Jürgen Steinhanses baute sich ein XXL-Wohnmobil
"Klick" - mit einer Handbewegung öffnet Jürgen Steinhanses das Fenster zu seinem Lieblingsort. Ein paar hölzerne Treppenstufen führen hinaus aus dem Innenraum seines Reisemobils auf das Dach. Der 56-Jährige klappt die Seitengitter hoch, zieht einen Campingstuhl aus der Dachluke. Fertig ist Steinhanses mobile Dachterrasse, Marke Eigenbau. In über drei Metern Höhe lässt er den Blick über die ostwestfälische Wald- und Wiesenlandschaft schweifen. "Das ist der totale Traum. Und ich hoffe, dass ich ihn noch ein paar Jahre leben darf", sagt Steinhanses.
So sieht der Camper nach über 2000 Stunden Arbeit aus
00:22 Min.. Verfügbar bis 15.06.2027.
Zehn Meter lang, 14 Tonnen schwer, circa 400 Pferdestärken. Das sind die Daten des außergewöhnlichen Straßenkreuzers. Mehrere Monate und viele schlaflose Nächte hat Steinhanses damit verbracht, den gebrauchten Reisebus der Marke Setra aus dem Jahr 2012 zu seinem Traum-Camper umzubauen.
"Kannste nicht kaufen, musste bauen"
Der gelernte Landmaschinenmechaniker ist ein geborener Tüftler. Schon als kleiner Junge baute er seine Spielzeuge auseinander, später Traktoren und Mähdrescher. "Das Umbauen an sich war für mich schon totale Lebensfreude. Manchmal wachst du nachts auf und weißt: So, genauso, muss es gemacht werden."
Für Jürgen Steinhanses bedeutete der Umbau pure Lebensfreude
00:31 Min.. Verfügbar bis 15.06.2027.
Das Ergebnis von Steinhanses Arbeit ist ein absolutes Unikat. Auf zwanzig Quadratmetern Wohnfläche hat er eine voll ausgestattete Küche in Holzoptik installiert, mitsamt Kühlschrank, Kaffeemaschine und Induktionskochfeld. Der Flachbildfernseher lässt sich bei Bedarf per Knopfdruck aus dem Wandregal herausfahren. "Das kannste so nicht kaufen. Das musste bauen", meint Steinhanses.
Im rückwärtigen Teil des Wohnmobil-Busses, hinter dem Badezimmer mit raumhoher Dusche und Keramik-WC, hat er für sich und seine Frau das Schlafzimmer mit Kingsize-Bett eingerichtet. Geschlafen wird auf der gleichen Matratze und dem gleichen Lattenrost wie zuhause, darauf hat der Bastler Wert gelegt: "Vom Liegekomfort her merke ich gar keinen Unterschied. Manchmal weiß ich morgens gar nicht mehr, wo ich eigentlich genau bin", sagt Steinhanses.
Undercover unterwegs
Mehrmals im Jahr tourt Steinhanses mit seiner Frau, dem Setra und einem LKW-Führerschein durch Deutschland und Westeuropa. Auf Campingplätzen steigen die beiden nur noch selten ab. "Da ist es uns zu voll", meint Steinhanses. Steinhanses XXL-Camper ist der Albtraum all jener, die gerne Dosenravioli vom Gaskocher essen oder bei denen der Fußmarsch zu mittelmäßig hygienischen Duschkabinen sentimentale Gefühle auslöst. Der 56-Jährige ist kein Camping-Purist. Und will es auch nicht sein. Viel häufiger zieht es die beiden auf Wohnwagen-Stellplätze am Straßenrand oder, wenn gar nichts mehr frei ist, auch auf die Busparkplätze italienischer Innenstädte.
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Undercover, versteht sich. Dass das nicht immer legal ist, lacht Steinhanses weg. "Wir sehen ja auch aus wie ein Bus und die Scheiben sind getönt. Das heißt, wir fallen gar nicht auf", meint er. Die Steinhanses sind mit ihrem Camper quasi völlig autark unterwegs. Möglich machen das die große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und der 500-Liter-Frischwassertank, untergebracht im umgebauten Gepäckraum des umgebauten Reisebusses. Wie viel der Bus mit all seinen Extras genau gekostet hat, will sein Erbauer übrigens nicht verraten. Aber: "Das Auto kostet jetzt nicht mehr als eins der anderen Wohnmobile, die sonst irgendwo rumfahren. Deswegen finde ich das nicht dekadent."
So sah der Camper vor seinem Umbau aus
Oben auf der Dachterrasse, in drei Metern Höhe, ist der Wind aufgezogen. Steinhanses klappt den Campingstuhl zusammen, verstaut alles im Inneren des Wohnwagens. In ein paar Minuten wird er den Camper auf dem heimischen Hof abstellen. Bis zur nächsten großen Fahrt. Ein Leben ohne den Camper-Koloss? Das will sich Steinhanses nicht mehr vorstellen: "Der ist unverkäuflich. Das ist mein Baby."
Über dieses Thema haben wir auch am 20.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.
