Nach tödlichem Messerangriff: Lemgo unter Schock
Aktuelle Stunde . 22.10.2025. 34:45 Min.. UT. Verfügbar bis 22.10.2027. WDR. Von Peter Cohrs.
Nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 16-Jährigen in einem Lemgoer Supermarkt geht die Polizei nicht mehr davon aus, dass es vor der Tat zu einem Streit gekommen ist. Im Gegenteil: Nichts spreche dafür, dass der Tatverdächtige und das Opfer sich vor dem Zusammentreffen auf dem Supermarktparkplatz überhaupt gekannt haben.
Angriff aus dem Nichts?
Man habe zahlreiche Zeugenaussagen sowie Videoaufzeichnungen ausgewertet, so die Polizei. Dadurch kristallisiere sich immer mehr heraus, dass der 33-jährige mutmaßliche Täter auf dem Supermarktparkplatz aus dem Nichts mit einem Messer auf das Opfer und seine zwei Begleiter zugelaufen sein soll.
Die Spurensicherung am Tatort in Lemgo
Als der 16-Jährige dann geflüchtet sei, soll der Tatverdächtige ihm in den Supermarkt gefolgt sein und ihn im Kassenbereich angegriffen und tödlich verletzt haben. Mit einem Messer habe er der Staatsanwaltschaft zufolge "äußerst brutal" mehrfach auf das Opfer eingestochen.
Verdächtiger soll wegen Drogendelikten polizeibekannt sein
Das Motiv ist weiterhin unklar, denn auch zehn Tage nach dem Angriff schweigt der Tatverdächtige gegenüber den Ermittlungsbehörden, sagt der zuständige Staatswanwalt Alexander Görlitz. Womöglich habe der mutmaßliche Täter eine psychische Erkrankung. Ein psychiatrisches Gutachten ist deshalb in Auftrag gegeben worden.
Bekannt ist mittlerweile, dass der 33-Jährige in der Vergangenheit mit Betäubungsmitteldelikten polizeilich in Erscheinung getreten ist.
Der Messerangriff hat sich am Montagabend in Lemgo ereignet. Um 20.30 Uhr waren bei der Polizei die ersten Notrufe eingegangen. Eine Person soll schwerverletzt im Kassenbereich eines Lemgoer Supermarktes liegen, hieß es da.
Tatverdächtiger noch vor Ort festgenommen
Der 16-jährige sei laut Polizei beim Eintreffen der Rettungskräfte so schwer verletzt gewesen, dass sie nur noch seinen Tod feststellen konnten. Die Obduktion des Opfers am Mittwoch hat ergeben, dass Gewalt – also die Messerstiche – gegen Brust und Kopf zum Tod geführt haben.
Den Tatverdächtigen konnte die Polizei noch auf dem Parkplatz stellen. Auch er habe sich beim Zustechen verletzt. Er wurde mit polizeilicher Begleitung in ein Krankenhaus gebracht und dort versorgt. Danach kam er in Untersuchungshaft, die Haftrichterin erließ einen Haftbefehl wegen Mordes.
Möglicherweise ein grundloser Angriff
Kurz nach der Tat war von den Ermittlern berichtet worden, dass es offenbar einen Streit zwischen dem 33-Jährigen Tatverdächtigen und seinem späteren Opfer gegeben hatte. Das hatte der zuständige Staatsanwalt Alexander Görlitz am Tag nach der Tat bereits eingeschränkt.
Pressesprecherin Hella Christoph der Polizei Bielefeld
Es sei nicht mehr sicher, wie sich die Lage vor dem Angriff am Supermarkt abgespielt habe, hieß es da. Möglicherweise habe der 33-jährige Tatverdächtige den 16-Jährigen grundlos ohne Vorgeschichte angegriffen.
Psychologische Betreuung für Zeugen
Der Supermarkt in Lemgo war auch am Dienstag noch geschlossen. Die Polizei hat Teile des Parkplatzes und den Eingangsbereich mit Flatterband abgesperrt. 15 Menschen haben die Tat im Supermarkt mit angesehen. Sie wurden psychologisch betreut, um das Erlebte verarbeiten zu können.
"Es zieht ihnen den Boden unter den Füßen weg." Andreas Gronemeier, Notfallseelsorger
Zwei Seelsorger unterstützten die Einsatzkräfte. Weitere ehrenamtliche Kräfte führten mit Angestellten, Zeuginnen und Zeugen Gespräche. Notfallseelsorger Andres Gronemeier hat mit einigen der Betroffenen gesprochen. "Das sind Schockmomente, die auch Schockstarre auslösen können oder dass die Emotionen einfach so herausbrechen – völlig unkontrolliert."
Die Anteilnahme nach der Tat ist groß. Ein Spendenaufruf für die Familie hat binnen eines Tages über 112.000 Euro gebracht. Alle Infos dazu findet ihr hier:
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Detmold und der Polizei Bielefeld
- Polizei Bielefeld
- Reporter vor Ort
- dpa