Raubkunst im Märchenmuseum in Bad Oeynhausen?
02:03 Min.. Verfügbar bis 24.03.2028.
Seit einem Jahr arbeitet die Kunsthistorikerin Layla Pankratz die Geschichte des Märchenmuseums Bad Oeynhausen auf. Es geht in ihrem Projekt um den Museumsgründer Karl Paetow. Er starb bereits im Jahr 1992. Später kamen Hinweise auf, wonach sich in seinem Nachlass NS-Raubgüter befinden.
In dem Museum lagern rund 6.000 Objekte aus dem Nachlass von Paetow, hauptsächlich Bücher und Grafiken. Die Forscherin nimmt jedes einzelne Exemplar in die Hand. Sie sucht nach Hinweisen auf mögliche Vorbesitzer, die enteignet worden sein könnten.
Karl Paetow kennzeichnete seine Bücher, die er dem Museum zur Verfügung stellte, mit einem eigenen Stempel.
Das können Stempel von Sammlern, Widmungen oder Unterschriften sein. Anhaltspunkte fanden sich bisher bei 20 Objekten. Doch unklar ist, wie diese Objekte in den Besitz von Paetow kamen. Möglicherweise habe er sie damals auf dem von Raubkunst überschwemmten Markt "rechtmäßig" erworben. Dazu liegen allerdings so gut wie keine Quittungen oder Rechnungen vor.
Die Forscherin hat noch viel Arbeit vor sich
Mittlerweile hat die Kunsthistorikerin gut ein Drittel des Nachlasses gesichtet. Ihr Zwischenfazit: Der Anfangsverdacht konnte weder bestätigt noch ausgeräumt werden.
Kunsthistorikerin Layla Pankratz sichtet derzeit den Nachlass.
Pankratz fand heraus, dass der Museumsgründer Kunst aus Raubzügen der Nazis für seine private Sammlung einkaufte. Allerdings fehlten bisher Nachweise, dass diese später auch ins Museum gelangten. Ab 1942 war Paetow für den "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" in Paris tätig. Diese nationalsozialistische Organisation raubte systematisch Kunst- und Kulturgüter. Hauptsächlich von Juden.
"Paetow war Kunsträuber für die Nazis. Es gibt aber bisher noch keine Spur, dass diese Kunst auch im Märchenmuseum Bad Oeynhausen landete." Lalya Pankratz, Kunsthistorikerin
Stadt würde Raubkunst zurückgeben
Das Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen. Sollten sich konkrete Nachweise finden, dass sich im Museum illegal beschaffte Kunstobjekte befinden, würde die Stadt Bad Oeynhausen versuchen, die rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen. Das erklärte ein Sprecher. Solche Objekte würden dann natürlich zurückgegeben.
Vorwürfe seit 2023 in der Öffentlichkeit
Die konkreten Vorwürfe gegen den Museumsgründer Karl Paetow kamen 2023 auf. Ein Gutachter beschrieb Paetow als überzeugten Nationalsozialisten und glühenden Anhänger von Adolf Hitler. Paetow war für eine Kunstraub-Organisation der Nazis aktiv. Nach dem zweiten Weltkrieg verhielt er sich zwar unauffällig, war aber mit Rechtsextremen befreundet.
Das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum wurde 1973 von Paetow gegründet. Er selbst brachte mehrere hundert Ausstellungsstücke und damit ein Viertel der Sammlung ein. Seit 2024 wird die Herkunft der Ausstellungsstücke erforscht.
Unsere Quellen:
- Stadt Bad Oeynhausen
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 24.03.2026, 16:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 24.03.2026,19:30 Uhr
