Viele Beschwerden über die Post: Frust bei Kundschaft und Mitarbeitenden
Aktuelle Stunde . 21.07.2025. 36:53 Min.. UT. Verfügbar bis 21.07.2027. WDR. Von Birgit Grigo.
Pakete, die ungewöhnlich lange unterwegs waren, beschädigt angekommen sind oder auch wichtige Einschreiben, auf die die Empfänger tagelang warten mussten: Im ersten Halbjahr 2025 gab es bei der Bundesnetzagentur 22.981 Beschwerden wegen der Brief- und Paketzustellung in Deutschland. Das ist für die erste Jahreshälfte ein neuer Höchststand. Ein Rekord für die Spanne von sechs Monaten ist es allerdings nicht - in der zweiten Jahreshälfte 2022 gab es 34.204 Beschwerden.
Deutsche Post/DHL am stärksten betroffen
Die mit Abstand meisten Beanstandungen im ersten Halbjahr dieses Jahres haben die Deutsche Post und den zugehörigen Paketzusteller DHL betroffen: 89 Prozent. Der Bonner Konzern ist auch mit ähnlichem Abstand Marktführer: nach Auswertungen der Bundesnetzagentur übernehmen sie 86 Prozent der Zustellungen auf dem Briefmarkt und mehr als 40 Prozent auf dem Paketmarkt.
Vom Unternehmen heißt es, dass wegen Warnstreiks Anfang des Jahres in den Brief- und Paketzentren und bei den Zustellern die Lieferung teilweise nicht zuverlässig war. Außerdem habe während der Hitzetage vor einigen Wochen das Arbeitspensum reduziert werden müssen.
Briefe dürfen jetzt länger brauchen
Deutsche Post und DHL weisen außerdem auf eine Änderung des Postgesetzes von Anfang des Jahres hin. Seitdem hat die Post mehr Zeit für die Zustellung der Briefe - in den meisten Fällen drei Werktage. Dadurch würden die Briefe häufiger gebündelt zugestellt und nicht einzeln. "Wir stellen fest, dass diese Änderung nicht allen Briefkunden bekannt ist und sich Kunden mit Fragen an uns wenden", so die Post in einem schriftlichen Statement.
Das Unternehmen betont außerdem das hohe Brief- und Paketaufkommen: Im vergangenen Jahr haben allein Deutsche Post und DHL 12,2 Milliarden Briefe und 1,8 Milliarden Pakete transportiert. Im Vergleich dazu sei "die Anzahl der bei der Bundesnetzagentur eingegangenen Beschwerden weiterhin gering".
Zu wenige Zusteller und zu viel Arbeit?
Es gebe nicht grundsätzlich zu wenige Zustellerinnen und Zusteller, heißt es aus der Bonner Konzernzentrale. Wegen Krankheitswellen könne es aber in einzelnen Zustellbezirken schon mal eng werden. Die Gewerkschaft Verdi spricht dagegen davon, dass es bei der Deutschen Post eine "hohe Fluktuation und hohe Krankheitsquote" gebe.
Allgemein hätten in der Brief- und Paketbranche "Ausbeutung und prekäre Beschäftigung ein unerträgliches Maß" angenommen, so Verdi. Während die Zahl der Sendungen zugenommen habe, habe es beim Arbeits- und Gesundheitsschutz Rückschritte gegeben. Der Arbeitgeber habe "dafür Sorge zu tragen, dass genügend Personal für die Erledigung der Aufgaben vorhanden ist, damit die Beschäftigten dies in der vorgesehenen Zeit und unter Einhaltung des Gesundheitsschutzes schaffen" können, forderte Verdi gegenüber dem WDR.
Vergleich zur Paketmenge: DPD und Hermes unzuverlässiger
Seit dem vergangenen Jahr müssen Paket- und Briefzusteller erstmals eigene Zahlen über Beschwerden, die bei ihnen direkt eingegangen sind, veröffentlichen. Demnach lag der Beschwerdeanteil 2024 im Vergleich zu Gesamtmenge der Pakete und Briefe bei Deutscher Post und DHL bei 0,003 Prozent - anders gerechnet: Es gab drei Beschwerden bei 100.000 zugestellten Sendungen. Beim Konkurrenten DPD (0,11 Prozent) war der Anteil höher. Bei Hermes lag der Anteil verlorengegangener und beschädigter Pakete bei 0,04 Prozent.
Die Stiftung Warentest hat vor drei Jahren Paketzusteller getestet. Damals hat DHL mit der Note gut am besten abgeschnitten. Danach folgten DPD und Hermes (jeweils befriedigend) und GLS und UPS (jeweils ausreichend).
Verbraucherzentrale bietet Hilfe bei Beschwerden
Wer einen Brief vermisst oder ein beschädigtes Paket zugestellt bekommt, findet Hilfe bei den Verbraucherzentralen. Unter anderem gibt es im Internet ein Beschwerde-Tool. Dort müssen ein paar Fragen für den jeweiligen Fall beantwortet werden und dann gibt es eine Antwort darauf, wo und wie man sich beschweren kann. Es gibt auch Musterbriefe, die verwendet werden können.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Deutsche Post / DHL
- Bundesnetzagentur
- Stiftung Warentest
- Verdi