Gemeinde Lippetal stellt Weichen für milliardenschweres Rechenzentrum
Stand:
In Lippetal im Kreis Soest soll ein großes Rechenzentrum entstehen. Der US-Großinvestor Blackstone hat eine Fläche an der A2 bei Hamm-Uentrop ausgewählt. Dort soll zunächst für bis zu vier Milliarden Euro die Infrastruktur aufgebaut werden. Der Rat der Gemeinde hat dem Projekt am Montagabend mit großer Mehrheit zugestimmt.
Bei den Summen dürfte so manchem Zuhörer schwindelig geworden sein. Neben der direkten Milliarden-Investion könnten zusätzliche Milliarden in die Gemeinde Lippetal kommen: Mieter wie Amazon, Google oder KI-Anbieter sollen ihre Großrechenanlagen aufstellen. Die Kosten: rund acht bis 12 Milliarden Euro.
Die Kommunalpolitiker nahmen diese Riesenzahlen am Abend eher gelassen zur Kenntnis: Sie waren schon vorher in die lang geheimgehaltenen Pläne eingebunden worden.
Flächennutzungsplan müsste verändert werden
Konkret geht es im Gemeinderat darum, den Flächennutzungsplan so zu verändern, dass die Ansiedlung möglich wird. Passend dazu wird jetzt ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt.
Er regelt unter anderem, wie viel Fläche bebaut werden darf, wo Ausgleichsflächen angelegt werden oder wie die Zufahrten sichergestellt werden.
"Die Linke" stimmt gegen Projekt
Für das Projekt gab es große Zustimmung: Nur die Linke sprach sich gegen die Ansiedlung des Rechenzentrums aus. Der amerikanische Investor Blackstone habe im Berliner Wohnungsmarkt eine unrühmliche Rolle gespielt und in der Vergangenheit "Gewinne ins Ausland verschoben und in Deutschland dadurch keine oder wenige Steuern bezahlt", so eine Sprecherin.
Ratssitzung Lippetal
Die Grünen stimmten mit Bauchschmerzen zu, hätten an der Stelle aber lieber Landwirtschaft mit Energiegewinnung kombiniert. Auf der anderen Seite sei es wichtig, dass die Datensicherheit nach deutschem und europäischen Recht gesichert werden könne, so die grüne Position.
Hoffnung: Rechenzentrum als Magnet für weitere Firmen
Vertreter der anderen Parteien sprachen von einem prestigeträchtigen Projekt, das für die Wirtschaft weiter über Lippetal und Hamm hinaus wichtig sei. Dabei wurde mehrfach betont, dass es nicht in erster Linie um die erwarteten rund 100 Arbeitsplätze gehe.
Vielmehr erhoffe man sich durch die Infrastruktur, dass sich viele weitere moderne Unternehmen ansiedeln. Der Tenor: Auch die heimische Bauwirtschaft, Gastronomie und andere Bereiche könnten über viele Jahre profitieren.
NRW-Kapazität wird fast verdoppelt
Experten sprachen vor dem Lippetaler Gemeinderat von einer Gesamtrechenleistung von 200 Megawatt, die das Rechenzentrum haben soll. Das sei etwa so viel wie in ganz NRW zum Ende des Jahres 2024 zur Verfügung stand.
Zwei Jahre für Vorbereitungen eingeplant
Ob das Mammutprojekt wirklich etwas wird? Diese Frage wird am Abend von vielen im Rat positiv beantwortet. "Planungsrechtlich bekommen wir das definitiv hin", sagt dazu einer der Referenten dem WDR.
Etwa zwei Jahre werde es dauern, bis alle Pläne abgestimmt und die Genehmigungen eingeholt worden sind. Jetzt hängt alles davon ab, ob der Amerikanische Großinvestor am Ball bleibt und wirklich die Milliarden ins ländliche Westfalen bringt.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- Gemeinderat Lippetal
- Gemeinde Lippetal
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 03.02.2026, 09:31 Uhr
Sendung: WDR 5 Westblick, 16.01.2026, 17:05 Uhr