Die vorübergehende Nachfolge für Bischof Felix Genn war schnell geklärt. Am Tag nach dessen altersbedingten Rücktritt am 9. März gab das Bistum Münster bekannt, dass Antonius Hamers vorerst die Leitung übernimmt. Das ist ein Jahr her, seine Amtszeit endet mit der Amtseinführung des neuen Bischofs.
Reforminitiative ist schon ungeduldig
Wer neues Kirchenoberhaupt in Münster wird, ist noch offen, doch schon jetzt gibt es Forderungen an den zukünftigen Bischof. Etwa von der Reforminitiative Maria 2.0, die sich vor allem für die Stärkung der Frauenrechte in der Katholischen Kirche einsetzt. Das werden sie auch dem Neuen klarmachen.
Margarete Kohlmann von der Reforminitiative Maria 2.0
Mit Verweis auf die Würzburger Synode, die vor mehr als 50 Jahren die Weihe von Frauen für den diakonischen Dienst forderte, sagt Margarete Kohlmann:
"Es fehlen die Umsetzungen. Papier ist geduldig. Da steht so viel geschrieben, jetzt müssen Taten folgen. Es muss ein deutlich sichtbarer Wandel nach außen möglich sein." Margarete Kohlmann, Maria 2.0
Wenige hundert Meter entfernt vom Münsteraner Paulus-Dom hat die Unabhängige Aufarbeitungskommission (UAK) ihren Sitz. Supervisorin Ulrike Overkamp berät dort unter anderem auch Menschen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Sie fordert von der Kirche mehr Einfachheit.
Ulrike Overkamp, Supervisorin Unabhängige Aufarbeitungskomission
"Ob in Therapie oder in Kuren oder in Rehabilitationsmaßnahmen oder aber auch ganz banal manchmal mit einfachsten Dingen wie zum Beispiel einer Karte für den BVB", sagt Ulrike Overkamp. Sie sieht Nachholbedarf in der in ihren Augen eigentlich angemessenen Großzügigkeit des Bistums Münster.
Hamers: Neuer Bischof muss Brücken bauen
Bis ein neuer Bischof ins Amt kommt, muss Antonius Hamers diese und andere Anliegen moderieren. Den Weg des Bistums kann er derzeit lediglich verwalten. Die geistliche Führung übernimmt das neue Kirchenoberhaupt. Vor Ostern soll sein Name feststehen. Im Sommer könnte er das Amt übernehmen.
Antonius Hamers weiß, dass auf den Neuen viel Arbeit wartet: "Ein guter Bischof ist immer ein Brückenbauer, der beide Lager miteinander verbinden kann. Das ist im Bistum Münster in der Kirche in Deutschland eine wichtige Aufgabe."
Papst Leo XIV. wird bald eine Liste mit drei Namen nach Münster schicken. Aus denen wählt das Domkapitel den neuen Bischof. Wenn der Auserwählte zustimmt, wird er neues Kirchenoberhaupt des mitgliederstärksten Bistums in Deutschland. Rund drei Monate später übernimmt er dann offiziell das Amt.
Quellen:
- Gespräch mit Margarete Kohlmann
- Gespräch mit Ulrike Overkamp
- Gespräch mit Antonius Hamers
Sendung: WDR.de, Münster - Ein Jahr ohne Bischof, 10.03.2026, 13.40 Uhr