Terror-Prozess von Solingen: Issa Al H. hatte IS-Videos auf dem Handy

00:33 Min. Verfügbar bis 11.08.2027

Terror-Prozess von Solingen: Issa Al H. hatte IS-Videos auf dem Handy

Stand:

Vor einem Jahr tötete Issa Al H. drei Menschen beim Solinger Stadtfest mit Messerstichen, vorher sah er sich IS-Videos an.

Der 27-jährige Angeklagte hatte zugegeben, bei einem Messerangriff beim Stadtfest vor einem Jahr drei Menschen getötet und zahlreiche weitere Opfer zum Teil lebensgefährlich verletzt zu haben. Davor sah er auf Social-Media Videos an, die sich fast ausschließlich mit der Terrororganisation IS und der radikalen islamistischen Strömung des Dschihadismus beschäftigten. Das sagte ein Ermittler des BKA im Prozess. 

Menschen zünden Kerzen für die Opfer an

Menschen zünden Kerzen für die Opfer des Anschlags an

In den Tagen vor der Tat drehte es sich auf dem Handy von Issa Al H. hauptsächlich um den IS. Ob in WhatsApp-Chats, in Telegram-Gruppen oder bei TikTok. Überall fanden die Ermittler eindeutige Fotos, Videos oder Texte, die der 27-Jährige empfing oder postete. Immer wieder wird dabei in Gedicht-Auszügen oder Versen auch der Märtyrer-Tod verherrlicht. Einer der wenigen Bezüge zu Solingen ist ein Werbe-Banner zur 650-Jahr-Feier der Stadt. Den hatte er offenbar vom Anhang einer Mail, die er vom Ausländeramt der Stadt Solingen bekommen hat. Er hatte auch ein Video vom Graf-Wilhelm-Platz am Tattag - noch fast menschenleer, mit schon aufgebauter Bühne. 

Eindeutige Fotos und Videos

Die Uiguren, eine unterdrückte muslimische Minderheit in China, waren bei mehreren Online-Suchen ebenfalls ein Thema für den 27-Jährigen. Warum, das ist für den BKA-Experten wie für das Gericht nicht klar. Eindeutiger erscheinen da schon Videos mit Begleittexten wie "Nicht jedem in Ungnade gefallenen Muslim wird beim jüngsten Gericht verziehen". Dazu kommen Fotos und Videos von Hinrichtungen, Anschlägen des IS und immer wieder Bezügen zum "Dschihad“, dem sogenannten "Heiligen Krieg". Das Ganze empfangen oder verbreitet mit einer Vielzahl immer neuer Mail-Adressen, die Al H. sich gab. Der Ermittler des Bundeskriminalamts vermutet, eben wegen der gewalttätigen oder radikalen Inhalte hätten die Provider ihn gesperrt. Unter neuer Kennung habe er weiter posten können. 

Unsichtbar im Netz

Dabei Spuren zu verwischen war dem Angeklagten augenscheinlich äußerst wichtig. So lud er sich eine App herunter, mit der er einen falschen Standort vorgaukeln konnte. Statt in Solingen befand er sich online so in Tschetschenien. Auch eine Online-Anleitung für den Gang ins Darknet fanden die Ermittler. Für einen kurzen Moment sprach Issa Al H. dann auch selbst. Das Social-Media-Foto eines Mannes gab den Richtern Rätsel auf. Der Angeklagte meldete sich zu Wort und klärte auf: Das sei ein bekannter dschihadistischer Prediger, der in Saudi Arabien im Gefängnis sitze. 

Glaubensfragen und IS-Bezug

Auf dem zweiten Handy, zu dem der Angeklagte die Ermittler während des laufenden Prozesses geführt hatte, fanden sich religiöse Texte, die sich unter anderem damit beschäftigen, "ob Mohammed durch Engel Gabriel gesandt" wurde. In einem anderen ging es um die "Stellung der Frau aus Sicht der Muslim-Bruderschaft". Gemeinsamkeit auf beiden Videos: Selfies des Angeklagten, oft vermummt oder maskiert. Und mit dem erhobenem "Tauhid-Finger", eigentlich ein Glaubens-Symbol, das aber auch Dschihadisten nutzen, um sich von anderen Muslimen abzugrenzen. Eine Nähe von Issa Al H. zum IS scheint so gegeben. Ob er in Solingen in deren Auftrag handelte, muss der weitere Prozessverlauf klären.

 Unsere Quellen: 

  • Oberlandesgericht Düsseldorf
  • Reporter vor Ort 

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