Emotionaler Abschied von größter Autobahnkirche im Ruhrgebiet

Lokalzeit aus Dortmund 02.02.2026 03:14 Min. Verfügbar bis 02.02.2028 WDR Von Nathalie Arendt-Koslowski

Emotionaler Abschied von größter Autobahnkirche im Ruhrgebiet

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Traurige Gesichter heute beim letzten Gottesdienst in der Autobahnkirche an der A40 in Bochum. "Ich weiß nicht mehr wohin", meint ein Besucher.

Es war ein Tag voller Tränen. Am Samstagmorgen bereiten die beiden Männer, die die Autobahnkirche geprägt haben, den Abschied von ihrem zweiten Zuhause vor. Sie stehen in der Kirche und trauern darum, dass dieser besondere Ort aus dem Ruhrgebiet verschwindet. "Heute ist ein furchtbarer Tag", sagt Pfarrer Andreas Volke sichtlich mitgenommen. Auch sein Kollege Karl-Heinz Gehrt ringt mit den Worten. "Ich war so viele Jahrer hier Pfarrer", erinnert er sich mit erstickter Stimme.

Der Innenraum der Autobahn Kirche. Mehrere Sitzreihen sind zu einem Altar ausgerichtet

Das Gästebuch und der Innenraum der Autobahnkirche Ruhr

Die beiden haben an die Autobahnkirche geglaubt und sie mit Herzblut betrieben. Im Eingangsbereich liegt eine Art Gästebuch aus. Hier konnten Besucher Nachrichten und Gedanken hinterlassen. Einer schreibt: "Ich weiß jetzt nicht mehr wohin." Auch die rund 30 Besucher, die heute zum Abschied gekommen sind, trauern um die größte Autobahnkirche im Revier.

Besucher verabschieden sich von ihrem "Ruheort"

"Zwischen Hamm und Venlo gibt es jetzt keinen Anlaufpunkt mehr. Ich bin Busfahrer und war hier oft zum Gebet", sagt ein Besucher. "Ich habe hier immer Ruhe gefunden", berichtet eine Frau. 15 Jahre lang war die Autobahnkirche Ruhr ein wichtiger Anlaufpunkt für alle Verkehrsteilnehmer im Revier und eine Landmarke in Bochum.

Jedes Jahr wurden hier mit einem Gottesdienst der Opfer im Straßenverkehr in Bochum und Umgebung gedacht. Am Tag der Autobahnkirchen im Juni veranstaltete der Verein jedes Jahr besondere Aktionen, wie ein Zusammentreffen für Biker 2025.

Laut Verein haben täglich rund 15 Menschen die Kirche besucht. Damit ist jetzt aber Schluss. Der Verein der Autobahnkirche war Gast in einer Bochumer Gemeinde, die ihr Gotteshaus verkauft hat - an eine Privatperson. Zwar könnten hier noch Veranstaltungen stattfinden, allerdings wäre die Kirche dann säkularisiertt und eine christliche Nutzung nicht mehr möglich.

Banner mit Hinweis auf Autobahnkirche wird abgehangen

Vor dem Gebäude der Autobahn Kirche steht ein Kran

Die Banner der Autobahnkirche werden abmontiert

Am Samstagvormittag wurden die Schilder nun abgeschraubt. Das Banner mit der Aufschrift "Komm mal zur Ruhe", das von der A40 aus sichtbar war, ist nun abgehangen. Eine kleine Andacht wurde vor der Kirche abgehalten. Das haben die Pfarrer bewusst gemacht, als Zeichen, dass sie sich ausgeperrt und sich bei der Entscheidung, die Kirche zu verkaufen, übergangen gefühlt haben.

Gedenkort ist auch geplatzt

Zwei Personen stehen in der Kirche vor einem Kerzenständer

Pfarrer Karl-Heinz Gehrt und Andreas Volke (v.l.) in der Kirche

Es läuft "Ain't no Sunshine" - ein Lied, das zu diesem Tag des schweren Abschieds passt. Der Verein hatte auch einen Gedenkort für Opfer im Straßenverkehr geplant. Dafür waren schon erste Ideen gesammelt worden. Mit dem Verkauf der Kirche ist auch diese Planung hinfällig. Nachdem alles abgeschraubt und weggeräumt ist, sind Andreas Volke und Karl-Heinz Gehrt erleichtert. Das Schlimmste haben sie geschafft.

Die Banner der Autobahnkirche sollen in ein Museum kommen. Dort sollen sie an die Zeit errinnern, als es eine Autobahnkirche mitten im Ruhrgebiet gab.

Emotionaler Abschied von größter Autobahnkirche im Ruhrgebiet

WDR Studios NRW 31.01.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 31.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Trägerverein der Autobahnkirche Ruhr
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Emotionaler Abschied von größter Autobahnkirche im Ruhrgebiet, 31.01.2026, 17.15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 02.02.2026, 19.30 Uhr

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