Angst am Löhner Bahnhof: Frauen zeigen, wo es im Dunkeln kritisch wird

03:20 Min. Verfügbar bis 05.02.2028

Gegen Angst am Bahnhof: Frauen zeigen, wo es im Dunkeln kritisch wird

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Es gibt sie in jeder Stadt: Orte an denen sich vor allem Frauen im Dunkeln unsicher fühlen. Beim Nightwalk rund um den Löhner Bahnhof konnten Frauen zeigen, was ihnen dort Angst macht und was dagegen helfen könnte.

Von Lisa Block

Es ist früher Abend am Löhner Bahnhof. Langsam wird es dunkel. Andrea Heimbruch muss heute keinen Zug erwischen, sie nimmt teil am sogenannten Nightwalk, einem Spaziergang im Dunkeln.

Etwa ein Dutzend weitere Frauen versammeln sich um die Mitarbeiterinnen der Stadt. "Wir wollen, dass die Frauen sich hier auch sicher fühlen und dass sie selbstbewusst die Stadt nutzen können", erzählt die Gleichstellungsbeauftragte Marie Fischer, die den Nightwalk organisiert hat.

"Wenn ich nachts alleine mit dem Zug nach Hause komme, finde ich das sehr unheimlich." Andrea Heimbruch, Teilnehmerin des Löhner Nightwalks
Teilnehmerin beim Nightwalk Löhne

Andrea Heimbruch nimmt am Löhner Nightwalk teil.

Gemeinsam gehen sie in die Bahnhofshalle, von der ein langer Tunnel zu den Gleisen führt. Der Bahnhof sei städteunabhängig ein typischer Angstort, sagt Fischer. „Man hat weite Räume, man kann nicht alles einsehen, wartet häufig alleine am Bahnsteig auf seinen Zug und ist dieser Situation ausgeliefert.“

Gefühlte Angst

"Dass hinter jeder Ecke irgendeiner lauert, das ist ja nicht da, dass ist ein subjektives Gefühl", sagt Petra Tödtmann, eine weitere Teilnehmerin. Auch für die Polizei sei die Angst am Bahnhof eher eine gefühlte und keine realistische.

"Im Dunkeln am Löhner Bahnhof ist es genauso sicher wie am Tag in der Fußgängerzone." Uwe Maser, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Herford

Die meisten Delikte am Angstort Löhner Bahnhof seien eher Fahrraddiebstähle, betont Maser. Die Kriminalitätsstatistik zeigt: Straftaten im Kreis Herford sind zwar kürzlich erst gestiegen, haben das Vor-Corona-Niveau aber wieder erreicht.

2024 gab es 12.829 bekannt gewordenen Straftaten, zehn Jahre zuvor waren es noch 13.152. Dazu zählen auch die Diebstähle. Für 2025 zeige der Trend sogar einen Rückgang, so Maser. Er verstehe aber die gefühlte Angst und finde es gut, dass die Stadt dagegen etwas unternehme.

Bahnhofsumbau soll Angst nehmen

Bürgermeister zeigt neues Bahnhofskonzept

Bürgermeister Christian Antl zeigt Teilnehmerinnen des Nightwalks das neue Bahhofskonzept.

Der Löhner Bahnhof wird jetzt umgebaut. In der Bahnhofshalle soll ein zugänglicher, belebter Ort entstehen, mit Bibliothek und Veranstaltungen, erklärt Bürgermeister Christian Antl den Teilnehmerinnnen. Das solle den Angstraum minimieren. Spatenstich dafür ist am 20. Februar.

Draußen - am hinteren Eingang des Bahnhofs - wünschen sich die Frauen noch mehr Einsehbarkeit der Wege oder auch Überwachungskameras. Bürgermeister Christian Antl nimmt die Wünsche mit auf, allerdings mit dem Einwand: "Den öffentlichen Raum zu überwachen, ist immer eine sehr hohe Hürde."

Angsträume melden

Löhner Nightwalk rund um den Bahnhof

Frauen beim Löhner Nightwalk interessieren sich für mehr Sicherheit am Bahnhof.

Angsträume kann man in Löhne im Mängelmelder eintragen. In Minden gab es 2024 dafür eine extra Angstraumkarte. Die 68 dort gemeldeten Angstorte kann man auf der Seite der Stadt Minden sehen. Darunter die Glacisbrücke oder die Königstraße in der Oberen Altstadt. Orte, an denen es aus Naturschutzgründen wenig Beleuchtung gibt oder eher männliche Menschengruppen auffallen.

Da gehe es nicht, einfach eine Straßenlaterne aufzustellen, sagt Silke Williams von der Gleichstellungsstelle der Stadt Minden. Sie sei in Gesprächen mit den zuständigen Stellen wie der Polizei, um nach Lösungen zu suchen.

Der Nightwalk ist speziell für Frauen, obwohl natürlich auch Männer am Bahnhof Angst haben könnten, erklärt Fischer. Für die Gleichstellungsbeauftragte müssten aber nicht nur die Frauen selbstbewusster werden, sondern auch Männer mehr Verantwortung übernehmen und ihr Verhalten überdenken: "Stelle ich mich jetzt besonders nah neben eine Person, gerade am Bahnsteig oder lasse ich ihr den Raum?"

Zum Schluss bekommen die Frauen noch den Hinweis vom Ordnungsamt, immer die 110 anzurufen, sollten sie etwas Bedrohliches wahrnehmen. Marie Fischer weist dann noch auf das Angebot des Heimwegtelefons hin.

Angstorte in Löhne und Minden sichtbar machen

WDR Studios NRW 04.02.2026 00:45 Min. Verfügbar bis 04.02.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Kreispolizeibehörde Herford
  • Gleichstellungsstelle Minden und Herford

Sendung: WDR.de Angst am Löhner Bahnhof: Frauen zeigen, wo es im Dunkeln kritisch wird 05.02.2026, 19.20 Uhr
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 04.02.2026, 09.31 Uhr

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