Gefälschte Zigaretten - Drahtzieher vor Gericht | WDR Aktuel
00:29 Min.. Verfügbar bis 16.01.2028.
Zehn Monate, nachdem der Zoll in Düsseldorf-Lierenfeld eine illegale Zigarettenfabrik stillgelegt hat, hat am Freitagvormittag vor dem Landgericht Düsseldorf der Strafprozess gegen die mutmaßlichen Organisatoren begonnen.
Angeklagt sind vier Männer aus Polen und der Ukraine im Alter zwischen 45 und 58 Jahren. Ihnen werden die Bildung einer kriminellen Vereinigung und besonders schwere Steuerhinterziehung vorgeworfen.
300 Millionen Zigaretten produziert
Die Angeklagten vor Prozessbeginn
Laut Anklage hatten sie im Zeitraum von April 2024 bis März 2025 etwa 300 Millionen Zigaretten hergestellt und dafür von den Drahtziehern etwa 12 Millionen Euro erhalten. Der mutmaßliche Steuerschaden soll bei über 53 Millionen Euro liegen.
Ein 46-jähriger Pole soll als Manager und sein 48-jähriger Landsmann als Vorarbeiter an der illegalen Zigarettenproduktion "industriellen Ausmaßes" beteiligt gewesen sein. Die beiden Ukrainer waren laut Anklage Produktioshelfer. Im Gegensatz zu den beiden Polen sollen die 45- und 58-jährigen Männer bereits im Vorfeld bei der Polizei ihre Beteiligung an der illegalen Produktion eingeräumt haben.
Produktionshelfer im Ausland angeworben
Laut Anklage hatte der ältere der beiden im vergangenen Februar seine Arbeit in der Halle aufgenommen und soll bis zu seiner Festnahme als Tabakschneider an der Herstellung von 175.300 Stangen - also mindestens 35 Millionen Zigaretten - beteiligt gewesen sein.
Bei der Razzia waren 25 Millionen gefälschte Markenzigaretten und 15 Tonnen Tabak sichergestellt worden. Allein für die sichergestellten Markenzigaretten kommen sechs Millionen Euro Steuerschaden zusammen. Für den Prozess sind bis Ende August über 40 Verhandlungstage angesetzt.
Angeklagte kündigen Einlassungen zu Vorwürfen an
Zum Auftakt kündigten die Verteidiger an, dass ihre Mandanten zu den Vorwürfen aussagen werden. Entweder am nächsten oder übernächsten Verhandlungstag, sagte Anwalt Henner Apfel.
Er vertritt den 46-jährigen Hauptangeklagten. „Die Einlassung wird detailliert sein und in vielen Teilen der Version des Anklagevertreters entsprechen.“ Der Anwalt betonte aber, dass es dabei nur um die Taten seines Mandanten gehen werde, „er wird keine Namen anderer nennen.“
Arbeiter haben bereits gestanden
Der Prozess gegen acht einfache Arbeiter aus Belarus hat bereits Anfang Dezember in Düsseldorf begonnen. Sie waren nach eigener Aussage in ihrer Heimat "für 2.000 bis 5.000 Euro Monatslohn angeworben" worden und hatten zum Auftakt gestanden.
Unsere Quellen:
- Landgericht Düsseldorf
- Staatsanwaltschaft Düsseldorf
- Gespräch mit Verteidiger Henner Apfel
Sendung: WDR.de, "Prozessauftakt um Millionen gefälschter Zigaretten in Düsseldorf", 16.01.2026, 05:58 Uhr