Wülfrath: NRW will Umweltschutz und Ernte besser in Einklang bringen
Lokalzeit Bergisches Land. 10.11.2025. 02:30 Min.. Verfügbar bis 10.11.2027. WDR. Von Vanessa Kockegei.
Versorgungssicherheit und Biodiversität sollen künftig stärker zusammen gedacht werden. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen stellte heute in Wülfrath gemeinsam mit Landwirtschaftskammerpräsident Karl Werring die neue "Reduktionsstrategie Pflanzenschutzmittel NRW" vor – mit klaren Zielen für eine nachhaltige Landwirtschaft.
Ziel: Moderne Technik und präziser Einsatz
Mit dem Klimawandel und seinen Folgen steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. "Unsere Ernten müssen gesichert bleiben, ohne die Umwelt zu gefährden", sagte NRW-Umweltministerin Gorißen. Das Ziel sei Ernteschutz bei gleichzeitiger Reduktion von Pflanzenschutzmitteln.
"Wir müssen uns ehrlich machen: Wir können noch nicht gänzlich auf Pflanzenschutz verzichten, wenn wir die Versorgungssicherheit gewährleisten wollen." Silke Gorißen (CDU), Landwirtschaftsministerin Nordrhein-Westfalen
Helfen sollen moderne Techniken. Wie zum Beispiel das so genannte Spot-Spraying: Drohnen scannen die Feldflächen, eine KI kategorisiert die erkannten Pflanzenarten und zeichnet sie auf einer Karte ein. So kann im Anschluss gezielt dort gespritzt werden, wo überhaupt Unkraut wächst.
Ein anderes Gerät: Ein autonomer Hackroboter. Dieser fährt durch die Felder, erkennt Unkraut und zerhackt dieses, damit keines nachwachsen kann und dort nicht gespritzt werden muss. Der kostet aktuell allerdings pro Stück rund 200.000 Euro.
Gorißen: Thema Pflanzenschutz versachlichen
NRW-Landswirtschaftsministerin Silke Gorißen zur neuen Reduktionsstrategie Pflanzenschutzmittel
01:40 Min.. Verfügbar bis 10.11.2027.
Weiterer Baustein: Agrarumweltmaßnahmen
Aber auch natürliche Vorgehensweisen gehören dazu. So gibt es etwa bereits ein Förderprogramm für vielfältige Fruchtfolgen, die die landwirtschaftlichen Flächen resistenter machen, sodass durch diese Prävention gar keine Chemie zum Einsatz kommen muss. Oder der Einsatz so genannter Nützlinge, Insekten, die die Schädlinge fressen.
In dieses Förderprogramm sind bereits sechs Millionen Euro geflossen; es haben schon mehr als eintausend Unternehmen teilgenommen. Auch weitere Agrarumweltmaßnahmen wie Blühstreifen und Ökolandbau werden weiter gestärkt. "Wir wollen unsere Betriebe mitnehmen", so Gorißen. "Die Maßnahmen sind realistisch und umsetzbar".
Freiwilligkeit und Förderung als Prinzip
Landwirtschaftskammer-Präsident Karl Werring lobt das Vorgehen. Es sei wichtig, dass es keine starren Vorgaben gebe, sondern einen engen Austausch zwischen Regierung und Landwirten mit Vertrauen. Denn die Bedingungen seien je nach Region, Wetter und weiteren Faktoren sehr unterschiedlich.
Ministerin Silke Gorißen (l.) mit Landwirtschaftsexperten auf einem Hof in Wülfrath
Deshalb ist ein zentraler Baustein der Strategie eine neutrale Beratung, die Landwirte bei der Reduktion von Pflanzenschutz unterstützt, und sich umgekehrt gleichzeitig eine Rückmeldung von diesen holt, was in der Praxis funktioniert und was nicht.
Unsere Quellen:
- Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
- Landwirtschaftskammer NRW
- Gespräche und Interviews der Reporterin vor Ort