XXL-Windrad bei Delbrück: Kritiker fordern mehr Transparenz

WDR 02:36 Min. Verfügbar bis 15.04.2028

XXL-Windrad bei Delbrück: Rat setzt Zeichen gegen den Bau

Stand:

In Delbrück-Sudhagen soll ein XXL-Windrad gebaut werden. Der Stadtrat muss zustimmen, verweigert aber sein Einverständnis.

Ein Windradhersteller hat einen Vorantrag für eine Fläche in Delbrück-Sudhagen gestellt. Dort soll ein 250 Meter hohes Windrad entstehen. Der Rat muss dem Antrag eigentlich zustimmen, weil faktisch nichts gegen den Bau spricht, aber 33 der 38 Ratsmitglieder verweigern das.

Damit reagieren sie auf den Protest von Anwohnern und Kritikern und setzen ein Zeichen. Viel mehr wird es wohl nicht bleiben. Denn im Vorantrag musste der Stadtrat erst einmal nur feststellen, ob die Fläche in einem Windenergiebereich liegt und und zum Flächennutzungsplan passt.

Aus den Fakten ergeben sich zu diesem frühen Zeitpunkt erst einmal keine Hürden. Deshalb wird der Kreis das sogenannte "gemeindliche Einvernehmen" ersetzen. Denn der Kreis hat das letzte Wort bei einem solchen Vorantrag. Der Antragsteller kann dann den Vollantrag einreichen und die Prüfung geht mit mehr Details in die nächste Runde.

Bauplatz liegt in Windenergiebereich

Der Standort liegt in einem im Regionalplan OWL vorgesehenen Windenergiebereich, für den bereits verschiedene Aspekte abgewogen wurden – etwa zu Natur- und Landschaftsschutz, Landschaftsbild, Erholung sowie möglichen Auswirkungen auf die Nachbarschaft.

Einige Bürgerinnen und Bürger zweifeln aber daran, ob diese Überprüfung genau genug war. Außerdem hatten sie Sorge, dass der Stadtrat schon mehr entscheidet als notwendig.

Anwohner fordern mehr Details

Einige Anwohner sahen die Beschlussvorlage für den Rat als allgemeine Zustimmung. Sie wünschten sich mehr Einblicke in den Ablauf des Genehmigungsverfahrens. Thomas Brandt ist einer der Anwohner und hat sich sehr genau mit dem Thema beschäftigt und sich auch mit einigen Einwänden an die Stadt gewandt.

Drei Menschen vor einer Windrad-Atrappe.

Margit und Thomas Brandt und Nachbarin Lea Kinsel wollen kein Windrad vor der Haustür.

In einem zehnseitigen Brief an den Rat führt er verschiedene Punkte an, die in seinen Augen noch nicht hinreichend geprüft wurden. Etwa, wie das Windrad an das Stromnetz angeschlossen wird, ob die Wege überhaupt stabil genug für Schwertransporte sind und, ob keine Anwohner durch den Schattenwurf und die Geräusche des Windrads gestört würden. Das zu prüfen, war zum aktuellen, noch sehr frühen Zeitpunkt überhaupt nicht Aufgabe der Stadt. "Ich will einfach, dass die Gemeinde genau hinschaut", so der Anwohner.

Stadt will Transparenz

Auf die Anschuldigungen reagierte die Stadt Delbrück am Dienstag (14.04) mit einer Informationsveranstaltung in der Stadthalle. Eingeladen waren Anwohnende, aber auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Bei der Veranstaltung gab es verschiedene Stände von der Stadt, dem Kreis als Genehmigungsbehörde und einem der Windkraftbetreiber.

...

Die Halle ist voll, die Stimmung aufgeheizt.

"Jeder soll die Fragen stellen, die ihn bewegen", sagte Bürgermeister Johannes Lindhauer (CDU) zur Begrüßung. Die Stadthalle war voll - Hunderte waren gekommen. Die Interessierten verteilten sich an den Ständen und schnell gab es Unmut über das Messeformat. So habe man nicht die Möglichkeit, wirklich in den Austausch zu kommen, hieß es.

Stadt reagiert schnell auf Kritik

Die Stadt reagierte schnell und startete eine offene Fragenrunde. Die Meinungen waren gemischt. Die einen sind für die Genehmigung, die anderen haben Sorgen und wieder andere prangern das Vorgehen der Stadt an. Die Stimmung war aufgeheizt, zum Teil emotional.

Schon vor der Infoveranstaltung hatte es eine Kundgebung gegeben. Mit der wollten die Anwohner Aufmerksamkeit auf das Thema lenken.

Kreis kann Einwilligung ersetzen

Und der Unmut schien bei den politischen Entscheidern anzukommen: "Ich gehe davon aus, dass das gemeindliche Einvernehmen eher nicht erteilt wird", sagte der Bürgermeister überraschend schon am Dienstag bei der Informationsveranstaltung, zwei Tage vor der anstehenden Ratssitzung.

Jetzt, wo der Rat gegen den Vorantrag gestimmt hat, muss der Kreis die Einwilligung ersetzen. Für Anwohner Thomas Brandt ist die Entscheidung trotzdem ein Zeichen, dass der Rat die Stimme der Bürger gehört hat und die Meinung der Menschen vor Ort ernst nimmt.

XXL-Windrad bei Delbrück: Rat setzt Zeichen gegen den Bau

WDR 17.04.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 17.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Anwohner Thomas Brandt
  • Interview mit Bürgermeister Johannes Lindhauer
  • Pressemitteilung der Stadt Delbrück
  • Kreis Paderborn

Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 17.04.2026, 10:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 16.04.2026, 19:30 Uhr

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