Ein Mann steht in einem weiß-pinken Eiswagen und hält Eis in der Hand

Mehr als nur eine Kugel Eis: Donato Grellas Eiswagen aus Duisburg

Heimatliebe

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Seit 50 Jahren verkauft Donato Grella aus Duisburg Eis in seinem Eiswagen. Seine Arbeitstage haben gut und gerne 16 Stunden. Warum der 73-Jährige trotzdem noch lange nicht daran denkt, aufzuhören.

Von Luisa Woch

10 Uhr morgens in Donato Grellas Eisküche. Die Eisproduktion ist längst in vollem Gange: Die Eismaschinen rauschen im Hintergrund, der Duft von Vanille liegt in der Luft, die ersten Eiskübel sind fertig befüllt. Und inmitten des organisierten Chaos steht er: Donato Grella. Mit Haarnetz und Schürze bekleidet erklärt der 73-Jährige seinen drei Aushilfen, was zu tun ist. "Aufmachen!", ruft er Alya zu, die neben der Tiefkühltruhe steht. Mit flinken Bewegungen füllt Grella die erste Ladung frisch gemachtes Nougat-Eis in den Eisbehälter. Was er der 17-jährigen Schülerin heute erklärt, gehört für ihn schon lange zum Alltag. Denn seit 50 Jahren verkauft er sein Eis.

Duisburg: 50 Jahre im Eiswagen

20 Sorten stellt Grella her. Ausgefallenere Sorten wie zuletzt das Dubai-Schokolade-Eis sucht man allerdings vergeblich. Auf der Karte finden sich eher Klassiker wie Schokolade oder Vanille. Die verkaufen sich bei ihm am besten. Grella weiß eben, was seine Kunden wollen und was nicht.

Donato Grella liebt den Kundenkontakt

00:20 Min. Verfügbar bis 28.06.2027

Grella lernte bereits als Jugendlicher in seinem Heimatdorf in Italien, wie man Eis herstellt. Mit 17 kam er dann nach Deutschland, erst nach Heidelberg, später nach Duisburg. Dort arbeitete er zunächst in einer Fabrik und sparte nebenbei, um sich seinen Traum zu erfüllen: sich mit einem Eisverkauf selbstständig machen. 1975 war es dann so weit.

Die Anfänge der italienischen Eiskunst

Italienisches Speiseeis ist in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Die Eismacher kamen damals meist aus den Dolomiten und machten sich im Frühjahr auf den Weg in den Norden, um dort zu arbeiten. Sie zogen mit fahrbaren Karren durch die Straßen und verkauften Eis. Im Winter kehrten sie in ihre Heimatdörfer zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1950er- und 1960er-Jahren, wurden italienische Eisdielen in Deutschland richtig populär. Sie passten perfekt in die Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Auch stillten sie den wachsenden Reisehunger und die Italiensehnsucht der Deutschen.

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Doch seit einigen Jahren gibt es immer weniger Eisdielen in Deutschland. Zählte das Statische Bundesamt 2005 noch rund 6.870 Eisdielen, waren es 2017 nur noch 5.470. Aktuelle Statistiken gehen von rund 4.000 Lokalen aus. Für Grella fing alles mit seinem "Eis-Moped" an. Baujahr: 1970. Ausgestattet mit Schirm und Glocke fuhr er damals damit durch Duisburg. 20 Pfenning kostete eine Kugel Eis.

Dank seiner Glocke konnte man Donato Grella schon aus weiter Entfernung hören

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Zuverlässig war das Moped allerdings nicht immer. Mal sprang es nicht an, mal riss die Kette - dann hieß es Schieben statt Fahren. "Man war danach wirklich kaputt. Ehrlich. Die Zunge bis hier. Aber das hat Spaß gemacht hat", sagt Grella mit einem Hauch Nostalgie in der Stimme.

Bei Kunden kommt herzliche und lustige Art gut an

Seit Anfang der 1980er-Jahre findet man Grella mit seinem Eiswagen an seinem Stammplatz in Duisburg-Baerl, direkt am Rhein. Von März bis Oktober, jeden Tag, solange das Wetter es zulässt. Viele von Grellas Kunden sind mit ihm großgeworden, einige kommen schon seit vielen Jahren. So auch Monika Ehrlich und Hans-Gerd Glücks aus Scherpenberg. Die beiden sind mit den Fahrrädern am Rhein unterwegs - ein Zwischenstopp am Eiswagen darf da nicht fehlen. "Dieser Mensch ist einfach immer gut gelaunt, was einfach Wahnsinn ist", erklärt Ehrlich begeistert.

Donato Grella vor einer seiner Eismaschinen

Donato Grella packt immer noch selbst mit an

Auch die 14-jährige Marie Kornwebel kennt Grella und seinen Eiswagen schon lange: Ob mit ihrer Oma oder mit ihrer Freundin auf den Pferden - ein Besuch bei Grellas Eiswagen gehört immer dazu. "Es ist Tradition und es ist halt einfach ein Muss", ergänzt Mutter Heydorn.

Im Laufe des Nachmittags bilden sich immer wieder längere Schlangen vor Grellas Eiswagen. "Mit Sahne?" ertönt es dabei fast durchgehend aus dem Wagen. "Donato, du weißt doch, du wirst deine Sahne bei uns nicht los", antwortet ein Kunde lachend.

Langeweile? Fehlanzeige!

Die schönsten Erinnerungen für Grella? "Dass die Leute immer gerne zu mir kommen. Sie kommen mit einem Lächeln und gehen mit einem Lächeln zurück", erzählt er, selbst mit einem Lächeln auf den Lippen. Er könnte sich keinen anderen Beruf vorstellen: "Das ist mein einziger Beruf. Das würde ich auch wieder machen."

Kennt Donato Grella nach 50 Jahren das Gefühl von Langeweile?

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Und sollte es für den 73-Jährigen doch irgendwann mal Zeit sein, aufzuhören, will er ein Buch schreiben: Über all die Dinge, die er in 50 Jahren mit seinem Eiswagen erlebt hat.

Über dieses Thema haben wir auch am 13.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Duisburg, 19.30 Uhr.