"Berührt schon sehr mein Herz": Ersthelfer berichtet von Lwiw-Einsatz

06:40 Min. Verfügbar bis 23.02.2028

"Berührt schon sehr mein Herz": Ersthelfer berichtet von Lwiw-Einsatz

Stand:

Ehrenamtler aus Wuppertal waren am Samstag zufällig in der Nähe zweier Explosionen in Lwiw. Einige von ihnen wurden zu Ersthelfern.

Felix Stein war einer der Ersten, der den Verletzten nach den beiden Explosionen im ukrainischen Lwiw geholfen hat. Der 25-Jährige kommt aus Dresden und hat sich der Wuppertaler Hilfsorganisation "Water for Ukraine" angeschlossen. Am Montag hat er seine Eindrücke des Einsatzes im WDR-Interview geschildert.

WDR: Herr Stein, wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Ihnen? Wie geht es dem Team?

Felix Stein: Vielen Dank, dem Team und mir geht es gut. Wir hatten keine Verletzung erlebt. Am Anfang war ich relativ aufgeregt, weil ich das erste Mal eine Detonation tatsächlich in der Ukraine erlebt habe. Aber ja, wir gewöhnen uns an die Lage, so wie es die Ukrainer auch tun müssen.

WDR: Sie sind ehrenamtlicher Helfer vor Ort. Bei dem Anschlag spricht man davon, dass es ein mutmaßlicher Terroranschlag gewesen sein soll, der auch Rettungskräfte treffen sollte. Wie haben Sie diese beiden Detonationen erlebt? Sie waren ja unmittelbar in der Nähe.

Felix Stein: Ja, ich war zufällig zu Besuch bei "Water for Ukraine", weil ich eigentlich mit dem Verein, dem medizinischen Hilfsdienst Nordrhein, unterwegs war in der Ukraine. Und dann hatten wir unsere Partner "Water for Ukraine" besucht. Und dann waren wir zufällig hundert Meter von dem Einschlagsort entfernt, haben das natürlich nicht geplant. Die erste Detonantion war für uns unwichtig, weil wir dachten, es war wahrscheinlich ein Gasrohr, das geplatzt ist. Bei der zweiten Explosion haben wir gemerkt, dass es doch was Größeres ist. Und es kann eigentlich nichts Übliches sein, wie eine Drohne. Weil dafür hätte es einen Luftalarm geben müssen. Und es konnte auch keine Hyperschallrakete sein, weil dafür war die Explosion zu schwach. Und dann haben wir vom Balkon gesehen, dass ein Polizist verwundet war.

WDR: Sie sind dann runter gegangen, haben Erste Hilfe geleistet. Was geht einem in so einem Moment dann durch den Kopf?

Felix Stein: Ich denke so, wie es jedem durch den Kopf geht, wenn man tatkräftig wird, wenn Personen verletzt sind. Man geht hin und versucht einfach zu helfen. Dadurch, dass ich keine medizinische Ausbildung habe, war ich ein bisschen schockiert, weil ich nicht dazu ausgebildet bin, in solchen Stresssituationen anständig zu reagieren. Aber selbst da habe ich versucht, mich einzubringen, indem ich übersetzt habe, weil ich die Landessprache halbwegs gut beherrsche und versucht habe, einfach zu vermitteln und dem Rettungssanitäter aus Wuppertal zu helfen.

WDR: Morgen ist der vierte Jahrestag dieses Angriffkriegs auf die Ukraine. Was bewegt Sie angesichts dieses Jahrestags?

Felix Stein: Schwierig zu sagen, also, es tut mir unfassbar leid für die Menschen, dass sich dieser Krieg zum vierten Mal jährt. Und ich bin sehr froh, dass ich an diesem Tag hier sein kann und meine Solidarität mit meiner Präsenz bekunden kann. Vor allem jetzt, einen Tag vor dem symbolischen Tag, bin ich in Nikopol, wo die Lage wirklich brenzlig ist. Ich war noch nie so nah an der Front und hier hab ich jetzt mehrere Male Artilleriebeschuss gehört. Gerade eben ist auch eine Drohne vorbeigeflogen, eine Aufklärungsdrohne. Man gewöhnt sich dran, aber wenn ich in einen ruhigen Moment komme, dann berührt es schon sehr mein Herz, weil das sind einfach nur Menschen, die in Freiheit leben wollen und selbstbestimmt leben wollen. Und das wird ihnen verwehrt.

Das Interview führte WDR-Moderatorin Luisa Skrabic. Für die Online-Version wurde es sprachlich angepasst, ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quelle:

  • Interview mit Felix Stein, Ersthelfer

Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 23.02.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, "Berührt schon sehr mein Herz": Ersthelfer berichtet von Lwiw-Einsatz, 23.02.2026, 17:42 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Rheinland

1 / 2