Milchbauern demonstrieren in Münster gegen "Ramschpreise"
Lokalzeit Münsterland. 12.12.2025. 02:17 Min.. Verfügbar bis 12.12.2027. WDR. Von Markus Wollnik.
"99 Cent für ein Stück Butter, das geht gar nicht" - Milchbauer Josef Rüping ist wütend. Zusammen mit weiteren Berufskollegen ist der Familienvater aus Alverskirchen mit Traktor und selbstgemalten Transparenten vor die Filiale des Discounters Lidl in Münster-Wolbeck gezogen. Bauer Rüping fürchtet, wenn die Abwärtsspirale bei den Milchpreisen so weitergeht, müsse er bald draufzahlen.
"Handel diktiert, Bauer verliert."
Die Transparente auf den Traktoren sind eindeutig: "Handel diktiert, Bauer verliert." So sieht es auch Hubertus Beringmeier, Chef des Westfälisch-Lippischen Bauernverbands (WLV). Er wirft dem Lebensmitteleinzelhandel vor, dass er seine Marktmacht missbraucht - zu Lasten der Milchbauern in Westfalen-Lippe.
"Milch ist kein Ramschprodukt." Hubertus Beringmeier, WLV-Präsident
Da die Molkereien im Moment die Lieferverträge mit den Lebensmittelketten neu aushandeln, sei die aktuelle Rabatt-Rallye ein fatales Signal. Werden diese sehr niedrigen Preise zugrundegelegt, würden die Milchbauern das mindestens ein halbes Jahr spüren.
"Milch ist kein Ramschprodukt", so Beringmeier. "Die Preisschlachten des Handels führen dazu, dass eine kostendeckende Erzeugung schlichtweg nicht möglich ist."
Discounter argumentiert mit "Mengenstau"
Beringmeier übergab am Ende einen Forderungskatalog an den Leiter der örtlichen Lidl-Filiale. Auf eine WDR-Anfrage erklärte der Discounter schriftlich, die aktuelle Senkung des Butterpreises sei ein bewusster Schritt des Unternehmens, um den "Mengenstau" bei Rohmilch aufzulösen. Tatsächlich habe die Preisanpassung auch schon gewirkt. So "konnten wir eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach Butter erzielen und so bereits einen Teil des Überangebots reduzieren".
Die protestierenden Milchbauern räumen ein, dass es zur Zeit ein Überangebot an Milch gibt. Das habe mit der im vergangenen Jahr grassierenden Blauzungenkrankheit zu tun. Viele Kälbchen seien deshalb erst in diesem Jahr geboren worden.
Es sei unfair, dass die Discouter diese besondere Situation jetzt ausnützten. WLV-Präsident Hubertus Beringmeier: "Heute sind wir mit fünf Treckern gekommen, wir können aber auch mit mehreren hundert vorfahren."
Unsere Quellen:
- WLV-Präsident Hubertus Beringmeier
- WDR-Reporter im Gespräch mit Bauern
- Pressestelle Lidl
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 12.12.2025, ab 16:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 28.08.2025, 19.30 Uhr