Der Spotsprayer ist auf einem Feld in Swisttal im Einsatz

WDR 06:04 Min. Verfügbar bis 09.06.2028

Neue Technik in der Landwirtschaft KI hilft beim Pflanzenschutz in Swisttal

Stand:

In Swisttal ist eine neue Maschine auf den Feldern unterwegs. Sie erkennt durch eine KI Unkraut und bekämpft es gezielt. Es gibt viele Vorteile, aber auch Kritik.

Von Thorben Krull

Kosten und Pflanzenschutzmittel sparen, die Umwelt schonen - das versprechen die Hersteller vom Spotsprayer; einer neuen Maschine, die auf den Feldern im Rheinland unterwegs ist. Deutschlandweit sind erst 70 Maschinen im Einsatz, in NRW gerade mal 20.

Die Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft hat sich auch einen Spotsprayer angeschafft und fährt damit zu den Landwirten in der Region. Landwirt Toni Winkelhag lässt die Maschine auf seinem Maisfeld in Swisttal einsetzen.

"Hier können wir erhebliche Mengen an Pflanzenschutzmitteln einsparen, dementsprechend auch Kosten reduzieren und etwas für die Umwelt tun." Toni Winkelhag, Landwirt aus Weilerswist

Eine Kamera macht 20 Bilder pro Sekunde

Eine große Kamera mit zwei Lichtern ist an einer Maschine befestigt.

Diese Kamera macht Bilder vom Feld, um das Unkraut zu identifizieren.

Das Prinzip ist denkbar simpel. Eine Kamera fotografiert das Feld von oben mit 20 Bildern pro Sekunde. Die künstliche Intelligenz wertet diese Bilder blitzschnell aus und unterscheidet zwischen Nutzpflanzen und Unkraut. 156 Düsen besprühen dann zentimetergenau das Unkraut mit Pflanzenschutzmittel.

Bis zu 95% Einsparungen beim Pflanzenschutzmittel

Bei Feldern mit sehr wenig Unkraut können so laut Hersteller bis zu 95% Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Sobald auf einer Fläche aber sehr viel davon vorhanden ist, ist die Einsparung deutlich geringer.

"Das ist ein wunderbares Mittel um die Pflanzenschutzmittel-Reduktion zu realisieren." Karl-Heinz Kloetergens, Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft

Kritik von Umweltschützern

Finger halten eine Unkraut-Pflanze.

Eine Pflanze wurde vom Spotsprayer mit Pflanzenschutzmittel besprüht.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz sieht in der neuen Technik zwar einen großen Fortschritt und es mache Sinn, Unkraut gezielt mit Pflanzenschutzmitteln zu besprühen anstatt die gesamte Fläche zu behandeln. Aber es wird auch Kritik geäußert.

"Die Gefahr ist jedoch, dass mit der Anschaffung solcher Geräte der Einsatz von Pestiziden zum gängigen Alltag gemacht und nicht mehr hinterfragt wird." Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)

Spotspraying alleine reiche nicht aus, um die Biodiversität zu schützen. Es sei wichtig, die Landwirte zu alternativen Pflanzenschutzmöglichkeiten zu beraten und dort auch finanziell zu unterstützen. Für fast alle Kulturen gebe es auch nicht-chemische Methoden. Auch andere KI-gestützte Systeme sind bereits im Einsatz. Zum Beispiel gibt es rund 30 Maschinen in NRW, die Unkraut durch den Einsatz von Lasern entfernen.

Das System sei anfällig bei Staub und wechselndem Licht

Laut Rheinischem Landwirtschaftsverband sei die Maschine noch anfällig bei viel Staub, wechselnden Lichtverhältnissen oder auch bei sehr jungen Pflanzen. Deshalb benötigt sie auch eine regelmäßige Wartung.

Außerdem seien die Anschaffungskosten noch sehr hoch, weshalb die Landwirte sich häufig in Genossenschaften organisieren würden, um die Kosten aufzuteilen.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • WDR-Gespräch mit Karl-Heinz Kloetergens, Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft
  • WDR-Gespräch mit Toni Winkelhag, Landwirt aus Weilerswist
  • Rheinischer Landwirtschafts-Verband e.V.
  • Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 09.06.2026, 19:30 Uhr

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