Milchkühe stehen vor einem Stall im oberbergischen Radevormwald

Milchpreis im freien Fall: Die Bauern müssen derzeit noch Geld dazugeben

Oberbergs Milchbauern kämpfen ums Überleben

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Verbraucher freuen sich über billige Butter im Discounter. Die Kreisbauernschaft Oberberg warnt jedoch vor einer Schließungswelle in der Milchwirtschaft.

Von Julian Piepkorn

Franz Bellinghausen kennt all die Nachrichten: Schon wieder will ein Milchbauer im Oberbergischen aufgeben, weil er nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann. Der Landwirt aus Engelskirchen besitzt selbst Milchkühe und ist Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg. Grund für die schlechte Stimmung ist der drastisch eingebrochene Milchpreis.

Für die Milchbauern geht es um viel Geld

Von über 50 auf unter 40 Cent je Liter Milch innerhalb eines Vierteljahres. Was nach wenig klingt, bedeutet für viele Milchbauern mehr als 10.000 Euro, die ihnen jeden Monat fehlen. Grund für den Preissturz ist ein Überangebot auf dem Milchmarkt. Das lässt die Preise sinken, auch für die Verbraucher. Butter ist derzeit so günstig, wie lange nicht mehr.

Ein Milchwagen steht vor einem Stall in Radevormwald

Milchwagen vor neuem Stall: den Preisen ausgeliefert

"Wenn Aldi, Lidl und Co nur im Geringsten die Möglichkeit wittern, die Preise zu drücken, dann machen sie das auch", so Bellinghausen. Das merkten dann auch die Landwirte im Oberbergischen Kreis, wo es außer der Milchwirtschaft wenig Alternativen gebe. Viele kleine Höfe haben bereits aufgegeben. Jetzt könnte es vor allem mittelgroße Betriebe mit rund 100 Kühen treffen, so Bellinghausen.

Wer soll den neuen Stall bezahlen?

1.000 Euro zahlt der Milchbauer Björn Hesse aus Radevormwald aktuell drauf, um seinen Hof zu betreiben – pro Tag. Auch er bekommt derzeit weniger als 40 Cent pro Liter für seine Milch. Verkaufen muss er sie trotzdem. Alle drei Tage kommt der Milchwagen, um das verderbliche Lebensmittel abzuholen. Wie viel er für seine Milch bekommt, erfährt Hesse erst kurz vor Monatsende von der Molkerei, die den Preisdruck an die Bauern weitergibt.

Landwirt Björn Hesse in seinem neu gebauten Kuhstall.

Milchbauer Hesse

Hesse hat den Betrieb vor drei Jahren von seinem Vater übernommen und seitdem kräftig investiert: Ein neuer Stall, doppelt so viele Tiere, ein neues Melkkarussell. Über vier Millionen Euro hat ihn das alles gekostet. Jetzt sorgt er sich darum, wie er die Investitionen wieder erwirtschaften kann. Hesse glaubt noch an die Zukunft der Milchwirtschaft: Die Nachfrage nach Milch werde steigen und damit auch die Preise. Bis dahin muss er täglich Geld dazulegen, um weitermachen zu können.

Oberbergs Milchbauern kämpfen ums Überleben

WDR Studios NRW 19.01.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 19.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Franz Bellinghausen, Kreisbauernschaft Oberberg
  • Reporter vor Ort
  • weitere Gespräche mit Milchbauern im Oberbergischen Kreis

Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 19.01.2026, 06.31 Uhr

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