Public Viewing in NRW | WDR Aktuell

WDR 02:34 Min. Verfügbar bis 21.06.2028

Fußball-WM

So emotional haben die Fans in NRW das Spiel verfolgt

Stand:

Die deutsche Nationalelf hat ihr zweites Gruppenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft mit 2:1 gegen die Elfenbeinküste gewonnen. Damit hat das DFB-Team die K.-o.-Runde erreicht. Beim Rudelgucken in NRW war einiges los.

Von
Andreas Palik
,
Iman Uysal
,
Petra Vennebusch
,
Tom Schneider
und Tabea Niesar, Anna Deschke

Die Hitze - immerhin sind es in Paderborn vor Anpfiff noch 28 Grad - hält die Deutschlandfans nicht vom gemeinsamen Rudelgucken ab. Fast alle tragen ein Deutschlandtrikot. Die Stimmung ist schon zwei Stunden vor Anpfiff erwartungsvoll, und der Biergarten in Paderborn füllt sich immer mehr. Die meisten Gäste glauben fest an einen Sieg für Deutschland.

Public Viewing in Paderborn | Bildquelle: WDR/Tabea Niesar

Genauso geht es den Fans in Düsseldorf. Einige stehen auf den Tischen und Bänken. Noch ist nichts passiert und trotzdem jubeln Hunderte an den Kasematten in der Altstadt am Rhein. "Wir haben richtig Bock, Deutschland gewinnt das 3:1", ruft Fabian Lopez Benitez, der mit seinen Freunden aus Baden-Württemberg zu Besuch in Düsseldorf ist.

Fabian Lopez Benitez beim Public Viewing | Bildquelle: Iman Uysal / WDR

Volle Hütte ist auch beim Public Viewing in Recklinghausen. Über 8.000 Menschen wollen sich das Spiel hier heute Abend gemeinsam anschauen. Die Stimmung ist zum Anpfiff ausgelassen, keiner hier glaubt, dass Deutschland das Spiel heute verlieren könnte. "Geile Stimmung - geile Leute - hoffentlich super Spiel", sagt Lukas.

Lukas beim Public Viewing in Recklinghausen | Bildquelle: WDR/Anna Deschke

Nachbarn machen eigenes Public Viewing

Etwas kleiner feiert eine Nachbarschaft in Duisburg-Beekerwerth. Girlanden mit schwarz-rot-goldenen Wimpeln sind zwischen den Zechenhäusern gespannt, Deutschlandfahnen schmücken die Fassaden, in den Blumenkübeln stecken Fähnchen – eine Straße im WM-Fieber. Hier sind fast alle Fußball-Fans, viele der Kinder spielen selbst im SV Beekerwerth Fußball.

Fans beim Public Viewing in Duisburg-Beeckerwerth | Bildquelle: WDR/Petra Vennebusch

"Ich habe keine Ahnung von Fußball, aber zusammen mit den Nachbarn WM zu gucken ist einfach toll, wir haben hier eine so wunderbare Gemeinschaft", sagt Kirsten Marotz und freut sich auf den Abend. Deshalb haben sich die Nachbarn hier ein eigenes Rudelgucken vor den Häusern eingerichtet.

Brechend voll am Rhein in Düsseldorf

Mittlerweile ist es an den Kasematten brechend voll, es gibt keinen Platz mehr zum Sitzen. Auch von der Rheinpromenade oberhalb der Kasematten versuchen hunderte Fans einen Blick auf die Bildschirme zu bekommen. Dann reißen alle gemeinsam die Hände hoch und fassen sich an den Kopf. Viele Münder stehen offen vor Schock. Tor für die Elfenbeinküste. Damit hatte wirklich keiner gerechnet.

Public Viewing an den Kasematten in Düsseldorf | Bildquelle: WDR/Iman Uysal

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit dann der Ausgleich - TOR für Deutschland! Oder doch nicht? An den Kasematten in Düsseldorf springen alle von ihren Plätzen, sie schreien. Dann schimpfen viele Fans Richtung Fernseher. Es war Abseits, es bleibt beim 0:1 für die Elfenbeinküste.

Mit Frust in die Halbzeit

Den Frust spüren nicht nur die Fans in Düsseldorf. Auch in Recklinghausen entsetzte Gesichter und sichtliche Enttäuschung. Die Stimmung kippt. Kurz danach geht es in die Halbzeit.

