Reinigung eines Stolpersteins

Dülmener Schüler putzen Stolpersteine: Erinnerung an Reichspogromnacht

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Schüler der Hermann-Leeser-Realschule in Dülmen putzen in diesen Tagen Stolpersteine. Sie erinnern damit an jüdische Bürger der Stadt, die von Nazis verschleppt und ermordet wurden. Auch in Dülmen hatte es am 9. November 1938 ein Pogrom gegeben.

Von Marco Poltronieri

In der Nacht des 9. November 1938 zerren fanatische Nazi-Anhänger in Dülmen jüdische Bürgerinnen und Bürger aus ihren Häusern. Sie werden misshandelt, manche von ihnen ins örtliche Gefängnis gesteckt. Auch die Synagoge wird, wie in so vielen Orten, in Brand gesetzt.

Unter den Opfern ist auch Hermann Leeser, anerkannter und viel geschätzter jüdischer Mitbürger in Dülmen. Das aber schützt den Fabrikanten nicht vor seiner Verhaftung. Vier Tage nach der Reichspogromnacht nimmt er sich in Polizeigewahrsam das Leben.

Schüler an Stadtgeschichte interessiert

Schülerinnen und schüler reinigen Stolpersteine

Schüler auf der Lüdinghauser Straße in Dülmen

Dass die Hermann-Leeser-Realschule nach ihm benannt ist, verpflichtet natürlich. "Die Erinnerungskultur schreiben wir uns gerne auf die Fahnen. Jedes Jahr erinnern wir an die Opfer", sagt Lehrer Patrick Südmersen. Und das mit einer besonderen Aktion: Schüler säubern die Messing-Stolpersteine, die vor den Häusern der ehemals jüdischen Bewohner in die Dülmener Gehsteige eingelassen sind.

Mit solchen geschichtlichen Vor-Ort-Aktionen kriegen wir die Schüler. Da gehen die mit. Patrick Südmersen, Lehrer an der Hermann-Leeser Realschule

Südmersen hat beobachtet, dass das Interesse an solchen Themen zunimmt. "Das liegt sicher auch an aktuellen politischen Entwicklungen", meint der Lehrer.

Familien-Schicksale im Fokus

Stolpersteine mit Rosen bedeckt

Das Ziel: die Erinnerung an die Opfer wachhalten

Mit Sprühflaschen, Papiertüchern und Putzmitteln schrubben die Schüler die Steine blank, auf denen die Initialen der Opfer stehen. Die Steine sollen an die Verschleppung und Ermordung der vielen jüdischen Bürger erinnern. In Dülmen sind es genau 46. Die jüdische Gemeinde in dem kleinen Ort war damals relativ groß.

An der "Putzaktion" macht fast die ganze Schule mit, von der sechsten bis zur zehnten Klasse. Laut Patrick Südmersen sind das etwa 400 Jugendliche. "Jede Klasse bekommt ein Familien-Schicksal zugeteilt. Das wird dann im Unterricht sorgfältig vor- und nachbereitet, rund um diese Aktion hier". Gerade ist er mit Schülern der 10c unterwegs, vor der Lüdinghauser Straße 5. Hier lebte Hermann Leeser mit seiner seiner Frau und zwei Töchtern.

Dülmener Schüler erinnern an Reichspogromnacht

WDR Studios NRW 05.11.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 05.11.2027 WDR Online

"Putzaktion" gegen das Vergessen

Luis, 15 Jahre alt, ist auch dabei. Er weiß mittlerweile einiges über Hermann Leeser. "Bei seinen Mitarbeitern war er, der Chef, sehr angesehen. Und unsere Turnhalle, die war früher seine Weberei." Von der Putzaktion ist er voll überzeugt. "So geraten die Opfer nicht in Vergessenheit."

Nachdem er selbst nochmal kräftig geschrubbt hat, legt er eine weiße Rose auf die Steine. Als Zeichen der Erinnerung und der Mahnung.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Hermann-Leeser-Realschule
  • Schulprojekt-Koordinator Patrick Südmersen         

Über dieses Thema berichten wir am 10. November 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.

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