Zoll: Schlag gegen Rauschgift Mafia

Aktuelle Stunde 21.01.2026 29:57 Min. Verfügbar bis 21.01.2028 WDR Von Oliver Köhler

800 Kilo Drogen: Beispielloser Schlag gegen Drogenlabore - auch in NRW

Stand:

In dem bisher größten europäischen Ermittlungsverfahren gegen Hersteller von synthetischen Drogen haben Zoll und Polizei in Deutschland sechs illegale Drogenlabore aufgedeckt. Drei davon allein in NRW.

Von Oliver Köhler

In Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben Fahnder 800 Kilogramm Rauschgift und Anlagen zur Produktion von chemischen Drogen sichergestellt.

Zahlreiche Festnahmen auch in NRW

46 Tatverdächtige wurden festgenommen. Außerdem hat die Polizei Bargeld beschlagnahmt. Die verdeckten Ermittlungen in Deutschland wurden von der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift in Osnabrück geführt. Beteiligt waren Rauschgiftfahnder der niedersächsischen Polizei und des Zollfahndungsamtes Hannover.

"Dieser Schlag europäischer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen synthetische Drogen ist in dieser Dimension bislang einmalig." Friedo de Vries, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück

Drei Drogenlabore in NRW

Labor in Kerpen

Dieses Drogenlabor entdeckte die Polizei in Kerpen im Rhein-Erft-Kreis

Sie fanden unter anderem in Kerpen und Hagen Drogenlabore und in Neunkirchen-Seelscheid im Rhein-Sieg-Kreis die Reste einer Herstellungsanlage für synthetische Drogen. Im Ort Heek-Nienborg im Kreis Borken stießen Beamte außerdem auf ein Lager für Drogen und auf eine Cannabisplantage.

Drogen extrem gesundheitsschädlich

Durchsuchung der Funde bei Drogenrazzia in NRW

Die Drogen wurden unter schlechten Bedingungen produziert

In den Anlagen sollen organisierte Banden tonnenweise Chemikalien verwendet haben, um Rauschgift herzustellen. Nach Angaben der Polizei wurde unter extrem unhygienischen Bedingungen produziert. Die hergestellten Drogen seien als extrem gesundheitsschädlich einzustufen.

Durchsuchung der Funde bei Drogenrazzia in NRW

Zur Herstellung der Drogen werden Chemikalien benötigt

Europaweit haben Beamte illegale Chemikalientransporte verfolgt und so die Handelsrouten der Produzenten von synthetischen Drogen aufgedeckt. Im Mittelpunkt stand dabei ein Unternehmen aus Polen, das europaweit Drogenlabore mit Chemikalien beliefert haben soll.

Suchtthetrapeutin: Größe des Funds nicht überraschend

Stefanie Bötsch, Suchttherapeutin

Suchttherapeutin Stefanie Bötsch

Die Menge der Drogen und Chemikalien, die die Ermittler sichergestellt haben, überrascht die Suchttherapeutin Stefanie Bötsch nicht. "Der Bedarf in Europa ist relativ hoch." Es sei zwar eine große Aufdeckung, "aber, dass die Drogen, die hier konsumiert werden, auch irgendwo hergestellt werden, überrascht mich nicht."

Synthetische Drogen seien in Deutschland vor allem in der Party-Szene etabliert - gerade in Berlin. "Auch in anderen Großstädten natürlich." Amphetamin und MDMA seien im Party-Kontext aber auch schon seit Jahrzehnten beliebt. "Immer wenn wir von illegalen Substanzen und so großen Funden reden, dann ist natürlich der Schrecken groß." Aber man dürfe in dem Kontext nicht vergessen, dass die Hauptproblematik in Deutschland Alkohol und Nikotin sei. Die würden den Großteil unseres Konsums ausmachen. "Und gerade in Deutschland auch im übertriebenen Maße."

Rauschgiftfahnder spüren Drogenlabore in NRW und weiteren Ländern auf

WDR Studios NRW 21.01.2026 01:10 Min. Verfügbar bis 21.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Zoll und Polizei
  • Beobachtungen des WDR Reporters vor Ort
  • Gespräch mit Suchttherapeutin Stefanie Bötsch im WDR5 Morgenecho vom 22.01.2026
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR.de, Rauschgiftfahnder spüren Drogenlabore in NRW und weiteren Ländern auf, 21.01.2026, 13.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 21.01.2026, 18.45 Uhr

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