Missbrauchsstudie bei der katholische Pfadfinderschaft Sankt Georg | WDR aktuell
02:43 Min.. Verfügbar bis 05.02.2028.
Studie zeigt sexualisierte Gewalt bei katholischen Pfadfindern
Stand:
Im größten deutschen Pfadfinderverband mit Sitz in Mönchengladbach hat es offenbar jahrelang sexualisierte Gewalt gegeben.
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Jetzt mitdiskutierenDas Fundament der Pfadfinderschaft sei beschädigt, das Problem sexualisierter Gewalt reiche tief in die Strukturen hinein. Mit diesen Worten beschreiben Forscher der Unis in Marburg und Gießen die Ergebnisse ihrer Arbeit.
Mehr als zwei Jahre hatten sie Übergriffe bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) untersucht. Die Studie wurde von der DPSG selbst in Auftrag gegeben. Der Fokus lag auf sexualisierter und spiritueller Gewalt seit dem Gründungsjahr 1929.
Forscher befragten Opfer
Konkret hat zum Beispiel jede beziehungsweise jeder fünfte von knapp 400 befragten Pfadfinderinnen und Pfadfindern schon mal körperliche sexualisierte Gewalt erlebt. Viele berichten davon, gegen ihren Willen begrapscht worden zu sein. Verbale Übergriffe kommen noch häufiger vor.
Die Forscher führten auch Interviews mit Betroffenen. Eine Person berichtete zum Beispiel, dass sie immer wieder dazu gedrängt wurde, intime Fotos von sich zu schicken. Der Hebel dafür sei emotionaler Druck gewesen: "Also es war auch immer auf dieser Schiene: Mir geht es gerade schlecht. Weißt du, was mir helfen würde? Ein Bild von deiner Vulva."
Vergewaltigungen und Übergriffe
Erzwungener Geschlechtsverkehr kam laut der Studie zwar selten vor, aber es soll krasse Einzelfälle gegeben haben. So wird im Untersuchungsbericht ein Fall beschrieben, bei dem ein Kind während eines Pfadfindercamps von zwei Jugendlichen vergewaltigt wurde. In den Interviews berichtet außerdem ein heute Erwachsener davon, dass er als Kind von einem leitenden Erwachsenen sexualisierte Gewalt erfahren hat.
Lina hat als Pfadfinderin sexualisierte Gewalt erlebt
Bei der Veröffentlichung der Studie schilderte die betroffene Lina aus dem Münsterland ihr Erlebtes. Sie habe mit 19 Jahren einen sexualisierten Übergriff durch einen deutlich älteren Pfadfinderleiter erlebt, unter Alkohol und im Beisein von weiteren Mitgliedern.
Pfadfindervorstand spricht von Versagen
Besonders gefährdet sind die Pfadfinder laut der Studie auf gemeinsamen Fahrten und Lagern. Täter seien überwiegend männliche Leiter, die ihre Vertrauensposition ausnutzen. Den Boden für Gewalt bereiten laut der Studie "eine unkritische Erhöhung der Gemeinschaft und spirituelle Manipulation". Alkohol spiele dabei oft eine Rolle.
Die Sankt Georg-Pfadfinderschaft selbst spricht von Versagen und einem unermesslichen Leid. Man werde die Strukturen ändern, um ein sicherer Ort zu werden. Betroffene sollen Übergriffe zum Beispiel leichter und niedrigschwelliger melden können.
Der Bundesvorstand der DPSG
"Rituale und Traditionen können Halt geben", sagt der Maximilian Strozyik vom Vorstand der DPSG: "Aber sie können auch tief verletzen." Genau da müsse man ansetzen und gewaltbegünstigende Strukturen beseitigen.
Immer mehr Pfadfinder untersuchen Gewalt
Die katholische DPSG mit Sitz in Mönchengladbach ist mit mehr als 83.000 Mitgliedern nach eigenen Angaben der größte Pfadfinderverband Deutschlands. Sie ist nicht die erste Pfadfinderschaft, die Gewaltvorfälle untersucht hat.
