Planung: Spatenstich Microsoft – und was kommt dann?

Aktuelle Stunde 12.03.2026 35:29 Min. Verfügbar bis 12.03.2028 WDR Von Yaena Kwon

Neues Microsoft-Rechenzentrum in Bergheim: Was das für NRW bedeutet

Stand:

Die Politik feiert den Spatenstich für das Microsoft-Rechenzentrum im Rheinischen Revier als Motor auf dem Weg von der Kohle zur KI. Von Experten kommt auch Kritik. Hätte es auch deutsche IT-Firmen gegeben, die ein solches Rechenzentrum hätten bauen können? Und was bedeutet das Projekt für NRW?

Von Nina Magoley

Bei der Landesregierung herrschte Jubel, seit im Frühjahr 2024 der Deal mit Microsoft stand. Drei hochmoderne Hyperscaler-Rechenzentren soll das US-Unternehmen im Rheinischen Revier bauen. Am Donnerstag war Spatenstich in Bergheim. Es sei "ein starker Impuls für Innovationen, neue Arbeitsplätze, Wohlstand, soziale Sicherheit und die Zukunft unseres Landes", freute sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

NRW biete eine "große industrielle Basis" für die Nutzung dieser KI-Großrechner, sagt Roman Dumitrescu, Professor am Fraunhofer-Institut Paderborn. An den ansässigen Forschungsinstituten und Universitäten finde sich "eine unglaublich gute Forschungsinfrastruktur". Laut Statistischem Landesamt IT.NRW liegt NRW bei der Nutzung von KI weit über dem EU-Durchschnitt. Schon im Jahr 2024 habe fast jedes fünfte der befragten Unternehmen Künstliche Intelligenz genutzt. 

Neues Microsoft-Rechenzentrum: Wie ist NRW bei KI aufgestellt?

WDR 5 Das Wirtschaftsmagazin - aktuell 12.03.2026 07:21 Min. Verfügbar bis 12.03.2027 WDR 5


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Und Dumitrescu nennt noch einen weiteren Punkt, warum das geplante Groß-Rechenzentrum in NRW gerade richtig sei: Genau durch das Rheinische Revier laufe ein großer Glasfaserstrang zwischen Frankfurt und Amsterdam - ein wichtiger Knotenpunkt der Netzinfrastruktur. "Das ist natürlich für so ein Rechenzentrum extrem wertvoll."

Große Player sind US-Unternehmen

Aber Dumitrescu klingt auch kritisch: "Am Ende des Tages reden wir hier über Rechenzentren, die natürlich immer noch von amerikanischen Unternehmen betrieben werden." Das sei "nicht zwangsläufig ein Beitrag zur eigenen Souveränität".

Portrait von Michael Rothgang vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Michael Rothgang vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Warum also das US-Unternehmen Microsoft? "Die großen Player in diesem Bereich sind nunmal US-Unternehmen", sagt Michael Rothgang, Ökonom und Innovationsexperte am RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Firmen wie Microsoft seien "um Längen größer" als jedes andere in Deutschland oder Europa.

Auch Fraunhofer-Experte Dumitrescu sagt: Für Rechenkapazitäten, die ausreichen, um Modelle wie ChatGPT zu erstellen, sei "der Zug nicht nur für NRW, ich glaube auch für Deutschland abgefahren".

Klingender Name Microsoft

Die Freude der Landesregierung am Tag des Spatenstichs hängt sicherlich auch mit dem weltweit bekannten Namen des Unternehmens Microsoft zusammen. Im Vergleich dazu ist beispielsweise der Name OVHcloud nur wenigen bekannt. Das französische Unternehmen bezeichnet sich selber als europäischen Marktführer im Bereich Cloud. Man betreibe "mehr als 400.000 Server in über 46 Rechenzentren auf vier Kontinenten", heißt es auf der Homepage.

Doch dass OVHcloud jemals als Kandidat für das Rheinische Revier zur Diskussion gestanden hätte, ist nicht bekannt. Microsoft aber sei proaktiv auf NRW zugegangen, sagt Rothgang, eine Ausschreibung für den Standort sei ihm nicht bekannt. Eine Anfrage bei OVHcloud blieb zunächst unbeantwortet.

Sicherlich habe man sich bei der Landesregierung "sehr gefreut", ein Unternehmen mit derart bekanntem Namen in die Region zu bekommen, so Rothgang. Aber auch objektiv sei es eine gute Nachricht, dass im Rheinischen Revier nun ein leistungsstarkes Rechenzentrum mit großem Namen entsteht. Die Region könne damit zum Anziehungspunkt für viele weitere Unternehmen werden.

Datenauslieferung für Terrorismusabwehr?

Dass künftig ein US-Unternehmen Millionen wichtige Daten aus Deutschland verwaltet, müsse zunächst mal nicht beunruhigen, meint Rothgang. "Erstmal bleiben die Daten ja in Deutschland." Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass Microsoft unter besonderen Bedingungen von der US-Regierung gezwungen werden könnte, Daten zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel, wenn es um Terrorismusabwehr geht.

Auch, dass ein solcher Grund einmal als Vorwand dienen könnte, den USA Daten aus Deutschland zu liefern, könne man nicht ausschließen. "Was man bei US-Unternehmen dagegen grundsätzlich ausschließen kann ist Industriespionage." Angesichts chinesischer Firmen, die sich in Deutschland ansiedeln, hat es diese Sorge in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Michael Rothgang, RWI Essen
  • Interview mit Roman Dumitrescu, Fraunhofer-Institut Paderborn
  • Homepage Microsoft

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 12.03.2026, 13.34 Uhr

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