80 Jahre Kriegsende: Aktionstag in Bielefeld

Lokalzeit OWL 08.05.2025 24:50 Min. Verfügbar bis 08.05.2027 WDR Von Simon Rahe

Schlussstrich unter NS-Zeit? Neue Studie aus Bielefeld zum Erinnern

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Vor 80 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Eine neue Studie des Bielefelder Instituts für Gewalt und Konfliktforschung zeigt, wie die Menschen über die NS-Zeit denken. Aufarbeitung, Wissen und Engagement für Erinnerung stehen demnach unter Druck.

Die so genannte MEMO-Studie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) und der Universität Bielefeld nimmt das kritische Geschichtsbewusstsein in Deutschland unter die Lupe. Hierfür wurden die Antworten von 3.000 Befragten mit dauerhaftem Wohnsitz in Deutschland - mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft - ausgewertet.

Wir wollen besser verstehen, wie die Interessierten, aber bisher Unengagierten motiviert werden können, aktiv zu werden. Denn aktiver Einsatz für Erinnerung ist aktiver Einsatz für Demokratie. Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende
der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft

Überraschend gespalten ist ein Ergebnis der Studie: Die Antwort darauf, wie wichtig das bewusste Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus ist. Während beinahe eine Hälfte der Befragten einen Schlussstrich fordert, wünscht sich die andere Hälfte eine lebendige Erinnerungskultur. Allerdings gaben nur acht Prozent an, sich in dem Bereich tatsächlich zu engagieren.

Antisemitismus wieder allgegenwärtig

"Besorgniserregend sind die Befunde zu Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus", so die Einschätzung im Bericht der Studie. Ein Viertel sagt demnach, dass Jüdinnen und Juden die Erinnerung an den Holocaust zu ihrem persönlichen Vorteil ausnutzen würden.

Antisemitische, rechtspopulistische und geschichtsrevisionistische Haltungen haben im Vergleich zu früheren Befragungen merklich zugenommen und sind nun endgültig wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Prof. Dr. Jonas Rees, Leiter der Studie

"Wir sehen sie in allen Bevölkerungsschichten und gesellschaftlichen Gruppen", erläutert der Leiter der Studie, Prof. Dr. Jonas Rees, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung und Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Universität Bielefeld.

Wissen über die NS-Verbrechen nimmt ab

Die Studie zeigt auch, dass das Wissen über die Verbrechen im Dritten Reich insgesamt abnimmt. Wissenslücken zeigen sich zum Beispiel mit Blick auf die verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes. Nur knapp jeder Zehnte konnte eine realistische Einschätzung zur Zahl der Zwangsarbeiter:innen zwischen 1933 und 1945 geben.

Über die Hälfte der Befragten gab zudem an, wenig oder überhaupt nichts über die NS-Verbrechen in ihrem Wohnort zu wissen. Dabei sei es laut der Studienleiter gerade für junge Menschen und ihr Demokratieverständnis wichtig, die Erinnerung an die NS-Zeit lebendig zu halten.

Schlussstrich unter NS-Zeit? Neue Studie aus Bielefeld zum Erinnern

WDR Studios NRW 08.05.2025 00:43 Min. Verfügbar bis 08.05.2027 WDR Online

Bewusstes Erinnern - Veranstaltung zum Jahrestag

Bewusstes Erinnern - das geht zum Beispiel am Donnerstagabend ab 18 Uhr im Alten Rathaus in Bielefeld: Bei Musik, Poetry Slams und Filmen geht es um die Vergangenheit und die Zukunft.

Unsere Quellen:

  • MEMO-Studie

Über dieses Thema berichten wir am 08.05.2025 auch in den Fernsehprogrammen des WDR.

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