Zum bekannten Freiwilligendienst "FSJ“ könnte bald ein neuer Buchstabe und eine neue Abkürzung kommen: Das "H" wie Handwerk. Ab sofort können sich Interessierte bei der Handwerksammer OWL für ein "Freiwilliges Handwerksjahr" (FHJ) melden.
Damit wolle man vor allem Schulabgängerinnen und -abgänger ansprechen, erklärt Carl-Christian Goll, der Geschäftsführer für Berufsbildung: "Viele wissen am Ende ihrer Schullaufbahn nicht, was sie machen wollen, da setzt das Freiwillige Handwerksjahr an. Nach dem Motto: Probiert euch aus!"
Workshops liefern Hintergrundwissen
Während der Praktika bekommen die Freiwilligen 450 Euro Aufwandsentschädigung und werden durch verschiedene Seminare und Workshops gefördert. Die Handwerkskammer will so Azubis gewinnen, die schon einen längeren Einblick in den Beruf bekommen haben.
Dadurch könnte sich womöglich auch die Abbrecher-Quote reduzieren. "Wer Dachdecker werden will, sollte mal auf einem Dach gestanden haben", sagt Carl-Christian Goll.
Drei Monate pro Handwerksberuf
Die Freiwilligen können im Laufe des Jahres bis zu vier verschiedene Praktika machen und so ganz verschiedene Berufe kennenlernen. "Der Hauptreiz ist, dass man sich das Freiwillige Handwerksjahr so stricken kann, wie man das möchte", sagt Projektleiterin Annika Reimann, die Kontakt zwischen Betrieben und Freiwilligen herstellt: "Dann macht man vielleicht erstmal was mit Holz, danach geht’s in die Konditorei."
Das Pilotprojekt ist laut Handwerkskammer OWL das Erste dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Annika Reimann verweist darauf, dass man in Lübeck bereits gute Erfahrungen mit einem Freiwilligen Handwerksjahr gemacht habe.
Annika Reimann und Carl-Christian Goll wollen mit dem FHJ Lust aufs Handwerk machen
In Bielefeld wurde der Start des FHJs fast ein Jahr lang vorbereitet, gefördert wird das Projekt mit 250.000 Euro aus dem Bundesbildungsministerium.
Erste Betriebe und erste Freiwillige
Für das Freiwillige Handwerksjahr gibt es bereits erste Betriebe aus der Metall-, Holz- und Dachdecker-Branche, die Praktikantinnen und Praktikanten aufnehmen würden. Annika Reimann sieht sich dabei vor allem als Vermittlerin zwischen den Ausbildungsbetrieben und den Freiwilligen. "Wir wollen, dass Freiwillige sich ausprobieren können, wir setzen vor der klassischen Ausbildung an."
Unsere Quellen:
- Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld
- WDR-Reporter vor Ort