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie bei dem evangelisch geprägten Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind dort zum Beispiel seit 1973 mindestens 344 Menschen Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Auch beim Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder hat es laut einer Untersuchung viele Fälle gegeben.
Unsere Quellen:
- Pfadfinderschaft DPSG
- Presseagentur epd
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Katholische Pfadfinder aus Mönchengladbach stellen Gewaltstudie vor, 05.02.2026, 05:58 Uhr
Sendung: WDR.de, Prozess um schwere Silvester-Gewalt in Dorsten beginnt, 05.02.2026, 13.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 05.02.2026, 12.45 Uhr

17 Kommentare
Kommentar 17: Franziska 1 schreibt am 06.02.2026, 20:21 Uhr :
Immer wieder liest man, dass erst nach Jahren erwachsene Frauen den Mut aufbringen über erlebte sexuelle Übergriffe zu reden. Der Jugend, dem Kind müsste über dieses Thema im Laufe der Erziehung mit aufklärende Gespräche beigebracht werden es sofort zu sagen, wenn ihnen Gewalt angetan wurde. Anscheinend fühlen sich in der heutigen Zeit manche Eltern auch nicht geeignet dafür. Auch auf die Wirkung von Alkohol hinweisen in einer Gruppe, was sie willenlos machen kann. Beim sofort sagen, kann der Albtraum von Übergriffe besser bewältigt werden und es kann Anzeige gemacht werden. Linda sprach erst nach sieben Jahren, siehe anderen WDR Artikel. Wer kann da noch die Wahrheit vom Übergriff für sie alleine verurteilen, wenn sie im Fluss jetzt mit andere mit schwimmen muss bei der Allgemeinverurteilung ohne Strafe für die nicht angezeigten Täter vor Jahren? Sie hat 7 Jahre lang den Albtraum, statt eine Soforthilfe. Linda, alles Gute!
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.02.2026, 22:18 Uhr :
Sorry, ich meine Lina 🍀 nicht Linda!
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.02.2026, 22:18 Uhr :
Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)
Kommentar 16: Paul S. schreibt am 06.02.2026, 17:01 Uhr :
Grundordnung des kirchlichen Dienstes! Unter Artikel 4 b) Seite 3 steht: 2Die Prävention gegen sexualisierte Gewalt ist integraler Bestandteil der kirchlichen Arbeit. Zitat. In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext seit mehr als 15 Jahren im Gange. Jetzt wird über sexualisierte Gewalt bei katholischen Pfadfindern geredet? Wie lange denn noch? Wo bleibt der versprochene Schutz der Grundordnung von der Kirche?
Kommentar 15: Franziska schreibt am 06.02.2026, 13:53 Uhr :
Quelle „Kirche und Leben“ online: „Die Kirche braucht ein Fegefeuer, es sei ein Ort der "zuversichtlichen Halbverzweiflung, bei der ev. und kath. Kirche. Der Skandal sexualisierter Gewalt sei die größte Krise der Kirche, weil sie sich den systemischen Ursachen nicht entschlossen genug stelle. Es reiche nicht, darauf zu verweisen, dass 90 Prozent der Missbrauchsfälle außerhalb der Kirche geschehen. Stattdessen müsse die Kirche sich fragen, wie ihre Strukturen Missbrauch begünstigten - etwa durch die Verdrängung menschlicher Intimität und ein Machtgefüge, das Reife und Nähe verhindere: Das lässt sich nicht mit Beten ändern; das verlangt Änderungen im System Kirche." Die Kirche müsse sich selbst ins Gericht nehmen, ihre Schuld anerkennen und versuchen, sich daraus zu befreien“: Zitate/ Aussage von Heribert Prantl (Katholik, Journalist und Autor. Ich stimme Herr Prantl voll zu. Interne Selbstreinigung auch bei Kirchen und striktes kontrolliertes Alkoholverbot bei Pfadfinder- Gruppen.