Schock für die Fans in Recklinghausen - Tor für die Elfenbeinküste | Bildquelle: WDR/Anna Deschke

Detlev Ablitz hat während der Halbzeit wohl den wichtigsten Job beim Public Viewing ein paar Meter weiter auf dem Sportplatz des SV Beeckerwerth 1925 e. V. Bei dem warmen Wetter versorgt der 65-jährige Rentner die Fans mit einem kalt gezapften Bier, Frikadellen und Würstchen vom Grill.

Detlev Ablitz vom SV Beeckerwerth 1925 e.V. | Bildquelle: WDR/Petra Vennebusch

Das schöne ist für ihn als Schalke-Fan in Duisburg bei der Fußball-WM: "Zur Weltmeisterschaft sind wir nicht Schalke, nicht MSV, nicht BVB, dann sind wir eins und fiebern alle zusammen für die deutsche Elf."

Ronja (v.l.n.r.), Jacqui und Julia beim Rudelgucken in Paderborn | Bildquelle: WDR/ Tabea Niesar

In Paderborn wird die Halbzeit genutzt, um das bisherige Spiel zu analysieren. Was hätte besser laufen können? Wo waren die Fehler? "Richtig bitter, dass wir zwei Mal für ein Tor gejubelt haben aber keines gezählt hat", sagt Jacqui, die mit ihrer Mädelsgruppe das Spiel schaut. "Auch wenn wir hinten liegen glaube ich noch, dass wir das Spiel drehen werden", ergänzt ihre Freundin Julia optimistisch. Weiter geht’s mit der zweiten Halbzeit.

Rudelgucken im WM-Keller - seit 1990

Im "WM-Studio" in Warendorf in Münsterland ist die Spannung zum Start der zweiten Halbzeit groß. Denn im "Studio", das eigentlich nur ein Kellerraum ist, gucken Dirk Tönnies und seine Freunde. "Der Raum wird im Prinzip für nichts anderes genutzt", erklärt er. Das sieht man dem Raum an an: Überall hängen Schals, Flaggen und WM-Spielpläne.

Für die Zuschauer in Warendorf ist dieser Keller fester Teil ihrer WM-Tradition | Bildquelle: WDR/Tom Schneider

1990 lief die WM zum ersten Mal im WM-Keller. Seitdem haben sich einige skurrile Traditionen angesammelt: Jedes Jahr verteilt Dirk Tönnies selbstgebastelte Eintrittskarten, die Sitzreihen sind dafür extra nummeriert. So kommt fast echtes Stadion-Feeling auf im WM-Studio in Warendorf.

"Mit Freunden zusammen Fußball zu gucken, zu feiern, zu leiden, ist immer besser, als wenn man alleine guckt." Dirk Tönnies

Während der WM 1990 schaute Dirk mit vier Freunden alle Spiele – und die Tradition blieb hängen. Heute sind 25 Zuschauer dabei: Nachbarn, Freunde, aber mittlerweile auch die Frauen und Kinder.

Erlösung in der Nachspielzeit

In Recklinghausen sind alle wieder fit, die Stimmung ist aber etwas angespannt. Die tausenden Fans starren auf die große Leinwand. Eine Torchance für Deutschland. Und tatsächlich, Recklinghausen rastet aus. Deutschland gleicht zum 1:1 aus. Hier sind alle wieder wach.

Die Fans in Recklinghausen feiern den Ausgleich von Deutschland | Bildquelle: WDR/Anna Deschke

So gut geht das Spiel für Deutschland nicht weiter. Die 90 Minuten sind vorbei und es steht immer noch unentschieden. In der Nachspielzeit holt sich Deutschland noch den Sieg, mit dem zweiten Tor. In Düsseldorf eskalieren die Fans, jetzt sind sich alle siegessicher. Und Abpfiff: Deutschland hat gewonnen. "Ich fühle mich überragend", sagt Fabian Lopez Benitez. "Heute feiern wir Deniz Undav und die Nationalelf."

Fans feiern in Düsseldorf. | Bildquelle: WDR/Iman Uysal

Nicht nur in Düsseldorf, auch in Duisburg ist die Stimmung überwältigend. Tanzende Nachbarn, laute Musik aus der Box, hupende Autos, alle freuen sich. Auch in Paderborn, Warendorf und Recklinghausen geht das Public Viewing zu Ende: In ganz NRW hört man um Mitternacht Fußballfans jubeln.


Reporterin Anna Deschke berichtet vom WM-Public-Viewing in Recklinghausen

Lokalzeit am Samstag 20.06.2026 09:49 Min. UT DGS Verfügbar bis 20.06.2028 WDR

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterinnen und -Reporter vor Ort in Warendorf, Duisburg, Recklinghausen, Düsseldorf und Paderborn

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit am Samstag, 20.06.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 21.06.2026, 12:45 Uhr