Ein Kirche

Die Epiphaniaskirche an der A40 in Bochum-Hamme

Tag der Autobahnkirche: "Die Seele muss auch rasten und auftanken"

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Jedes Jahr am 29. Juni feiern Menschen Autobahnkirchen. Aber sind die überhaupt noch zeitgemäß und notwendig? Viele sagen: "Ja!"

Karl-Heinz Gehrt hat Schweißperlen auf der Stirn und ein breites Grinsen im Gesicht. Trotz der Hitze genießt der Pfarrer der Autobahnkirche in Bochum-Hamme den Sonntag. Schließlich geht es heute um seine Kirche an einer der meistbefahrenen Autobahnen in Deutschland. Die Epiphaniaskirche an der A40 mitten im Ruhrgebiet. Gehrt findet seine Kirche wichtig, um in dieser schnelllebigen Zeit Pause zu machen.

Alle müssen mal auftanken, Rast machen und innehalten. Nicht nur der Körper, sondern auch die Seele. Karl-Heinz Gehrt, Pfarrer der Autobahnkirche an der A40
Mann mit Brille in einer Kirche

Pfarrer Karl-Heinz Gehrt neben seinem Anliegenbuch. Das ist schon fast voll.

Dafür sei die Autobahnkirche genau der richtige Ort. Täglich würden bis zu 15 Menschen die Kirche besuchen, sagt er, also gut fünfeinhalbtausend im Jahr. Das seien zwar nicht so viele, wie an der Autobahnkirche in Baden-Baden. Dort sind es im Jahr bis zu 300.000 Besucher. Das liege daran, dass die A40 eine Pendler- und keine Reiseroute sei und die Zahl seit Jahren konstant.

Wechselnde Themenschwerpunkte und Partner

Bundesweit gibt es 45 Autobahnkirchen. Sie alle beteiligen sich mehr oder weniger am Tag der Autobahnkirche. Der Tag steht jedes Jahr in jeder Kirche unter einem anderen Motto. Mal waren es Reise, LKW oder Sicherheit im Verkehr. In diesem Jahr geht es in Bochum um Motorradfahrer, auch weil die Unfallzahlen wieder steigen.

Das Logo einer christlichen Motorradgruppe aus Essen

Das Logo der "Flying Angels" aus Essen.

Die Polizei ist mit einem Infostand vertreten, genauso das Netzwerk Organspende. Mehrere christliche Motorradgruppen sind gekommen, zum Beispiel die "Flying Angels" aus Essen. Mit dabei ist Günter Renk aus Duisburg-Baerl.

Fliegende Engel auf zwei Reifen

Mann in Lederkutte vor Kirche

Günter Renk ist auf seinem Motorrad gläubig unterwegs.

Der 58-jährige ist seit gut drei Jahren Mitglied bei den fliegenden Engeln. Auch er glaubt, dass Autobahnkirchen große Bedeutung haben, unter anderem für LKW-Fahrer, die vielleicht lieber anonym und allein sein wollen.

Die Kirche ist immer offen. Da kann ich immer hinkommen und nur für mich sein. Günter Renk, Mitglied bei den Flying Angels aus Essen

Gemeinschaft und Glaube lebt jeder anders

Mann mit Brille auf Bank und Motorradkluft

Frank Schmelting glaubt, dass die Kirche wieder mehr auf Menschen zugehen muss.

Auch wenn sich die Themen am Tag der Autobahnkirche unterscheiden, eins haben alle gemein: um 14 Uhr gibt es einen Gottesdienst. In Bochum mit einem Segen für jedes einzelne Motorrad. Den holt sich auch Frank Schmelting, obwohl der Mann aus Gelsenkirchen nicht wirklich gläubig ist, wie er sagt.

Es gibt einem zumindest ein beruhigendes Gefühl. Ob es wirklich so ist, lass ich mal dahingestellt. Aber es hilft irgendwie. Frank Schmelting, Motorradfahrer
Mann auf Stuhl hinter Merchandisingartikeln

Die "Flying Angels" haben viel zu bieten, im Hintergrund Urgestein "Hannes".

Schmelting ist mit einem Freund hier. Beide finden mit Aktionen, wie dem Motorradgottesdienst, würde die Kirche wieder ihre eigentliche Aufgabe erfüllen und auf bestimmte Gruppen zugehen und zeigen wofür sie überhaupt steht: für Gemeinschaftsgefühl und Halt für Menschen.

Jeder Mensch zählt

Pfarrer Karl-Heinz Gehrt hat inzwischen mit einer kühlen Apfelschorle seinen Durst gestillt in der heißen Sonne. Und auch wenn am Ende weniger Menschen und Motorräder da waren als erwartet, er ist mit dem Zulauf zufrieden.

Nicht nur die großen Zahlen zählen, sondern jeder einzelne Mensch und was er braucht. Karl-Heinz Gehrt, Pfarrer Autobahnkirche Bochum

Einige der Besucher schreiben ihre Gedanken am Ende des Tages noch in das Anliegenbuch auf einem Podest in der Autobahnkirche. Manche sprechen ein Gebet oder kühlen sich kurz ab an diesem heißen Sonntag an der A40 in Bochum.

Autobahnkirchentag: Messe an einer Kirche mit Bikern

WDR Studios NRW 29.06.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 29.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Evangelische Autobahnkirche RUHR Bochum
  • Pfarrer Karl-Heinz Gehrt
  • Besucher und Motorradfahrer
  • Reporter vor Ort

Über das Thema berichteten wir am 29.06.25 auch im Radio bei WDR2 und im Fernsehen bei WDRaktuell.

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