Zwei Silhouetten vor marschierenden Nationalsoziaisten aus dem 2. Weltkrieg.

War Opa ein Nazi? So kannst du deine Familiengeschichte recherchieren

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Das Kriegsende wirft auch heute noch Fragen auf: War mein (Ur-)Opa ein Nazi - oder deren Opfer? So könnt ihr mehr erfahren.

Am 8. Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation von Nazi-Deutschland. Die Kämpfe sind beendet. Die traurige Bilanz: sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden, rund 60 bis 70 Millionen Kriegstote. Doch die wenigsten Deutschen fühlen sich an diesem Tag befreit.

Trauer und Schuldbewusstsein kommen erst viel später. Eine Zäsur ist 1985 die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Er spricht von einem "Tag der Befreiung" und fordert, den 8. Mai nicht als Niederlage zu sehen. Wie steht es heute um unsere Erinnerungskultur?

Erinnern oder Schlussstrich?

Eine neue Studie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) zeigt, wie die Menschen über die NS-Zeit denken. Das Ergebnis ist gespalten: Während beinahe eine Hälfte der 3.000 Befragten einen Schlussstrich fordert, wünscht sich die andere Hälfte eine lebendige Erinnerungskultur.

Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend von dieser Woche ergab: Das Erinnern in Deutschland an die Nazi-Verbrechen hält die Hälfte der Bundesbürger für weiter angemessen. Gut jeder Fünfte fordert ein größeres Ausmaß des Gedenkens ein. Etwa ebenso viele sind der Ansicht, dass in Deutschland zu viel an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert wird.

Wie erforsche ich meine Familienvergangenheit?

Die IKG-Jugendstudie zur Erinnerungskultur von 2023 stellte fest: Jeder zehnte Mensch in Deutschland unter 30 weiß gar nicht, was das war. Viele Jugendliche und junge Erwachsene wissen auch nicht, ob ihre Vorfahren - die Opas oder Ur-Opas etwa - bei den Nazis waren, zu deren Opfern gehörten oder etwa im Widerstand aktiv waren.

Die Suche nach Vorfahren gleicht oft der Suche nach der Nadel in einem Heuhaufen. Wo also anfangen und wie vorgehen? Wir haben mehrere Möglichkeiten zusammengestellt:

  • Familie: Zu Beginn der Recherche solltet ihr euch in der eigenen Familie umhören. "Alte Fotoalben können erste Hinweise über diese Menschen geben, und auch betagte Familienmitglieder können oft noch etwas zu ihnen sagen", sagt Ahnenforscher Christian Hoske.

Wenn euer (Ur-)Opa noch lebt, ist es natürlich am besten, ihn direkt zu fragen. Aber: Seid dabei behutsam. Es könnte seelische Wunden aufreißen.

  • Bundesarchiv: Die meisten Unterlagen aus der NS-Zeit liegen im Bundesarchiv in Berlin. Dazu zählen vor allem die Zentrale Mitgliederkartei der NSDAP mit rund 12,7 Millionen Karteikarten, 1,3 Millionen Parteikorrespondenzen sowie tausenden Dokumenten der SS und der SA.

Dazu kommen etwa 75 Kilometer Akten- und Karteimaterial der Wehrmacht, darunter die Zentrale Personenkartei mit Angaben über etwa 18,5 Millionen Angehörige. Wer diese einsehen oder Infos daraus haben will, kann sie kostenlos per Mail oder Post anfragen.

Ahnenforscher C. A. Hoske hält ein altes Buch

Ahnenforscher Christian Hoske

Je konkreter die Anfrage, desto besser. Aber Achtung: "Auskunft beim Standesamt oder bei Archiven erhält nur, wer ein berechtigtes Interesse nachweisen kann, etwa wenn er mit der betreffenden Person in direkter Linie verwandt ist", sagt Ahnenforscher Hoske.

Das Interesse an Dokumenten aus der NS-Zeit im Bundesarchiv sei seit Jahren hoch, sagt Elmar Kramer, Pressesprecher des Bundesarchivs. Knapp 75.000 Anfragen gingen im Jahr 2023 ein: "Die überwiegende Zahl waren personenbezogene Anträge, die zum Beispiel bei der Aufklärung der Familiengeschichte helfen."

  • Landesarchiv NRW: Aufschluss über die Rolle von Angehörigen innerhalb des NS-Regimes geben auch die Entnazifizierungsakten. Dort ist die Mitgliedschaft in der NSDAP oder anderen parteinahen Organisationen aufgelistet. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sich in NRW mehr als 800.000 Menschen "entnazifizieren" lassen, um beispielsweise erneut verbeamtet zu werden.

Von den mehr als 1,15 Millionen Entnazifizierungsakten, die im Landesarchiv Duisburg liegen, sind etwa 694.000 digitalisiert. Wer etwa Dokumente zur eigenen Familie sucht, kann unter archive.nrw.de recherchieren.

  • Vereine: Es gibt auch Vereine, die sich auf die Familienforschung spezialisiert haben, unter anderem die Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung sowie die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde. Ebenso bieten viele Heimatvereine in NRW wie derjenige in Greven ehrenamtlich Hilfe an:
  • Internet-Datenbanken: Christian Hoske empfiehlt die Plattform "Ancestry", die zahlreiche Quellen, Kirchenbücher, Personenstandsregister und vieles mehr biete. Zugleich warnt der Ahnenforscher, Daten ohne Quellenangaben zu übernehmen. Auf "Ancestry" gebe es viele frei zugängliche private Familienstammbäume, die mitunter falsche Angaben enthielten.
  • Online-Gräbersuche: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat rund 5.395.000 Datensätze auf seiner Plattform "Gräbersuche Online" eingepflegt. Dort findet sich, was über die Kriegstoten und Vermissten des Ersten und Zweiten Weltkrieges bekannt ist.

Wer ein paar Informationen eingibt, kann zum Beispiel erfahren, wo das Grab des Opas ist, zumindest dann, wenn dieser auf einer Kriegsgräberstätte liegt. Die Erfassung der Daten ist noch nicht abgeschlossen.

Wo bekomme ich Infos über die NS-Opfer?

Falls ihr vermutet, dass jemand aus eurer Familie möglicherweise Opfer der Nationalsozialisten war, dann könnt ihr auch bei den Bundes- oder Landesarchiven anfragen. Auch die internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat in ihrer Datenbank Namen und biographische Angaben von Millionen Opfern des Holocaust gesammelt.

Umfangreich sind auch die "Arolsen Archives" - ein Archiv und Dokumentationszentrum über die NS-Verfolgung und befreite Überlebende. Mehr als 30 Millionen Dokumente sind da gespeichert. Ihr könnt sie online über eine Suchmaske recherchieren oder eine Suchanfrage starten.

Die App zu "Stolpersteine NRW"

Die WDR-App "Stolpersteine NRW"

Die "Stolpersteine NRW" des WDR erzählen die Geschichten von mehr als 17.000 Opfern. Der WDR hat sie recherchiert und digital zugänglich gemacht: mit Texten, Fotos, Audios, Illustrationen und Augmented-Reality-Elementen. "Stolpersteine NRW" ist als App auf dem Smartphone und am PC/Laptop im Desktop-Browser zu finden.

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