Kommentar 14: Brigitta S. schreibt am 06.02.2026, 11:54 Uhr :
Es gibt wenige Pfadfinder/innen die einen Lohn für ihre Arbeit bekommen, die meisten Pfadfinder sind Ehrenamtliche, sie haben keine pädagogische Ausbildung, sie kommen aus allen verschiedenen Berufsrichtungen. Ich habe verschiedene Studien gelesen, es gibt davon zwei Prototypen“. Es gibt ältere, erwachsene Pfadfinder und junge Erwachsene, die die Stellung als Leitungsfigur in der Gruppe ausnutzen um Jüngere sexuell benutzen. Übergriffe habe es bei Spielen und Ritualen“ gegeben, sogar da wo Kinder und Jugendliche nach Hause gefahren worden sind. Die außenstehende Welt hat lange geschwiegen und weggesehen“. Vorfälle in der Gruppe wurden behandelt, wie aus den Augen, aus dem Sinn! Man spricht nun seit ein paar Jahren darüber, klagt an und was ändert sich beim Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Camp? Anmerkung: Meine Mutter hatte nicht ohne Grund mir den Zugang zu den Pfadfindern verboten. Als Kind hatte ich es nie verstanden.
Kommentar 13: Stefan 56 Jahre schreibt am 06.02.2026, 08:09 Uhr :
Ich war in den 80er Jahren selber Pfadpfinder. Ich habe selber nur schöne Erlebnis. Ich war 10 bis 14 Jahre alt. Im Beri ht steht seit 1972 gab es mindestens 344 Fälle von sexualidierter Gewalt. Wieviele Jugendliche waren seid dem bei den Pfadpfindern? Meiner Meinung nach handelt es sich um Einzelfälle. Natürlich ist jeder Fall ein Fall zu viel. Es ist auch richtig, eine Nulltoleranz Politik zu machen und entsprechend zu schulen und zu sensibilisieren. Aber wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die DPSG sollte als ganzes erhalten werden.
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.02.2026, 14:13 Uhr :
@Stefan ... Einzelfälle??? Die Pfadfinderbewegung hat seit ihrer Gründung im Jahr 1907 weltweit etwa 300 Millionen Mitglieder gehabt. In Deutschland gibt es ca. 260.000 Pfadfinder in verschiedenen Verbänden. Da ist jede einzelne sexuelle Art- Gewalt an Pfadfinder- Kinder/Jugendliche zu viel. Wenn Sie selber schöne Erlebnisse hatten, "gratuliere" es bedarf keine Debatte hier und keinen Schutz nachträglich.
Antwort von Susanne , geschrieben am 06.02.2026, 14:24 Uhr :
Wenn es dich interessiert, guck dir gerne mal das Video zur Pressekonferenz an. Ist öffentlich gemacht worden. In der ersten halben Stunde werden da die Ergebnisse präsentiert. Besonders erschreckend ist die Erklärung des Forschungsteams, dass Ihnen viele (sehr viele!) Archive verschlossen blieben und auch viele Türen heute verschlossen blieben. Bei Einzelfällen in der Vergangenheit wäre das nicht der Fall. Wer nichts zu verstecken hat, der versteckt nichts. Und die Zahlen zeigen, daß von den Befragten jeder fünfte!! angegeben hat, sexualisierter Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. Rechne das mal hoch! Es wurden ja nur ein paar hundert überhaupt gefragt!
Antwort von Stefan 56 Jahre , geschrieben am 07.02.2026, 08:32 Uhr :
@Franziska 1: Ich habe niemanden in Schutz genommen. Ich bin lediglich nicht dafür, gleich die ganze Organisation abzuschaffen.
