Gemeinsam in der Gruppe wird der queere Gottesdienst gefeirt.

So lief der erste Queer-Gottesdienst im westlichen Münsterland

Stand:

Eine evangelische Gemeinde hat den ersten Queer-Gottesdienst im westlichen Münsterland organisiert. Und um Entschuldigung gebeten.

Von Dominik Hamers

Wie die Teilnehmenden miteinander umgehen sollen, steht auf Plakaten, die überall hängen. Es sind Regeln für den achtsamen Umgang miteinander. Pfarrerin Katrin Ring weist zu Beginn des Gottesdienstes noch einmal darauf hin. Kurze Stille, ein Innehalten, dann klingelt ein Handy. Sehr laut.

Die mehr als 50 Teilnehmenden lachen beherzt darüber. Es ist der erste Queer-Gottesdienst im westlichen Münsterland. Für die Pfarrerin und Queer-Beauftragte Ring geht es ohnehin nicht ums perfekte Zeremoniell, vielmehr um ein Signal der Gemeinde: "Wir wollen sensibilisieren: Hier seid ihr sicher."

Teilnehmende können sich segnen lassen

Die Regeln auf den Plakaten sollen diese Sicherheit garantieren. Respekt für alle Identitäten und stärkender Umgang. Oder die Frage nach Einverständnis zu Körperkontakt. Etwa, als Esther Sühling und Dagmar Spelsberg-Sühling sich nach dem Gottesdienst von Diakon Tobias Volkmer segnen lassen.

Während dem queeren Gottesdienst werden zwei Personen gesegnet.

Wer wollte, konnte sich auch segnen lassen

Für das Paar ein wichtiger, ein besonderer Moment. Esther Sühling erklärt, warum: "Für mich ist es wichtig als gläubiger Mensch, dass ich den Segen des Gemeinsamen auch unter Gottes Segen stelle." Es sei immer wieder wohltuend, diesen Zuspruch zu bekommen.

Ausgrenzung im Widerspruch zu christlicher Gemeinschaft

Queere Menschen und Kirche - das passte lange nicht zusammen. Mit-Organisatorin Katrin Ring spricht von einer langen Ausgrenzung queerer Menschen und von einem Widerspruch, insbesondere im ländlichen Raum:

"Wenn wir exklusiv wären, könnten wir keine christliche Gemeinschaft sein." Pfarrerin Katrin Ring

Sie habe vor einiger Zeit den Auftrag von Superintendentin Susanne Falcke bekommen, diesen Gottesdienst zu organisieren. Doch sie hat auch ein eigenes Interesse: Ihr Sohn sei trans. "Kirche sollte offen sein, aber manchmal hilft es doch, wenn man selbst eine Vorstellung von Ausgrenzung bekommt."

Geschichten von Ausgrenzung und Verstecken

An diesem Sonntag, so scheint es, fühlt sich niemand ausgegrenzt. Eher noch: Viele der Gläubigen beteiligen sich am Gottesdienst. Sie erzählen ganz persönliche Geschichten von Ausgrenzung und Verstecken, aber auch von Mut und Trotz im Zeichen ihrer Queerness.

Zum Abschluss kündigt Pfarrer Thomas Ring an, dass es so einen Gottesdienst zukünftig wieder geben werde. Wann und wo genau, steht noch nicht fest. "Ihm da oben", sagt er und zeigt mit beiden Fingern gen Himmel, "hat es bestimmt gut gefallen." Es gibt Applaus.

Als fast alle Teilnehmenden auf dem Heimweg sind, sitzt Pfarrerin Katrin Ring zufrieden im Gemeinde-Café. "Es ist gut, dass wir laut darauf aufmerksam gemacht haben", sagt sie. "Eine Kirche muss einen sicheren Raum umso mehr bieten und um Verzeihung bitten, dass es nicht schon lange geschehen ist."

So lief der erste Queer-Gottesdienst im westlichen Münsterland

WDR Studios NRW 02.02.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 02.02.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Gespräch mit Pfarrerin Katrin Ring
  • Gespräch mit Pfarrer Thomas Ring
  • Gespräch mit Teilnehmerin Esther Sühling

Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 02.02.2026, 08:31 Uhr

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