Hermannslauf: Bielefelder läuft für seine Mutter und sammelt Spenden

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 24.04.2028

Mit 9-Kilo-Weste Hermannslauf: Bielefelder läuft für seine Mutter und sammelt Spenden

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João Candeias liebt den Hermannslauf. Jetzt läuft er mit einer Gewichtsweste für den guten Zweck, aus persönlicher Betroffenheit.

Von Jan-Ole Niermann

Mit einem lauten "Ratsch" macht João Candeias den Klettverschluss seiner grünen Weste zu. Der 56-Jährige schnürt die weißen Laufschuhe zu, ein letztes Training. Der Bielefelder sammelt beim Hermannslauf Spenden in Gedenken an seine Mutter, so will er auf das Thema Schlaganfall aufmerksam machen. In seiner Brusttasche unter dem Schriftzug "All 4 Mum" trägt er zwei Fotos bei sich. Darauf sind sein Vater und seine Mutter zu sehen, Arm in Arm: "Ich hab sie gerne bei mir, meine Eltern sind das Wichtigste in meinem Leben", sagt er und lächelt, "ich denke oft an die beiden."

Der Hermannsläufer trainiert im Wald

João Candeias trainiert gerne im Teutoburger Wald.

João Candeias ist ein erfahrener Läufer. Schon 25 Mal hat er die 31,1 Kilometer von Detmold nach Bielefeld gemeistert: "Man hat wahrscheinlich eine ganze Woche Muskelkater, aber danach geht's einem wieder gut", sagt Candeias, "andere Leute können das nicht sagen, die sind erkrankt, darauf will ich hinweisen."

Der Schlaganfall seiner Mutter wurde zum Wendepunkt

Seit einigen Jahren läuft er für den guten Zweck mit Gewichtsweste, die neun Kilogramm wiegt. "Da muss man vor allem am Ende die Füße hoch kriegen", erzählt Candeias. Einmal sei er gestürzt, ungefähr drei Kilometer vor dem Ziel. Aber er sei wieder aufgestanden: "Meine Eltern sind meine großen Vorbilder, sie haben immer durchgezogen und sie haben sich nie beklagt."

"Jeder hat die Möglichkeit, etwas ins Leben zu rufen! Bei mir war das einfach die Geschichte meiner Mutter." João Candeias

Beide seien in den 1960ern aus Portugal nach Deutschland gekommen: "Gastarbeiterfamilie, fremde Sprache, keine Kontakte, Job suchen, alles aufbauen", mit knappen Worten fasst João Candeias das Leben seiner Eltern zusammen. Er selbst ist in Deutschland geboren: "Bielefeld, meine Heimat, Liebefeld!" Seine Eltern seien im Alter zurück in die Heimat gezogen, in die Nähe von Lissabon.

Spendensumme soll dieses Jahr 10.000 Euro erreichen

Als er seine Eltern 2014 besuchte, hatte seine Mutter einen Schlaganfall. Nachts habe sein Vater ihn geweckt: "Meine Mutter konnte sich nicht bewegen, konnte nicht sprechen, die Gesichtszüge waren einfach nicht da", sagt Candeias nachdenklich und gestikuliert vor seinem Gesicht, "für mich war das der erste Kontakt mit dem Schlaganfall, das hat mich sehr mitgenommen." 2018 verstirbt seine Mutter, nachdem sie mehrere Jahre in einem Pflegeheim gelebt hat.

Der Läufer guckt sich Fotos seiner Eltern an

Die Fotos seiner Eltern hat der Bielefelder immer in seiner Laufweste dabei.

Diese Erfahrung hat sein Leben verändert: "Da wurde ich einfach nochmal dankbarer", erzählt er, "ich mache seit Ewigkeiten Sport, das kann von einem Tag auf den anderen aber ganz anders laufen." Auch deshalb habe er die Spendenaktion ins Leben gerufen. Seit 2022 hat er so mehr als 8.000 Euro für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gesammelt. "Wenn ich beim Hermann laufe, dann für meine Eltern und für alle, die gerade leiden und sich nicht bewegen können."

Die Aufschrift "All 4 Mum" auf einer Gewichtsweste des Läufers

Das Motto "All 4 Mum" motiviert den Läufer.

João Candeias blickt auf die Sparrenburg, das Ziel des Hermannslaufs. Noch ist es leer hier auf der Promenade, aber am Tag des Volkslaufs kommen hier mehr als 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Mittlerweile werde er durch seine Weste und die Spendenaktion sogar extra angefeuert: "Leute klopfen mir auf die Schulter", sagt Candeias berührt, "viele Leute erkennen mich wieder, da kriegt man wirklich Gänsehaut."

Unsere Quellen:

  • Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Stiftung

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 23.04.2026, 19:30 Uhr

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