Bielefelder Studie: Fußball lässt das Fan-Herz schneller schlagen
02:31 Min.. Verfügbar bis 06.02.2028.
"Im Stadion war die Atmosphäre natürlich überragend, mit so vielen Bielefeldern zu stehen", erinnert sich Arminia-Fan Bastian Schünke bis heute, "da war ich angespannt, aufgeregt und nervös." Der Bielefelder radelte damals mit befreundeten Radfahrerinnen und Radfahrern nach Berlin, an einem einzigen Tag.
Durch die frühen Gegentore des VfB Stuttgart sei die Anspannung dann natürlich zuerst zurückgegangen, beschreibt Schünke. Aber durch die zwei Bielefelder Tore zum 2:4-Endstand sei der Puls wieder gestiegen: "Da hatte man ja sogar einen Funken Hoffnung, dass es zum Ausgleich reicht." Damit deckt sich Schünkes Erinnerung mit Daten einer neuen Studie der Universität Bielefeld.
Einmaliges DFB-Pokalfinale als Forschungsgegenstand
Christian Deutscher, Professor Universität Bielefeld
"Unsere Fußballstudie ist die erste, die mit mehr als 200 Fans kontinuierlich über Wochen zeigt, wie unterschiedlich stark der Ort des Zuschauens wirkt", erklärt Christian Deutscher, Professor an der Universität Bielefeld und Experte für Psychologie und Sportwissenschaften.
"Das Stadion ist eine andere Welt als das Wohnzimmer." Christian Deutscher, Professor Universität Bielefeld
Das Team der Universität Bielefeld sammelte für die Studie Vitaldaten von etwa 200 Arminia-Fans, die sich freiwillig gemeldet haben und wertete deren Smartwatches aus. Einige beantworteten zusätzlich Fragebögen.
Am Herzschlag der Fans lassen sich Spielhöhepunkte und auch der Standort der Fans ablesen. Quelle: Scientific Reports/Universität Bielefeld
Im Fokus: Die körperlichen Reaktionen beim wohl größten Spiel der Bielefelder Vereinsgeschichte. Im Mai stand der damalige Drittligst Arminia Bielefeld überraschend im DFB-Pokalfinale und verlor am Ende mit 2:4 gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart.
Reaktionen vor allem auf emotionale Höhepunkte
Die Arminia-Fans hatten vergangene Saison viel zu jubeln.
Im Stadion kommen die Fans auf durchschnittlich 94 Herzschläge pro Minute, vor dem Fernseher sind es nur 79. "Die direkte Präsenz verstärkt die körperliche Reaktion offenbar erheblich", erklärt Professorin Christiane Fuchs, eine Co-Autorin der Studie. Noch größer werde der Unterschied bei emotionalen Szenen. Beim ersten Tor von Arminia Bielefeld sei der Puls der Fans im Stadion auf 108 Schläge gestiegen, 36 Prozent mehr als vor dem Fernseher.
Auch das Stresslevel der Arminia-Fans werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Demnach war der ganze Finaltag aufregend: "Wir sehen die Aufregung schon lange vor Spielbeginn" erklärt Christian Deutscher. Schon 14 Stunden vor Anpfiff seien die Werte über dem Normalbereich gewesen.
Bielefelder Studie: Fußball lässt das Fan-Herz schneller schlagen
00:39 Min.. Verfügbar bis 06.02.2028.
Fußballfans zwölf Wochen lang analysiert
Die Studie analysierte die Daten der Teilnehmenden nicht nur am Pokalabend, sondern über mehrere Wochen und während mehrerer Fußballspiele. So schlagen die Puls- und Stresswerte bei den Arminia-Fans auch an Samstagen aus.
Gründe für das "Stadionfieber" liefern die vorhandenen Daten nicht, laut der Forschenden könnte aber die direkte Nähe zum Spielfeld und auch "emotionale Ansteckung" für eine höhere Herzbelastung sorgen. Durch Alkoholkonsum steige diese nochmals an, darum warnenn die Forschenden auch auf das eigene Herz-Kreislauf-System zu achten.
Und die Erkenntnisse zu den körperlichen Reaktionen auf Bielefelds Pokalfinale sind gefragt: "Ich habe noch nie so viele internationale Anfragen zu einer Studie bekommen", sagt Deutscher. Er habe schon Interviews mit Medien aus den USA, Indien, England und Australien geführt. Das große Interesse an dem Herzschlag der Arminia-Bielefeld-Fans sei für ihn "eine positive Überraschung."
Unsere Quellen:
- Universität Bielefeld
- Interview mit Christian Deutscher, Professor an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften
Sendung: WDR.de, Bielefelder Studie: Fußball lässt das Fan-Herz schneller schlagen, 05.02.2026, 17.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 06.02.2026, 19:30 Uhr