Paderborner Schützenfest: Vieles traditionell noch Männersache
Lokalzeit OWL. 14.07.2025. 02:26 Min.. Verfügbar bis 14.07.2027. WDR. Von Christina Joswig.
Nach vier durchfeierten Nächten ging das Paderborner Schützenfest am späten Montagabend zu Ende. Mit einer letzten großen Party auf dem Schützenplatz wurde das Königspaar begrüßt, bevor es in ein neues Schützenjahr geht. So ist es Brauch und so wird es gelebt - in Paderborn seit 194 Jahren.
Traditionelle Werte in Schützenvereinen
Vieles ist gleich geblieben: Die Uniformen, die Marschmusik und Bier dürfen nicht fehlen. Vier Tage voller Konzerte, Paraden und Feiern bis in den Morgengrauen liegen hinter den Vereinsmitgliedern. 30.000 Besucher haben insgesamt mit ihnen gefeiert.
Doch der Schützenverein lebt auch über die vier Tage hinaus weiter. Es ist Gemeinschaft, es sind Freundschaften, die man pflegt und Kultur, die gelebt wird. Gemeinsame Treffen und Sportveranstaltungen schweißen zusammen und schaffen Identität. "Die Schützenvereine halten Dörfer zusammen. Das ist eine wichtige Funktion, die sie da im Ehrenamt für die ganze Gesellschaft liefern", sagt Thomas Stolz. Er ist Pfarrer und im Verwaltungsrat des Vereins.
Religion und Herkunft sind egal
Önder Türkal ist Hauptmann einer Kompanie.
Willkommen ist jeder, sagt der Verein. Egal welche Herkunft oder Religion. Önder Türkal kommt aus der Türkei. Er war noch ein Kleinkind, als er mit seinen Eltern nach Deutschland zog. In Paderborn führte dann später kein Weg am Schützenverein vorbei. Für ihn war das der beste Weg zur Integration. "Ich war 21, hatte überhaupt keine Ahnung von dieser Geschichte, aber wurde mit offenen Armen empfangen", erinnert er sich.
Inzwischen hat er sogar eine Leitungsposition: Seit sechs Jahren steht er seiner Kompanie als Hauptmann vor. Dass Schützenvereine Sitten und Bräuche hochhalten, sei kein Hindernis, wieso auch? Für den Hauptmann können Schützenvereine, aber auch Sportvereine, einen großen Teil zur Integration beitragen. "Aber das müssen beide Seiten wollen. Integration geht nicht, wenn die Gegenseite es nicht will oder es nicht annimmt."
Frauen dürfen keine Uniformen tragen
Sarah Koch (links) und ihre Mutter Monika singen das Lied ihrer Schützenkompanie.
Modern und offen ist der Verein bei der Herkunft, doch bei Frauen gibt es noch strengere Regeln. Zwar dürfen Frauen Mitglieder werden, jedoch dürfen sie nicht in den Umzügen mit marschieren oder Uniformen tragen. Das geht nur bei den Jungschützinnen - bis sie 30 Jahre alt sind.
Sarah Koch trägt ihre Uniform mit stolz. Die 23-Jährige würde sich wünschen, dass die Regeln langam etwas aufgeweicht werden. "Ich möchte auch ein bisschen Vorreiterin sein und zeigen, dass Frauen das genauso mitmachen können. Und dass Frauen irgendwann genau den gleichen Stellenwert erreichen wie Männer hier im Verein."
An die Frauen-Frage will der Verein nach eigener Aussage in den nächsten Jahren ran. Aber der Druck aus den eigenen Reihen sei nicht besonders groß. Viele Frauen wollen gar keine Uniform tragen.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Pressesprecher Paderborner-Bürger-Verein