Eine Spielburg und Bauklötze, im Hintergrund unscharf mehrere Kinder in einer Kindergruppe

Bertelsmann-Studie: Weniger qualifiziertes Fachpersonal in den Kitas

Stand:

Immer weniger qualifiziertes Fachpersonal arbeitet in deutschen Kitas – das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung. Dabei gibt es landesweit starke Unterschiede.

Laut der neuen Bertelsmann-Studie sind die zehn Kreise oder kreisfreien Städte mit dem höchsten Anteil an Kitas mit hoher Fachkraft-Quote in den ostdeutschen Bundesländern. Dabei sind die mit dem niedrigsten Anteil in Bayern.

Höxter ist Spitzenreiter in NRW

In Nordrhein-Westfalen hat der Kreis Höxter den höchsten Anteil an Kitas mit gut ausgebildeten Fachkräften: In 62 Prozent der Kitas haben mindestens 82,5 Prozent der Mitarbeiter einen Fachschulabschluss. In Mönchengladbach liegt diese Quote bei nur 9 Prozent.

Warum es diese Unterschiede gibt, ist nicht bekannt. Es könne sein, dass Träger versuchen Kosten zu minimieren. Auch die Ausbildungsstätten könnten Auswirkungen haben. "Es kann aber auch sein, dass die Fluktuation in Höxter nicht so stark ist", meint Anette Stein, Expertin für frühkindliche Bildung.

Weniger qualifizierte Aushilfen aus anderen Berufsgruppen

Grund für die insgesamt sinkenden Fachkraft-Quoten sei, dass immer mehr Personen mit geringer oder fachfremder Qualifikation in den Kitas eingesetzt werden, zum Beispiel Geburtshelferinnen und Krankengymnasten. Aufgrund des Kostendrucks im System würden mehr Mitarbeitende mit niedrigerer Qualifikation eingestellt, da sie die Träger weniger kosten.

"Neue Berufsgruppen für die Kitas zu gewinnen, ist grundsätzlich gut. Aber darunter darf die Professionalität nicht leiden. Um das Aufwachsen, Lernen und die Entwicklung der Kinder individuell zu fördern, braucht es die nötige pädagogische Qualifikation." Anette Stein, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung

Als qualifizierte pädagogisch tätige Personen gelten zum Beispiel Erzieher und Erzieherinnen, Sozialpädagogen oder Heilerziehungspfleger.

Negativer Einfluss auf die Entwicklung der Kinder

Der Zusammenhang zwischen Fachkraft-Quote und Kita-Qualität ist laut der Bertelsmann Stiftung wissenschaftlich belegt. Verschiedene internationale Studien würden belegen, dass die pädagogische Qualität Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben könne – egal ob sprachlich, motorisch oder sozio-emotional.

Entlastung der Kommunen durch Bund-Länder-Finanzierung

In zehn Bundesländern sind laut Studie der Anteil an Kitas, in denen viele qualifizierte Fachkräfte arbeiten, im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern.

"Wenn wir gute Kitas für alle Kinder wollen, müssen Bund und Länder konsequent in die Qualität investieren und die professionellen Standards erhalten." Anette Stein, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung

Wichtig wäre eine verlässliche Mitfinanzierung von Bund und Ländern. "Außerdem braucht es Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen und gemeinsame Personalstandards", meint Anette Stein.

Bertelsmann-Studie: Weniger qualifiziertes Fachpersonal in den Kitas

WDR Studios NRW 30.09.2025 00:40 Min. Verfügbar bis 30.09.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Bertelsmann Stiftung
  • Gespräch mit Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung

Weitere Beiträge aus Ostwestfalen-Lippe

1 / 2