Im November wollte ein Neusser Auktionshaus Dokumente und Gegenstände aus dem Nationalsozialismus versteigern. Darunter Judensterne, Häftlingskleidung, Briefe aus den sogenannten Juden-Ghettos oder aus Konzentrationslagern. Doch die geplante Versteigerung sorgte für Empörung. Protest gab es unter anderem vom Auschwitz-Komitee, den Holocaust - Gedenkstätten und der polnischen Regierung.
Gegenstände halten Erinnerung an Holocaust wach
Weltweit war die Kritik groß, das Auktionshaus sagte die Versteigerung ab. Stattdessen hat die israelische Stiftung Yad Ezer Lechaver einen Großteil der Gegenstände und Dokumente gekauft. Sie betreibt in Haifa ein Museum zum Gedenken an den Völkermord.
Inzwischen sind die Dokumente und Gegenstände in Israel angekommen, Holocaust-Überlebende hatten die Möglichkeit, die Zeitzeugnisse anzuschauen.
Zum Beispiel Neomi Lichtoiz. Die Holocaust-Überlebende ist 94 Jahre alt und sichtlich bewegt. "Das ist für uns etwas so Wichtiges, für unsere Herzen, wir stehen hier mit Tränen in den Augen", sagt sie. Die Dokumente seien so wertvoll, weil sie an die Menschen erinnern, die in der Hitlerzeit durch Nationalsozialisten gequält und getötet wurden. "Es fühlt sich sehr schlimm an, aber gut, dass wir es jetzt haben", sagt eine 92 Jahre alte Überlebende des Völkermords.
Großzügige Spende ermöglichte Kauf
Die Stiftung Yad Ezer Lechaver aus der Hafenstadt Haifa hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an den Holocaust aufrecht zu erhalten. In den Gebäuden der Stiftung leben rund 100 Holocaust-Überlebende, die unter anderem die Lager Auschwitz und Treblinka überlebt haben.
Als die Stiftung von der geplanten Versteigerung in Neuss hörte, war die Sorge groß, dass die Zeitzeugnisse von Privatleuten gekauft werden und damit der Öffentlichkeit verloren gehen. David Sabag und sein Onkel Shimon Sabag sind sofort nach Deutschland geflogen. "Wir haben sofort Kontakt zum Auktionshaus aufgenommen und von unserem eigenen Geld die ersten Gegenstände gekauft", erinnert sich David Sabag.
Die Stiftung sucht weitere Spendengelder
Auch der jüdisch-deutsche Geschäftsmann Jan Fischer aus München hat der Stiftung Geld gespendet, von dem ein Teil der Gegenstände erworben werden konnte. Das Geld reiche aber nicht aus, um alle 613 Objekte zu kaufen. Die Hoffnung ist, dass durch Spenden noch mehr Geld zusammen kommt. Man wolle alle Zeitzeugnisse retten, sagt David Sabag von der Stiftung Yad Ezer Lechaver.
Unsere Quellen:
- Stiftung Yad Ezer Lechaver
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Rhein und Ruhr, 04.12.2025, 11:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 04.12.2025, 19:30 Uhr