80 Jahre Jüdische Gemeinde in Düsseldorf - wie alles begann

00:45 Min. Verfügbar bis 18.09.2027

80 Jahre Jüdische Gemeinde in Düsseldorf - wie alles begann

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Heute vor 80 Jahren hat die jüdische Gemeinde in Düsseldorf ihren ersten Gottesdienst nach Kriegsende gefeiert. Das Datum gilt als Tag der Neugründung der Gemeinde. 

Von Moritz Börner

September 1945. Vier Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs findet im Landgericht Düsseldorf der erste jüdische Gottesdienst nach dem Ende des Dritten Reichs statt. Es ist der Moment, in dem die jüdische Gemeinde in Düsseldorf wieder gegründet wird. 

"Viele waren traumatisierte Überlebende des KZs"

"Dieser Neubeginn war kein fröhliches Fest", erklärt Bastian Fleermann, der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt, "der Holocaust lag nicht Jahre oder Jahrzehnte zurück, sondern ein paar Monate und viele dieser Männer und Frauen waren traumatisierte Überlebende des KZs."

In der Zeit unmittelbar nach dem Krieg gab es in der Gemeinde ein Kommen und Gehen, manche waren nur kurz Teil der Gemeinde, wanderten dann nach Israel oder in die USA aus. Doch langsam entstanden Gemeindestrukturen. 1958 dann die Grundsteinlegung für den Neubau der Synagoge. Zwanzig Jahre nach den Novemberpogromen, bei denen auch in Düsseldorf die Synagoge brannte, folgte der Neubau.

80 Jahre Jüdische Gemeinde in Düsseldorf - wie alles begann

WDR Studios NRW 18.09.2025 00:41 Min. Verfügbar bis 18.09.2027 WDR Online

Viele neue Mitglieder aus den ehemaligen Sowjetrepubliken

Für viele Mitglieder der Gemeinde war das auch ein Moment des Triumphes. "Vielleicht eine kleine Genugtuung, denn sie wissen ja, Hitler wollte Deutschland judenfrei haben, und ich war der Meinung, das soll er nicht noch im Nachhinein bekommen", erinnert sich eine Zeitzeugin, die der WDR in den neunziger Jahren interviewt hat.

Jüdische Kita, Grundschule und Gymnasium 

Zuhörer sitzen beim Festakt zum Jubiläum der Neugründung der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf nebeneinander.

Am Donnerstag wurde das Jubiläum zur Neugründung der Gemeinde gefeiert

Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann die jüdische Gemeinde rasant zu wachsen. Auswanderer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken füllten die alternde jüdische Gemeinde in Düsseldorf mit neuem Leben. Eine Kita wurde gegründet, eine jüdische Grundschule entstand. Etwas später folgte die Gründung des zweiten jüdischen Gymnasiums deutschlandweit.

Antisemitismus nimmt zu 

Heute ist die jüdische Kultur fester Bestandteil des öffentlichen Lebens der Landeshauptstadt. Doch die Ereignisse der vergangenen Jahre, wie der Terrorangriff der Hamas, der Krieg in Gaza und auch die Zuwanderung von Menschen aus islamischen Ländern haben dafür gesorgt, dass die Stimmung sich verändert hat.

"In den letzten zwei Jahren ist ein gewaltiger Anstieg von Antisemitismus bemerkbar", findet Gemeindemitglied Jacob Horowitz, "ich bin Student an der Heinrich - Heine Universität und da gab es einige antisemitische Vorfälle."

Vor der Synagoge am Paul - Spiegel - Platz in Düsseldorf stehen rund um die Uhr Polizisten wache. 80 Jahre nach der Gründung der Gemeinde müssen Jüdische Kultur und jüdisches Leben in Deutschland weiterhin beschützt werden. Bis zur Normalität ist es noch ein weiter weg.

Quellen:

  • Jüdische Gemeinde in Düsseldorf
  • Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf
  • Archivaufnahmen des WDR

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