Sprengung des "Weißen Riesen" und Umgang mit Problemvierteln

03:06 Min. Verfügbar bis 28.07.2027

Erfolgreiche Sprengung des "Weißen Riesen" in Duisburg

Stand:

Am Sonntagmittag wurde der dritte und vorerst letzte sogenannte "Weiße Riese," in Hochhausblock in Duisburg, gesprengt. 300 Kilo Sprengstoff und 600 Zünder brachten das Hochhaus zu Fall. Viele fieberten vor Ort mit.

Es ist noch früh, als Duisburg-Hochheide an diesem Sonntagmorgen zum Leben erwacht. Rund 2.200 Anwohner müssen jetzt ihre Wohnungen verlassen. Während sie von der Ottostraße wegfahren, kommen ihnen jede Menge Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr entgegen.

Sprengung vom dritten "Weißen Riesen"

Zwei Hochhäuser in Duisburg-Hochheide

Der "Weiße Riese" (links) vor der Sprengung

Es ist kein gewöhnlicher Sonntag, denn heute wird der dritte sogenannte "Weiße Riese", ein Hochhaus mit zwanzig Stockwerken, gesprengt. Er ist eines von insgesamt sechs Hochhäusern, die aufgrund ihrer Größe und weißen Fassaden so genannt werden. Der dritte und vorerst letzte "Weiße Riese" soll jetzt fallen, die ersten beiden wurden schon in den Jahren 2019 und 2021 gesprengt.

Kurz vorher große Aufregung

Martin Hopfe war bei diesen beiden Sprengungen als Sprengmeister in Duisburg dabei. Diesmal wird seine Nachfolgerin den Zünder drücken und er kann sich zum ersten Mal als Zuschauer zurücklehnen. "Es ist schon so, dass man mitfiebert", findet Hopfe.

Ein Mann in einem blauen Hemd steht vor zweu Hochhäusern

Martin Hopfe - heute nur als Zuschauer

Die meiste Arbeit sei zwar schon gemacht und die rund 300 Kilo Sprengstoff und 600 Zünder seien schon im Laufe der vergangenen Woche vorbereitet worden. Und trotzdem sei vor allem die letzte Stunde vor der Sprengung "Aufregung pur" - das weiß der Sprengmeister aus Erfahrung.

Wasserfontänen gegen Staub: Neue Maßnahme auf dem Dach

Mehrere Menschen stehen auf der Straße und warten auf die Sprengung

Warten auf die Sprengung

Damit der Staub sich nach der Sprengung nicht zu sehr ausbreitet, sind diesmal mehrere Wasserbecken auf dem Dach des Gebäudes aufgestellt. Die werden unmittelbar vor der Sprengung des Hauses ebenfalls gezündet.

"Auf dem Dach entsteht eine Wasserfontäne, die teilweise bis 30 Meter hoch gehen kann und die kommt dann als Regen runter", erklärt Hopfe. Das Wasser soll den Staub etwas binden - "das haben wir bei den ersten beiden Weißen Riesen nicht gehabt", erinnert er sich.

Der Moment der Sprengung ist gekommen

Ein Hochhaus wird kontolliert gesprengt

Der Moment der Sprengung

Stille. Dann ein lauter Knall, der rund um den "Weißen Riesen" zu spüren ist. Die Wasserfontänen auf dem Dach sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, so schnell geht alles. Dann bricht der "Weiße Riese" zusammen. Nur wenige Sekunden hat es gebraucht, den 60 Meter hohen Wohnblock zum Fallen zu bringen.

Nach dem Fall ist vor dem Neuaufbau in Duisburg

Die Sprengung ist nach wenigen Sekunden vorbei und auch der Staub hat sich wenig später gelegt. Doch das wird nur der Anfang sein: über 80.000 Tonnen Schutt müssen sortiert, zerkleinert und abtransportiert werden. Was altersgrau begann in den Siebzigern mit Wohnträumen und Modernität, endete als sozialer Brennpunkt - mit Leerstand, Müllproblemen und kriminellen Verdachtsfällen.

Es ist noch ein weiter Weg, aber die Vision ist schon da: Es soll Grünflächen, eine moderne Infrastruktur und ein neues Quartierszentrum geben, erklärt Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, der zur Sprengung des Gebäudes vor Ort war. "Heute ist für mich ein wichtiger Meilenstein - und ich glaube auch, für das ganze Quartier hier."

Könnte ein weiterer "Weißer Riese" fallen?

Oberbürgermeister Link stört auch ein anderer, größerer "Weißer Riese". Dort sei es besonders heruntergekommen, dreckig und leer. Einen Abriss müsse er aber noch mit den Eigentümern klären. Das könne sich noch Jahre hinziehen. "Wir müssen dran bleiben und das Verhalten der Menschen, die sich hier störend verhalten, ändern", so Link. "Entweder mit den Menschen oder im Zweifel auch, indem wir das Haus aufkaufen und neu vermieten oder vom Markt nehmen."

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilungen der Stadt Duisburg
  • WDR-Archiv
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interview mit Martin Hopfe, Sprengmeister
  • Interview mit Sören Link, Oberbürgermeister Duisburg

Über dieses Thema berichten wir am 27.07.2025 auch im WDR Fernsehen, in der Aktuellen Stunde um 18:45 Uhr.

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