Raserunfall auf A555 - Angeklagter verändert seine Aussage

00:44 Min. Verfügbar bis 27.03.2028

Raserunfall auf A555 - Angeklagter verändert seine Aussage

Stand:

Im Prozess um den A555-Raserunfall hat ein Angeklagter nun seine Aussage verändert. Bremsen war für ihn keine Idee.

Anfang Dezember 2023 starben zwei Frauen auf der A555 zwischen Köln und Bonn bei einem Unfall - offenbar in Folge eines illegalen Autorennens zwischen zwei ehemaligen Spielern des 1. FC Köln. Die beiden damals 20-Jährigen sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Dann kam es zu dem Unfall mit der 49-Jährigen aus Lüdenscheid und ihrer 23-jährigen Tochter. Die beiden Fahrer sind wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge angeklagt.

Angeklagter sollte noch mal "in sich gehen"

So wie einer der angeklagten Fahrer den Unfallhergang zu Beginn der Verhandlung beschrieb, konnte er nach dem Gutachten und den Zeugenaussagen nicht passiert sein, so der Richter. Der Angeklagte sollte noch mal "in sich gehen", sagte der Vorsitzende Richter am letzten Prozesstag. Am Freitag beschrieb der Angeklagte, dass er sich viel Zeit genommen habe, den Unfall aufzuarbeiten. Dabei habe er auch, wie er sagte Blätter ausgedruckt, um sich alles besser vorstellen zu können.

Letztendlich geht er nicht mehr davon aus, dass der andere Raser ihn "nicht knallhart" abgedrängt habe. Damit belastete er den anderen Fahrer zu Beginn des Verfahrens. Der Mercedes-Fahrer erinnert sich daran, dass er neben der rechten Spur auf dem Standstreifen bzw. einer Auffahrt auf die A555 mit hoher Geschwindigkeit den anderen schnellen Wagen und schließlich auch den Polo rechts überholen wollte, um schnell aus dieser, aus seiner Sicht gefährlichen Situation, herauszukommen.

Raserunfall auf A555 - Angeklagter verändert Aussage

WDR Studios NRW 27.03.2026 00:29 Min. Verfügbar bis 26.03.2028 WDR Online

Verteidiger : "Ihr Wagen hat auch eine Bremse"

Laut Gutachten hatte der Mercedes-Fahrer das andere schnelle Auto mit einer Geschwindigkeit von etwa 205 Km/h überholt. Der Verteidiger des Mitangeklagten fragte den Mercedes-Fahrer, ob er auch mal daran gedacht habe in dieser gefährlichen Situation das Tempo zu reduzieren: "Ihr Auto hat auch eine Bremse!"Darauf sagte der Angeklagte, dass er im Nachhinein betrachtet hätte bremsen müssen.

Videos wie bei Fast & Furious

Vor Gericht sind noch weitere Chatnachrichten vorgelesen worden. In einer Aussage hieß es: "Ohne Witz wir machen eine Fast & Furious Serie auf!" Diese Nachricht hatte der Audi-Fahrer wenige Stunden vor dem Unfall im Dezember 2023 geschrieben. Gemeint war damit Videos von schnellen Fahrszenen zu produzieren. Fast & Furious ist eine Filmreihe aus dem Genre der Straßenrennen.

Autobahn-Unfall rekonstruiert

Graues Autowrack auf Autobahn 555 bei Dunkelheit

Zwei Frauen starben auf A555 bei Köln - Raser-Wagen im Hintergrund

Ein Gutachter hat am fünften Prozesstag vor dem Landgericht Köln mehr als eine Stunde lang den Autobahn-Unfall rekonstruiert. Es geht vorrangig um Geschwindigkeiten. Die beiden Männer sollen demnach mit ihren Autos etwa 200 km/h gefahren sein, bevor sie mit dem Kleinwagen der beiden Frauen kollidierten. Erlaubt sind auf der Strecke nur 120 km/h. Die Ermittler gehen von einem illegalen Autorennen aus.

Raser laut Gutachter doppelt so schnell

Der Experte nannte aber auch noch weitere Zahlen: Der Kleinwagen mit den späteren Unfallopfern fuhr auf der Autobahn 555 in Richtung Bonn auf dem rechten Fahrstreifen mit etwa 100 km/h. Die damals 20-jährigen Fahrer näherten sich in ihren Autos laut dem Gutachter mit mindestens 200 km/h und fuhren aneinander. Daraufhin raste der Audi in den Kleinwagen der Frauen, sodass dieser statt der vorherigen 100 plötzlich mit 160 km/h nach vorne schoss. Das Heck des Kleinwagens wurde knapp einen Meter eingedrückt - das Auto fing Feuer.

Videos vom Unfall im Gerichtssaal

In der Gerichtsverhandlung sorgten am Montag noch andere Momente für entsetzte Gesichter: Der Vorsitzende Richter spielte Videos von Überwachungskameras einiger Firmengelände am Rand der A555 ab. Die Kameras zeigen den Moment, in dem der Kleinwagen auf der Autobahn durch den Aufprall in Flammen aufgeht.

Lust an Geschwindigkeit

Im Gerichtssaal ist auch deutlich geworden, dass sich beide Fahrer, damals beide Spieler des 1. FC Köln, offenbar in einer Szene tummelten, die eine hemmungslose Lust an Geschwindigkeiten hat. Ein Beispiel: Weil der Fahrer des Unfall-Audis irgendwann vor dem schrecklichen Unfall verletzt war, ließ er einen Bekannten an das Steuer seines Wagens. Diese Fahrt auf einer Autobahn wurde gefilmt. Das Video zeigt grölende junge Männer, die sich daran ergötzen, dass der Fahrer den Wagen auf Tempo 226 bringt. Ein Insasse des Wagens schreit: "Drück, drück!", um den Fahrer anzuspornen, noch schneller zu fahren.

150 km/h in 30er-Zone

Der Audi-Fahrer selbst wurde zuvor von einem Beifahrer gefilmt, als er mit 150 km/h in einer 30er-Zone fuhr. Von dem Fahrer des anderen Unfallautos gibt es Aufnahmen, wie er im Trainingsanzug seines früheren Clubs 1. FC Köln in einem Mercedes auf der Autobahn bei sehr lautem Motor zusätzlich Gas gibt. Laut seinem Verteidiger war das eine Testfahrt für den Kauf eines Autos. Das Video hatte sein Vater aufgenommen.

Gutachter widerspricht Versionen der Angeklagten

Der Sachverständige kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die beiden Männer den Kleinwagen offenbar rechts überholen wollten. Die Männer bestreiten, ein Rennen gefahren zu sein, und hatten zum Prozessauftakt ihre Versionen des Unfallhergangs geschildert, die sich mit denen des Gutachters nicht decken.

Unsere Quellen:

  • Landgericht Köln
  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR.de, Raserunfall auf A555 - Angeklagter verändert Aussage , 27.03.2026, 16.33 Uhr

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