Unterlassene Hilfeleistung im Fall Philipos: Jugendlicher verurteilt
01:47 Min.. Verfügbar bis 26.03.2028.
Das Amtsgericht Minden verurteilte einen 21-Jährigen aus Minden zu zwei Wochen Dauerarrest. Außerdem muss er 1.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Begründung: Unterlassene Hilfeleistung und Falschaussage.
Die Vorgeschichte
Der Haupttäter im Fall Philipos ist längst verurteilt. Er erhielt im vergangenen Jahr vom Landgericht Bielefeld neun Jahre Haft wegen Totschlags. Doch die Aufklärung des Falls war äußerst schwierig. Denn mehrere Zeugen logen vor Gericht. Sie verschwiegen, dass es zwei Videos vom Tatgeschehen gab. Außerdem leisteten sie dem sterbenden 20-jährigen Philipos keine Hilfe. Das hat nun Konsequenzen.
Weiterer Prozess am Amtsgericht Minden
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Bastian Nonnenberg
Ein 21-jähriger Mann aus Minden musste sich heute (26.3.2026) vor dem Amtsgericht Minden verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen zweifacher Falschaussage und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Er war in der Tatnacht ebenfalls im Kurpark von Bad Oeynhausen und feierte dort mit Freunden. Er bekam den Angriff auf Philipos unmittelbar mit. Sah, wie Philipos verprügelt und gegen den Kopf getreten wurde und danach bewusstlos und blutüberströmt am Boden lag. Der 21-Jährige leistete weder direkte Hilfe, noch rief er einen Notarzt.
Falschaussagen vor Gericht
Später sagte auch er als Zeuge in dem Totschlagsprozess vor dem Landgericht Bielefeld aus. Dabei verschwieg er, dass einer seiner Kumpel zwei Videos vom Tatgeschehen gemacht hatte. Im Laufe des Prozesses ergaben sich dann Hinweise auf diese Videos. Der 21-Jährige wurde insgesamt noch zweimal als Zeuge geladen. Erst nach und nach gab er zu, dass es die Videos tatsächlich gegeben hatte. Die waren allerdings längst gelöscht. Die Polizei konnte sie aber mit erheblichem Aufwand wieder herstellen. Die Videos hatten eine erhebliche Beweiskraft in dem Verfahren.
Geständnis und Reue
Vor dem Amtsgericht Minden legte der 21-jährige Angeklagte ein Geständnis ab. Er bereue sein damaliges Verhalten bis heute. Er konnte allerdings nicht plausibel erklären, warum er Philipos nicht geholfen und dann vor Gericht falsch ausgesagt hatte. Er entschuldigte sich öffentlich bei der Mutter von Philipos, die den Prozess gegen ihn von der Zuschauerbank aus verfolgte.
Entschuldigung angenommen
Joanna Steinmann-Glogowski, Mutter des getöteten Philipos
Joanna Steinmann-Glogowski, die Mutter des getöteten Philipos nahm die Entschuldigung an und begrüßte das Urteil. Zwei Wochen Dauerarrest seien eine Art Entschädigung für sie, sagte sie im Interview mit dem WDR. Denn durch die Falschaussagen habe sich der Prozess um den Tod ihres Sohnes unnötig in die Länge gezogen.
"Ich kann ihm verzeihen, die Konsequenzen muss er selbst tragen". Joanna Steinmann-Glogowski, Mutter von Philipos
Jugendschöffengericht Minden mit der Vorsitzenden Richterin Lena Hildebrand
Die Vorsitzende Richterin verdeutlichte dem Angeklagten, dass er nur aufgrund seines Alters und einer gewissen Reifeverzögerung mir einem Arrest und einer Geldauflage davon gekommen sei. Ein Erwachsener wäre sicher mehrere Jahre ins Gefängnis gegangen. Es sei nicht zu verstehen, dass einem schwer Verletzten nicht geholfen wurde. Und zu den Falschaussagen: Die Justiz ist auf wahrheitsgemäße Angaben der Zeugen angewiesen. Das sei deren Pflicht. In wenigen Wochen wird am Amtsgericht erneut verhandelt. Dann gegen den jungen Mann, der die Videos von Philipos gemacht hatte. Auch ihm wird unterlassene Hilfeleistung und Falschaussage vorgeworfen.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Gespräch mit Joanna Steinmann-Glogowski
- Amtsgericht Minden
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 26.03.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 26.03.2926, 14:31 Uhr
