Bürgerstiftung Duisburg gibt auf: Probleme für Ehrenamt
WDR. 03:16 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Kabelhaufen auf dem Boden, Umzugskartons - ein Anlaufpunkt in Auflösung. Die Bürgerstiftung Duisburg wird kein Geld für Engagement in der Stadt mehr verteilen. "Das ist schon traurig", sagt der Vorstandsvorsitzende Sebastian Worms. Die Stiftung hat neben sozialen Projekten auch Bücherzellen und Speed-Displays gefördert.
Sebastian Worms, Vorstandsvorsitzender Bürgerstiftung Duisburg
"Ich glaube, Duisburg wird ein bisschen kälter." Sebastian Worms, Vorstandsvorsitzender Bürgerstiftung Duisburg
Doch sie haben erkennen müssen, dass ihre Zeit vorbei sei. Voriges Jahr erhielt sie nur noch 30.000 Euro Spenden, schon der Betrieb des Büros ist teurer. Ein Problem: Der Tod der langjährigen Großspenderin Gabriela Grillo 2024. Aber auch insgesamt habe "die Spendenbereitschaft in der Gesellschaft deutlich abgenommen", sagt Worms.
Bezirksvertreter Claus Lindner, SPD, unterwegs in Marxloh
"Das macht mir Riesen-Sorgen", betont Claus Lindner. Er ist in der SPD, engagiert sich seit langem für den Duisburger Stadtteil Marxloh. Und sieht Partner um Partner wegbrechen. Stiftungen geben auf.
"Aber wir haben auch immer mehr Firmen, die sich aus ihrem Umfeld rausziehen. Früher gab es da viel mehr Unterstützung." Claus Lindner (SPD) Fraktionsvorsitzender Bezirksvertretung Hamborn
Große Probleme für ehrenamtliche Arbeit
Das bedeute große Probleme auch für ehrenamtliche Arbeit. Denn für jedes Fest und fast jede Aktion brauche es auch eine kleine finanzielle Grundlage. Wenn die fehle, werde vielem, so Lindner, die Basis entzogen. In Marxloh vermisst er schon das jährliche Stadtfest auf dem Markt und das Kinderfest bei Grillo - Treffpunkte für das Viertel, die es so nicht mehr gebe.
Ein Thema im ganzen Ruhrgebiet
"Das destabilisiert die Gesellschaft", fürchtet Lindner. Und auch Jasmin Sandhaus sagt: "Am Ende ist das ein Demokratiethema im ganzen Ruhrgebiet."
Jasmin Sandhaus, Geschäftsführerin der Haniel Stiftung
Sandhaus ist Geschäftsführerin der Haniel Stiftung. Die gibt es noch - aber Sandhaus merkt, dass ihr immer öfter Partner fehlen, mit denen sie zusammen Projekte umsetzen oder an die sie auch mal Ideen weitergeben kann.
"Wir merken in jeder Kommune, in jeder Stadt, dass die Mitspieler, die gestalten können und wollen und auch die finanziellen Möglichkeiten haben, immer weniger werden." Jasmin Sandhaus, Geschäftsführerin der Haniel Stiftung
Hoffnung für Zukunft bleibt
Sie alle eint der Schreck, dass es der Bürgerstiftung nun ganz vorbei ist. Und sie haben eine Hoffnung: Dass mögliche Stifter und Spender sich jetzt nicht zurückziehen. Sondern eher sagen: Jetzt erst recht.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Sebastian Worms, Bürgerstiftung Duisburg
- WDR-Gespräch mit Claus Lindner (SPD), Bezirksvertreter Hamborn
- WDR-Gespräch mit Jasmin Sandhaus, Haniel Stiftung
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 12.06.2026, 19:30 Uhr
