier vor acht Monaten angefangen habe, haben wir die Mahlzeiten der Bewohner schriftlich auf Papier erfasst, das war etwas mühselig."

Digitale Pflege trifft Menschlichkeit

Heute erfassen die Mitarbeiter alle Daten digital. "Das fällt mir leichter und geht viel schneller", erklärt die junge Pflegehilfskraft. Währenddessen sitzt ihre Kollegin Galwas neben ihr und stellt fleißig Fragen. "Ich habe mehr Berufserfahrung, aber am Computer brauche ich immer Hilfe", sagt die 61-Jährige.

Sie tut sich mit der Umstellung aufs Digitale noch schwer. Dafür ist Mariola Galwas für die Bewohner erste Ansprechpartnerin, wenn es beispielsweise um vertrauensvolle Gespräche geht. "Unsere Einrichtung ist für die meisten Bewohner die 'letzte Station' vor dem Tod - und da suchen die Bewohner eher das Gespräch zu unseren älteren Pflegehilfskräften", ergänzt Jannik Jakubowski.

Die beiden Pflegehilfskräfte Mariola Galwas und Melisa Trumic spielen mit den Bewohnern im Pflegezentrum Bowling.

Trotz des Altersunterschieds sind sich Mariola Galwas und Melisa Trumic in einer Sache einig: Sie lieben ihren Job.

Pflegeheim setzt auf Generationen-Teams

Durch den Altersunterschied in den Doppel-Teams bringen die Pflegehilfskräfte unterschiedliche Stärken mit in den Job. Sie alle eint jedoch eins: Die Liebe zum Beruf. "Ich mag meine Arbeit sehr - es ist schön mit den Bewohnern zusammen zu sein", sagt Melisa Trumic und Galwas stimmt ihr zu.

Unsere Quellen:

  • Gespräch Mitarbeitern des Pflegezentrums Rheinberg
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Mentoring in der Pflege: Wenn jung und alt voneinander lernen, 29.05.2026, 05:02 Uhr

Weitere Beiträge aus Duisburg

1 / 2