Das Public Viewing im Duisburger Lokal "Coupé 1900" sorgt nach der WM-Begegnung am Samstag zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste für viel Wirbel. In einem selbst aufgenommenen und hochgeladenen Video des Lokals in den sozialen Medien ist ein Mann zu sehen, der ein Trikot trägt, auf dem das Wort "Führer" sowie die Zahl "44" zu sehen sind.
Das Video ist während der Nationalhymne entstanden. Am Ende der Hymne streckt der Mann seinen rechten Arm mit einer Faust aus. Die Polizei hat mittlerweile Ermittlungen wegen des "Anfangsverdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" aufgenommen, so Polizeisprecherin Julia Tekock.
Anzeigen bei der Polizei eingegangen
Screenshots von dem Video kursierten schnell bei Instagram und Co. Viele User äußerten ihr Unverständnis darüber, dass der Mann mit der Nummer "44" und dem Aufdruck "Führer" nicht der Gaststätte verwiesen worden sei. Online seien bei der Polizei mehrere Anzeigen eingegangen, sagt Tekock weiter.
Adidas hatte die Produktion des pinken EM-Trikots von 2024 mit der Zahlenkombination "44" untersagt, weil sie stark an die SS-Rune erinnerten. Nun werde intensiv ermittelt und Zeugen vernommen, um den Mann zu identifizieren.
Betreiber ärgert sich
Bekim Ceka, der Betreiber des "Coupé 1900", ärgert sich. Seine WM-Veranstaltungen würden gut laufen, zwischen 500 und 600 Menschen würden die Veranstaltungen wahrnehmen. Streit habe es nicht gegeben. Nun würde aber ganz Duisburg über das Trikot reden, das ihm und seinem Team nicht aufgefallen sei, so Ceka.
Zum nächsten Spiel am Donnerstag kündigt der Wirt an, beim Eingang kontrollieren zu wollen, was die Gäste auf ihren Trikots stehen haben. Eine Vier würde ihm schon reichen, sagt Ceka. Das "Coupé 1900" sei bekannt dafür, dass sie nicht jeden in ihr Lokal lassen. "Besonders nicht solche, die uns den Abend versauen", sagt der Gastronom.
"Ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht, das ist nicht unstrittig", sagt der Großenbaumer SPD-Ratsherr Uwe Ernst. Er ist ein guter Bekannter von Ceka. Die Location stehe für Offenheit, das Publikum repräsentiere viele Nationalitäten. "Ich glaube, dass wir dieses Thema an der Stelle auch abhaken sollten und das genießen, was wir hier haben", sagt Ernst. In Zukunft wolle man aber ein Zeichen setzen und den jeweiligen Gast auf das Fehlverhalten aufmerksam machen, zur Not auch der Gaststätte zu verweisen.
Bezirksbürgermeisterin entschuldigt sich
Auf dem Video war auch Bezirksbürgermeisterin von Duisburg-Mitte zu sehen. Sabrina Whitley (SPD) hatte am selben Tisch wie der Mann gesessen haben. Das bestätigt Whitley in einem Instagram-Statement.
"Mit Menschen, die eine rechtsextreme, nationalistische oder diskriminierende Gesinnung hegen, verbringe ich keine Zeit." Sabrina Whitley (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Duisburg-Mitte
Sie habe den Mann aber nicht gekannt. Außerdem habe sie die Rückseite des Trikots nicht gesehen, sondern erst in Social-Media-Posts davon erfahren.
Bis zu drei Jahre Haft
Das Verwenden verfassungswidriger Symbole ist nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Haft belegt. Das gilt laut dem Gesetz ausdrücklich auch für Darstellungen, die verfassungswidrigen Kennzeichen zum Verwechseln ähnlich sind.
WM-"Nazi"-Trikot in Duisburger Biergarten
WDR Studios NRW. 22.06.2026. 00:44 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Unsere Quellen:
- Polizei Duisburg
- Video des Coupé 1900
- Inhaber Bekim Ceka
- SPD-Ratsherr Uwe Ernst
- Instagram von Sabrina Whitley, Bezirksbürgermeisterin Duisburg-Mitte
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 22.06.2026, 17:33 Uhr