Hähnchen in Windeln: Strafanzeige nach Performance im Paderborner Dom
Lokalzeit OWL. 03.06.2025. 03:13 Min.. Verfügbar bis 03.06.2027. WDR. Von Kolja Selker.
Hähnchen in Windeln: Strafanzeige nach Performance im Paderborner Dom
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Beim Jubiläumsfestakt "1250 Jahre Westfalen" Mitte Mai tanzte eine Performance-Gruppe mit Tiefkühlhühnern, die in Windeln gewickelt waren, durch den Altarraum des Paderborner Doms. Ein Anwalt hat deswegen Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.
Richtig begeistert waren die Gäste des Festakts "1250 Jahre Westfalen", unter ihnen Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, nicht.
Der Applaus nach der Performance der Tanzgruppe "bodytalk" blieb eher verhalten. Und was es mit den Tiefkühlhähnchen in Windeln auf sich hatte, verstand wohl auch nicht jeder.
Mandanten aus katholisch-religiösem Umfeld
Nach dem umstrittenen Auftritt gibt es jetzt auch mehrere Strafanzeigen wegen Störung der Religionsausübung. Neben dem Paderborner Erzbischof als Hausherr wird darin auch der Veranstalter, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, als tatverdächtig gesehen.
Im Paderborner Dom fand die Feier statt
Rechtsanwalt Dirk Schmitz erklärte gegenüber dem WDR, dass seine Mandanten aus einem "unpolitischen, aber katholisch-religiösem Umfeld" kommen. Sie seien schon länger mit der katholischen Kirche unzufrieden und fühlten sich nicht mehr repräsentiert.
Mit der Performance sei für sie eine Grenze überschritten worden. Die Strafanzeige sei auch ein "Hilferuf" gegenüber der Kirche und ihren Amtsträgern.
Aufführung war anders abgesprochen
Das Metropolitankapitel des Erzbistums entschuldigte sich für die so nicht abgesprochene Aufführung. Domprobst Joachim Göbel betont, dass das Programm anders geplant und angekündigt gewesen sei.
Auch für ihn sei die Performance "irritierend" gewesen. Als die Aufführung lief, habe man aber nicht zensieren wollen. Die Forderung nach einer Neuweihe wies er zurück. Die Tanzveranstaltung sei kein so schwerwiegender Vorfall, dass er eine Neuweihe des Domes notwendig machen würde.
Online-Protest gegen "Entweihung des Domes"
Auch online gibt es Protest. "Gegen die Entweihung des Paderborner Domes: Für den Schutz unserer heiligen Stätten" ist der Titel einer Petition, die bis Anfang Juni über 23.000 Menschen unterschrieben haben. Die Performance sei "eindeutige Blasphemie".
Christlich-fundamentalistische Petitions-Plattform
Die für die Petition genutzte Plattform "CitizenGO" hat eine klare Ausrichtung: christlich-fundamentalistisch.
Immer wieder tauchen Kampagnen auf, die sich zum Beispiel für ein Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe aussprechen. Auch Abtreibungsgegner nutzen "CitizenGO" für ihre Petitionen.
Unsere Quellen:
- Erzbistum Paderborn
- Anwalt Dirk Schmitz
- Reporter vor Ort
