Mehr Hilfe für Drogenabhängige in Köln
Lokalzeit aus Köln. 11.08.2025. 03:15 Min.. Verfügbar bis 11.08.2027. WDR. Von Jochen Hilgers.
Zwei Anwohner zeigen die Situation an einem ungarischen Restaurant. Sechs Männer halten sich dort auf. Zwei haben sogenannte Packs in der Hand mit portioniertem Crack, verkaufen es. Vier hocken auf dem Bürgersteig, rauchen fast umgehend die schnell süchtig machende Drogen.
Das ist noch harmlos, sagt einer der Anwohner. Manchmal säßen hier bis zu 30 Männer. Da wolle man lieber nicht vorbeigehen und wechsle sofort die Straßenseite. Ihre Kinder wären dadurch sogar total verängstigt.
Der Hauptausschuss sucht Lösungen, um die Lage der Drogenszene in Köln zu verbessern
Es spricht vieles dafür, dass die beiden Anwohner, die ihren Namen nicht veröffentlichen möchten, abgehärtet sind. Denn harmlos ist an diesem Sonntagnachmittag gar nichts. In kleinen Gruppen oder alleine lagern Abhängige in Straßen oder auf Plätzen. Heroin spritzen oder Crack rauchen in aller Öffentlichkeit und völlig ohne Scham ist ganz normal. Und es wird gedealt. Nirgendwo ist an diesem Nachmittag die Polizei zu sehen.
Dezentrale Angebote
Für die Parteien ist es eines der wichtigsten Wahlkampfthemen. Bei einer aktuellen Stunde werden im Hauptausschuss Lösungen gesucht. Einigkeit herrscht in der Einschätzung, dass es so nicht weitergehen kann. Am Neumarkt gibt es einen Drogenkonsumraum für ganz Köln.
Diese Zentralisierung des Drogenkonsums gilt es aufzubrechen, sagen die Politiker. Durch weitere Suchthilfeangebote im Stadtgebiet. Neben dem Drogenkonsumraum am Neumarkt soll es noch in diesem Jahr ein weiteres Angebot im rechtsrheinischen Kalk und später in der Nähe des Hauptbahnhofs geben.
Die Situation der Drogenszene in Köln wird zunehmend schlechter
Die bisherigen Kosten der Drogenhilfe von gut drei Millionen Euro werden dann bei 14 Millionen Euro liegen. Das liege an den räumlichen und medizinischen Betreuungsbedingungen, sagen zum Beispiel die Grünen. Die SPD sieht Versäumnisse in der Drogenpolitik bei schwarzgrün, begrüßt weitere Drogenhilfeangebote aber ausdrücklich. Die CDU will zudem einen stärkeren Einsatz der Polizei gegen Drogendealer. Die Situation sei für die Menschen rund um den Neumarkt schon lange nicht mehr hinnehmbar.
Viele wollen nur noch weg
Zurück an diesem strahlend schönen Nachmittag in diesem völlig verdeckten Vedeel. Die Anwohnenden sind nicht nur genervt. Obwohl hartgesotten haben manche mittlerweile Angst. Auch um ihre kleinen Kinder, die in diesem Viertel eigentlich sicher aufwachsen sollen. Viele wollen nur noch weg.
Den Spaziergang könnte man endlos fortsetzen. Ein Abhängiger konsumiert immerhin nicht sichtbar unter seiner Decke. Heute eher die Ausnahme. Es gehört einiges dazu hier zu wohnen. Und die Politik habe ihnen schon viel versprochen in der Vergangenheit, sagen die Menschen, die hier leben. Sie bleiben aber skeptisch.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Anwohnenden
- Ratsfraktionen aus CDU, Grünen, SPD und FDP