Polizisten führen einen Mann in Handschellen ab

Tumult in Leverkusen: Wo steht NRW beim Kampf gegen kriminelle Clans?

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Nach einer Massenschlägerei in Leverkusen sieht die Polizei einen Bezug zur Clankriminalität. Wo steht NRW beim Kampf gegen das Phänomen?

Ein Streit rund um eine lautstarke Familienfeier in einer Leverkusener Bar ist am Ostersonntag in Gewalt umgeschlagen: Dutzende Feiernde attackierten Polizisten, als diese die Feier wegen Ruhestörung beenden wollten. Erst ein Großeinsatz der Polizei konnte die Lage unter Kontrolle bringen, drei Beamte wurden bei dem Einsatz leicht verletzt.

Nach WDR-Informationen waren ein Großteil der an der Schlägerei beteiligten Personen Mitglieder einer ursprünglich aus Polen stammenden Roma-Familie, die in der Vergangenheit häufig im Zusammenhang mit Betrugskriminalität auffällig geworden ist.

Handelt es sich also um einen weiteren Beleg für die ausufernde Clankriminalität, die in NRW bereits seit dem Jahr 2018 intensiv polizeilich bekämpft wird? Das ist schwer zu sagen: Zwar erinnert der Vorfall stark an andere Einsätze, an denen Mitglieder krimineller Großfamilien beteiligt waren. In den jährlichen Lagebildern zur Clankriminalität, die das Landeskriminalamt (LKA) herausgibt, wird der Vorfall jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach keine Erwähnung finden.

LKA verwendet eher vage Clan-Definition

Zwar definiert das LKA einen Clan als eine "informelle soziale Organisation, die durch ein gemeinsames Abstammungsverständnis ihrer Angehörigen bestimmt ist". Sie zeichne sich durch eine ausgeprägte hierarchische Struktur und ein "gemeinsames Normen- und Werteverständnis" aus, das von ihren Mitgliedern "über die in Deutschland geltende Rechtsordnung" gestellt werde.

Allerdings konzentrieren sich die Ermittler bei der Verfolgung von Straftaten mit Clan-Bezug ausschließlich auf Familien türkischer oder arabischer Herkunft. Im aktuellen Lagebild zu Clankriminalität 2024 geht es daher ausschließlich um Straftaten, die den Mitgliedern von insgesamt 118 türkischen oder arabischen Familien zugeordnet werden können. "Andere in NRW existente Clanstrukturen werden in diesem Lagebild nicht berücksichtigt", betonen die Verfasser des Berichts, der im Dezember vergangenen Jahres veröffentlicht wurde.

Fallzahlen gehen zurück

Zumindest bezogen auf die türkisch-libanesischen Clans konnte das LKA zuletzt einige Erfolge vermelden. Die Zahl der Straftaten mit Clan-Bezug in NRW sank 2024 demnach um 4,2 Prozent auf 6.707. Die Zahl der Verdächtigen stieg im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent auf 4.282. Bei fast einem Drittel der Fälle ging es um sogenannte "Rohheitsdelikte" wie Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung.

Das Bild zeigt die verschiedene Beamtinnen und Beamte der Einsatzkräfte von Ordnungsamt, Zoll, Polizei, Fahndung, Vollstreckung und Justiz

Razzia in Duisburg

Ein Großteil der in dem Bericht genannten Straftaten werden im Ruhrgebiet registriert, davon die meisten in Essen, Recklinghausen und Bochum. Seit einigen Jahren geht die Polizei mit häufigen Razzien gegen die Szene vor - vor allem durch Kontrollaktionen in Gaststätten und Shisha-Bars, die dem Clan-Umfeld zugeordnet werden.

Extreme Gewalt aus einer Gruppe heraus, die sich gegen verfeindete Personen oder die Polizei richtet, hatte das Problem der Clankriminalität immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Auch hier sind die Zahlen rückläufig: Während 2019 noch zwölf "Tumultlagen" mit Clan-Hintergrund festgestellt wurden, gab es 2024 nur noch einen registrierten Vorfall. "Das Problem ist nicht gelöst, aber wir kommen voran", erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der Zahlen.

Werden ganze Familien in Sippenhaft genommen?

Trotz solcher Erfolgsmeldungen gibt es viel Kritik an der polizeilichen Vorgehensweise. "Der Begriff 'Clankriminalität' ist medial und politisch aufgeladen", sagte Jens Struck, Kriminologe an der Uni Münster, vor einiger Zeit dem WDR. Es sei sehr problematisch, wenn jeder Tatverdächtiger mit einem bestimmten Nachnamen sofort in eine bestimmte Schublade gesteckt werde. Denn der Großteil der Angehörigen bekannter Clans habe sich niemals etwas zuschulden kommen lassen - stehe aber nur wegen des Familiennamens unter Generalverdacht.

Tumult in Leverkusen: Wo steht NRW beim Kampf gegen kriminelle Clans?

WDR 07.04.2026 00:58 Min. Verfügbar bis 06.04.2028 WDR Online

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Der Begriff der 'Clan-Kriminalität': "Sehr schwer greifbar"

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.12.2025 07:39 Min. Verfügbar bis 11.12.2026 WDR 5

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Tumult in Leverkusen: Wo steht NRW beim Kampf gegen kriminelle Clans?, 07.04.2026, 18.47 Uhr

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