Sexuelle Handlungen an Toten im Krankenhaus: Verdächtiger ermittelt
Lokalzeit OWL. 23.01.2026. 02:36 Min.. Verfügbar bis 23.01.2028. WDR. Von Theo Knepper.
Der Fall im Bünder Klinikum wird größer: Inzwischen gehen die Ermittler von sieben Fällen aus, bei denen der Tatverdächtige sexuelle Handlungen an Leichen durchgeführt haben soll. Bisher war die Polizei von zwei Fällen ausgegangen. Der Vorwurf: Störung der Totenruhe. Offenbar gibt es auch Videoaufnahmen der Taten.
Die Polizei hat den 39-jährigen Beschuldigten am Samstag festgenommen, er sitzt nun in Untersuchungshaft.
Videoaufnahmen erhärten Tatverdacht
Die Beamten werten derzeit auch Datenträger mit Videomaterial aus, die bei der Durchsuchung beschlagnahmt wurden. Laut Staatsanwaltschaft seien Videoaufzeichnungen gefunden worden, "die einen konkreten Tatbezug aufweisen könnten", sagt Philipp Kalbertodt im WDR-Interview.
"Da hat uns das Finden der Videos einen Schritt nach vorne gebracht, was die Erhärtung des Tatverdachts angeht." Philipp Kalbertodt, Staatsanwaltschaft Bielefeld
Nähere Details zu den Videos wolle die Staatsanwaltschaft wegen "postmortaler Persönlichkeitsrechte" nicht veröffentlichen. Der Anfangsverdacht habe sich laut Staatsanwaltschaft durch die Beweismittel erhärtet.
Überprüft werden nun Fälle im Juni, November und Dezember 2025. Dem Verdächtigen sei im Zuge der Durchsuchung auch eine Speichelprobe entnommen worden. Nun wird abgeglichen, ob "Spurenbilder vom Tatort mit den gesicherten Spuren bei ihm übereinstimmen", erläutert Kalbertodt.
Verdächtige Vorkommnisse in der Pathologie
Die Kreiskliniken Herford-Bünde (KKHB) selbst hatten im Juni und am 30. Dezember 2025 bemerkt, dass in den Räumen der Pathologie in Bünde etwas nicht stimmt. Zunächst war die Rede davon, dass eine weibliche und eine männliche Leiche bewegt worden sein sollen. Inzwischen steht fest: Jemand hat an den Toten sexuelle Handlungen vorgenommen.
Hinweise von Klinik nicht ernst genommen?
Die Kreiskliniken erklärten am Freitag (23.01.), sie hätten im Sommer bereits Hinweise auf den Tatverdächtigen an die Polizei gegeben. Doch ernsthaft ermittelt habe diese erst nach einem weiteren Vorfall Ende Dezember.
Nach dem ersten Vorfall im Sommer seien Kameras installiert worden, sagt das Klinikum. Auf den Aufnahmen war einen Monat später eine maskierte Person zu sehen. Die versuchte, in den Leichenraum einzudringen. Mitarbeiter identifizierten die Person als eine ehemalige Reinigungskraft.
Staatsanwaltschaft geht Verdacht seit Anfang Dezember nach
Staatsanwalt Philipp Kalbertodt
Der Staatsanwaltschaft wurde die Akte nach eigener Aussage Anfang Dezember übermittelt. "Zu diesem Zeitpunkt wurde hier auch erst der geäußerte Verdacht gegen den Beschuldigten bekannt", heißt es in einer Stellungnahme der Bielefelder Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen seien dann sofort fortgeführt worden.
Verdächtiger arbeitete als Reinigungskraft in der Klinik-Pathologie
Es handelt sich offenbar um einen 39-jährigen Mann aus Hiddenhausen im Kreis Herford, der bis Juni 2025 Hilfsarbeiten im Krankenhaus Bünde verrichtet hatte. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Pathologie zu reinigen.
Am Mittwoch (21.01.) suchten ihn Beamte zu Hause auf, nahmen mögliche Beweismittel mit und entnahmen ihm eine Speichelprobe. Zunächst saß der Mann aber nicht in Untersuchungshaft.
Klinikverbund hat Schlösser ausgetauscht
Die KKHB haben reagiert und die Pathologie besser gesichert. Unter anderem wurden die Schlösser ausgetauscht. Unklar ist, wie der Verdächtige die Räume Ende Dezember betreten konnte, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in der Klinik arbeitete. Vorstandssprecher Thomas Breidenbach sagte zu den Vorfällen:
"Den betroffenen Angehörigen gilt unser besonderes Mitgefühl. Wir bedauern die entstandene Verunsicherung ausdrücklich." Thomas Breidenbach, Vorstandssprecher der Kreiskliniken Herford-Bünde
Vermüllung vor dem Krankenhaus
Der ärztliche Direktor Dr. Tim Christopher Lendzian und Vorstandssprecher Thomas Breidenbach
Möglicherweise ist der Verdächtige noch für andere Taten verantwortlich. "Uns ist aufgefallen, dass es in den letzten Monaten mehrere Male Vermüllungen auf dem Krankenhausgelände gab", hatte Vorstandschef Thomas Breidenbach dem WDR vor Kurzem mitgeteilt. Da dieser Müll nicht "krankenhaustypisch" war, unter anderem fand man Windeln, schloss er einen Zusammenhang mit den Vorfällen in der Pathologie nicht aus. Am Klinikum selbst gibt es keine Kinderstation. Die Polizei untersucht auch diese Vorfälle.
Was bedeutet Totenruhe?
Eine Störung der Totenruhe ist strafbar nach §168 des Strafgesetzbuches. Demnach ist unter anderem das unbefugte Wegnehmen oder Beschädigen von Leichen oder deren Aufbahrungsstätten verboten. Es geht darum, die Würde der verstorbenen Menschen zu respektieren, auch über den Tod hinaus.
Unsere Quellen:
- Kreispolizei Herford
- Staatsanwaltschaft Bielefeld
- Thomas Breidenbach, Vorstandssprecher KKHB
- Stellungnahme der Kreiskliniken Herford-Bünde
- WDR-Reporter vor Ort
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Sendung: WDR.de, Noch mehr sexuelle Handlungen an Toten: Verdächtiger in U-Haft, 26.01.2026, 15:00 Uhr