CO2-Pipeline bedroht Duisburger Wald
WDR. 03:28 Min.. Verfügbar bis 16.06.2028.
Stadtförster Stefan Jeschke ist von den CO2-Pipeline-Plänen, die er kennt, entsetzt. "Das wäre ein Eingriff in den Wald, wie wir ihn bisher noch nicht gesehen haben", sagt er. Vorgesehen sei ein Korridor, der in Duisburg vor allem durch den Wald verlaufe. 17 Hektar müssten laut Jeschke für den Bau gerodet werden.
Eine 28,50 Meter breite Schneise
Duisburgs Stadtförster Stefan Jeschke
Jeschke misst die Schneise, die entstehen würde, genau ab: 28,50 Meter breit. Zum großen Teil würde das nach dem Bau wieder aufgeforstet - aber auch das könnte den wertvollen Baumbestand nicht ersetzen. Denn auch alte Bäume wären betroffen, bin hin zu 200 Jahre alten Eichen im Stadtwald rund um den Kaiserberg. Auch das Naturschutzgebiet Rheinaue Ehingen würde beschädigt.
Duisburg hat ohnehin wenig Wald
Jeschke sieht das besonders kritisch, weil es in Duisburg ohnehin wenig Wald gibt. Duisburg sei eine Stadt mit einer geringen Bewaldung von nur circa elf Prozent: "Wir müssen mit dem Wald, den wir haben, sehr vernünftig umgehen."
Pipeline soll Industrie helfen
Isabelle Wippich, Projektsprecherin von Open Grid Europe
Der Wald bedroht - durch ein Projekt, das dem Klima helfen soll. Dieses Ziel zumindest vermittelt Open Grid Europe (OGE) in Essen, die Firma, die die CO2-Pipeline bauen soll. Sie will für Industrien im Ruhrgebiet, die schwer oder gar nicht CO2 einsparen können, eine Möglichkeit schaffen, das klimaschädliche Gas abzutransportieren. Die Zementindustrie etwa drängt darauf.
Klimaschädliches Gas soll zur Nordsee transportiert werden
Der geplante Verlauf der CO2-Pipelines.
Entstehen soll bis 2033 der "Delta Rhine Corridor" als Teil eines CO2-Pipelinenetzes. Darüber soll das Gas Richtung Nordsee geleitet und dort in alte Gasfelder gepresst werden.
"Wenn wir in 2045 klimaneutral sein möchten, dann benötigen wir eine Möglichkeit, CO2 abzuscheiden für Industrien, die prozessbedingt kein CO2 vermeiden können." Isabelle Wippich, Projektsprecherin Open Grid Europe
OGE betont jetzt: Alternativen werden geprüft
Den Konflikt mit der Stadt Duisburg versucht OGE nun einzufangen. Uns gegenüber betont das Unternehmen: Es seien mittlerweile auch alternative Routen für die Pipeline in Prüfung, die die Stadt noch nicht kenne. Sie würden über den Duisburger Hafen oder entlang der Autobahn A3 verlaufen. Am Ende müsse die Bezirksregierung in der "Raumverträglichkeitsprüfung" entscheiden.
Im Wald wäre es am billigsten
Stadtförster Jeschke hofft sehr, dass dann tatsächlich eine Route außerhalb des Waldes gewählt wird. In besiedeltem Raum oder unter Straßen zu bauen, ist teurer, als einfach durch den Wald - aber Jeschke ist sicher, dass der Schutz des Waldes die zusätzlichen Kosten wert wäre.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Stefan Jeschke, Stadtförster Duisburg
- Gespräch mit Isabelle Wippich, Projekt-Pressesprecherin Open Grid Europe
Sendung: WDR.de, "CO2-Pipeline bedroht Duisburger Wald", 16.06.2026, 16:25 Uhr
