Neues Online-Tool: Düsseldorfer können der Stadt zu hohe Mieten melden
Lokalzeit aus Düsseldorf. 30.07.2025. 02:23 Min.. Verfügbar bis 30.07.2027. WDR. Von Catrin Risch.
Der Düsseldorfer Mieterverein will im Kampf gegen überzogene Mieten den Handlungsdruck auf die Stadtverwaltung erhöhen. Deshalb hat der Verein am Mittwoch ein Update seiner im vergangenen Jahr neu eingerichteten Online-Tools präsentiert.
Mit der neuen Meldefunktion ist es möglich, überzogene Mieterhöhungen oder gar Mietwucher direkt über das Tool bei der Wohnungsaufsicht der Stadt anzuzeigen.
Verein kritisiert Untätigkeit der Stadt
"Obwohl wir die Stadt seit langem dazu auffordern, tut die Verwaltung bisher viel zu wenig gegen horrende Mieterhöhungen oder Mietwucher", sagt der 1. Vorsitzende des Mietervereins, Hans-Jochem Witzke. Die Stadt verweise stets darauf, dass Mietangelegenheiten Privatsache zwischen Mieter und Vermieter seien.
Als Gegenbeispiele führt Witzke andere Großstädte wie Frankfurt, Freiburg oder Hamburg an, die Mieter unterstützten, zu ihrem Recht zu kommen. "Bezahlbarer Wohnraum in Innenstädten verlangt aktives Engagement von Politik und Verwaltung. Auch in Köln wurde soeben ein entsprechender Ratsbeschluss gefasst", erklärt Witzke. Dort soll die Verwaltung nach dem Wunsch der Politik nun Wohnungsinserate im Blick behalten und so überhöhte Mieten frühzeitig verhindern.
Bei Mietwucher: Formular an die Stadt
Bei dem neuen Online-Tool können Düsseldorfer Mieter ihre Miete eingeben und erhalten laut Verein innerhalb von zehn Minuten ein Ergebnis, ob eine Mietpreisüberhöhung oder gar Mietwucher vorliegt.
Der Student Joscha wohnt in einer 36 Quadratmeter großen Wohnung am Düsseldorfer Stadtrand und zahlt 500 Euro Kaltmiete. Bislang glaubte er, dass diese Miete im oberen Durchschnitt liegt.
"In Düsseldorf nimmt man, was man kriegt, damit man hier einfach studieren kann und hier wohnen kann - und nicht eine Stunde pendeln muss." Joscha, Student
Nachdem er mit dem neuen Online-Tool seinen Mietvertrag überprüft hat, ist Joscha ernüchtert. Nach der Online-Berechnung zahlt er tatsächlich 60 Prozent mehr, als in seiner Gegend üblich ist.
Als überhöhte Miete gilt ein Preis, der mindestens 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt - von Mietwucher wird bei einer Abweichung von 50 Prozent und mehr gesprochen.
Schon mehrfach demonstrierten Düsseldorfer gegen zu hohe Mieten
Stellt das Tool eine überhöhte Miete fest, werde mit den Werten automatisch ein Online-Formular ausgefüllt, dass der oder die Betroffene dann direkt an die Wohnungsaufsicht der Stadt schicken kann. "Eine überhöhte Miete ist eine Ordnungswidrigkeit, und Mietwucher ist sogar eine Straftat", betont Witzke. Das heißt: Eigentlich könnte der Student seinen Vermieter der Stadt melden. Allerdings möchte er keinen Ärger mit seinem Vermieter.
Studie: Jede vierte Wohnung überteuert
Eine Studie des Mietervereins war 2022 zu dem Schluss gekommen, dass etwa jede vierte Wohnung in Düsseldorf überteuert angeboten wird. Dafür wurden laut Verein rund 20.000 Online-Wohnungsinserate ausgewertet. Er schätzt, dass in mehr als zehn Prozent der Fälle Wuchermieten angeboten werden.
Im vergangenen Jahr hatte der Mieterverein bereits zwei Online-Angebote vorgestellt, mit denen Mieter überprüfen können, ob ihre Vermieter die Mietpreisbremse einhalten und sich im Rahmen zulässiger Mieterhöhungen bewegen.
Andere Mietervereine warten Wirkung des Tools ab
"Andere Mietervereine in NRW verfolgen durchaus mit Interesse, wie unsere Tools sich im Alltag auswirken und warten auf unsere Erfahrungen", erklärt Witzke. Konkrete Anfragen aus anderen Städten, die Düsseldorfer Tools zu adaptieren, gebe es bisher aber nicht. Ein vergleichbares Angebot gäbe es bisher von einem Mieterverein in Hamburg.
Im Kampf gegen überhöhte Mieten verweist die Stadt Düsseldorf unter anderem auf die geltende Wohnraumschutzsatzung, damit Wohnungen nicht zweckentfremdet werden. Sie hat im Frühjahr außerdem eine neue "Beratungsstelle Wohnraumschutz" eingerichtet, bei der Betroffene "schnell und unbürokratisch" Unterstützung bei Problemen vermittelt bekommen sollen.
Unsere Quellen:
- Mieterverein Düsseldorf
- Stadt Düsseldorf
