Essener Klinik testet schnellere Transportwege
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 18.06.2028.
Mit lautem Getöse startet eine Drohne von einem Terminal am St. Josef Krankenhaus in Essen-Kupferdreh und nimmt Kurs auf ein acht Kilometer entferntes Labor. In dieser Woche testet die Klinik den autonomen Transport von Blut, Urin- und Gewebeproben auf dem Luftweg. Ziel ist es, die Wege und Abläufe zwischen Klinik und Labor zu beschleunigen.
Schnell und ohne Stau zum Ziel
Die Drohne fliegt nach einer vorher einprogrammierten und festgelegten Flugroute über die Ruhr Richtung Essen-Huttrop. Sie ist etwa doppelt so schnell am Ziel wie ein Auto und kann bis zu sechs Kilo Gewicht transportieren. Mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h fliegt sie in etwa 100 Metern Höhe - flexibel und ohne Staurisiko.
Start-Up-Gründer haben die innovative Technik entwickelt
Die Drohne, etwa so groß wie ein Bordcase, sowie die Software hat ein Start-Up-Unternehmen in Köln entwickelt, ein junges Team aus Luft- und Raumfahrttechnikern, Physikern, Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern. Das Besondere an der innovativen Technik: Die Drohne fliegt komplett autonom. Denn die jungen Gründer haben auch ein ausgeklügeltes Robotiksystem entwickelt, das die Drohne innerhalb einer Art Garage automatisch be- und entladen kann und durch das Garagentor schiebt.
Klinikpersonal kann Drohnen selbständig bedienen
Annika Römer, medizinische Fachangestellte in der zentralen Notaufnahme am St. Josef Krankenhaus in Essen, ist eine der ersten, die den Umgang mit der Drohne lernt. Mit einem Chip bekommt sie die Zugangsberechtigung, per Touchpad öffnet sich eine Klappe, in die sie die Blutproben legt, dann drückt sie auf das Feld "verschicken" und der Rest funktioniert automatisch. "Ein spannendes Projekt und kinderleicht zu bedienen", findet sie. "Innerhalb von wenigen Minuten ist das Blut im Labor und kann ausgewertet werden, wir können die Patienten viel schneller operieren".
Klinik will Zeit und Kosten sparen
Das St. Josef Krankenhaus ist ein vergleichsweise kleiner Standort und betreibt kein eigenes Labor. Es ist auf die Kooperation mit einem externen Labor angewiesen, in dem Fall dem Medizinischen Versorgungszentrum für Labormedizin und Mikrobiologie Ruhr, eines der größten Labore in Essen. Es bearbeitet und wertet 5.000 Proben pro Tag aus. Klinikmanager Matthias Schnelting erhofft sich einige Vorteile von der innovativen Technik.
"Uns geht es auch zum Wohl unserer Patienten darum, dass wir noch schneller Ergebnisse der Proben erhalten und wir können auch sonst Fahrt-Kosten sparen". Matthias Schnelting, Klinikmanager
Bislang fahren Kurierdienste vom Deutschen Roten Kreuz zwischen Klinik und Labor hin und her. Häufig stecken sie im dichten Stadtverkehr fest und Fahrten verzögern sich dadurch.
Gefahrgut gut abgesichert
Die Entwickler der innovativen Technik versichern, die Drohne sei absolut sicher. Denn immerhin transportiert sie sensible Fracht, die nicht in falsche Hände geraten darf. Die Drohne musste viele Testflüge überstehen und Genehmigungsverfahren durchlaufen. Auf ihren Flügen werden die Drohnen von ausgebildeten Piloten von einer Überwachungszentrale aus streng kontrolliert. Bei Problemen könnten die sofort eingreifen und die Drohne zur Rückkehr bewegen. Falls es im unwahrscheinlichen Fall mal zu einem Absturz komme, sei ein Fallschirm an Bord. Dann würden umgehend Polizei, Feuerwehr und die Luftfahrtbehörden eingeschaltet.
Der Drohnenverkehr zwischen Klinik und Labor wird noch bis zum Ende der Woche in Essen getestet. Die Verlagerung von der Straße in die Luft soll künftig eine Ergänzung und Unterstützung der Kurierdienste sein. Bei Wind und Wetter und Schnee kann die Drohne ohnehin nicht zum Einsatz kommen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort
- St. Josef-Krankenhaus Essen-Kupferdreh
- Medizinisches Versorgungszentrum für Labormedizin und Mikrobiologie Ruhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 17.6.2026, 19:30 Uhr