Kommentar 12: Konrad (73) schreibt am 05.02.2026, 22:02 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 11: Anonym schreibt am 05.02.2026, 19:14 Uhr :
Bitte die Originalstudie zum Weiterlesen verlinken. Die Studie, Zusammenfassung und vollständige Pressekonferenz findet man hier https://dpsg.de/de/die-ergebnisse-der-aufarbeitungsstudie
Kommentar 10: "Wehren" schreibt am 05.02.2026, 17:18 Uhr :
Sexualisierte Gewalt ist kein Randphänomen, findet oft da statt,wo Betroffene sich sicher fühlen oder abhängig sind.Jede Tat ist eine zuviel,jeder Betroffene sollte sich umgehend an eine Vertrauensperson wenden, schweigen hilft nur den Tätern.Das kann schon in Kitas und Schulen den Kindern erklärt werden,damit sie die Courage entwickeln, Stopp zu sagen und den Täter Grenzen zu setzen. Denn eins ist klar:" Die Schuld liegt niemals beim Opfer, egal wo, oder wie es passiert ist. Dazu gehört aber auch das Hinschauen der Mitmenschen, das kann auch zum Verhindern oder Aufklären mit beitragen, das solche Straftaten nicht passieren können.
Kommentar 9: Rainer schreibt am 05.02.2026, 15:48 Uhr :
Und wieder hat der WDR sein Lieblingsthema, die katholische Kirche. Wann kommt mal ein Bericht über andere Religionen und deren Verfehlungen. Traut sich der WDR nicht ??
Antwort von Ede , geschrieben am 05.02.2026, 17:06 Uhr :
Was soll denn dieser Ablenkungsversuch? Erstens geht es hier um den größten Pfadfinderbund Deutschlands. Mit über 1000 Ortsgruppen. Allein das hat schon Relevanz. Und dann geht das Ganze vom Pfadfinderbund aus, der die Studie hat machen lassen. Und jetzt diese präsentiert hat. Das hat alles hohe Relevanz und wird dementsprechend auch beim WDR behandelt. Das nicht zu tun, wäre fatal, denn dann melden sich auch nicht weitere Betroffene. Ganz zu schweigen, dass das Christentum die größte Religion in Deutschland ist und man dementsprechend mehr mit ihr zu tun hat. Aber hier gehts auch nur nebensächlicherweise um die Religion sondern einfach um sexuellen Missbrauch, Gewalt und mehr in einem Pfadfinderbund.
Antwort von Parmenides3000 , geschrieben am 05.02.2026, 17:06 Uhr :
Sicherlich ist Vielfalt der Darstellung wichtig, aber Verfehlungen blieben Verfehlungen und sollten nicht durch den Verweis auf andere relativiert werden. Die katholische Kirche und ihr Umfeld werden zurecht hinsichtlich ihrer moralischen Integrität und rechtlichen Verantwortung beobachtet und bewertet. Wer über Glaubensfragen hinaus auch vehement moralische Werte vertritt und (!) einfordert, wird zurecht in besonderer Weise beobachtet und (nicht nur) an den eigenen Maßstäben gemessen.
Antwort von Dieter , geschrieben am 05.02.2026, 18:03 Uhr :
Ach so, der Überbringer der Botschaft ist der Übeltäter, oder was wollen sie mit ihrer Aussage mitteilen? Sind sie der Meinung, die katholische Kirche ist das Opfer? Der Bericht des WDR ist doch nicht Ergebnis eigener Recherche, sondern die Wiedergabe dessen, was die Studie zu Tage gefördert hat im Auftrag der DPSG.
Antwort von neutral , geschrieben am 05.02.2026, 19:45 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)
Kommentar 8: Gast schreibt am 05.02.2026, 15:32 Uhr :
Im Artikel selbst wird mit keiner Silbe erwähnt, dass die DPSG das Thema selbst aufgebracht und kommuniziert hat. Selbes gilt für die bündischen Kollegen. Ich wusste nicht, dass der WDR vom Springer Verlag ist. Ich weiß, dass das den Umstand der Ereignisse nicht besser macht, aber die Umstände der Aufarbeitung werden nicht kommuniziert. Etwas weniger reißerisch und neutraler...wie es sich für eine objektive Berichterstattung gehört...hätte es in dem Artikel seien dürfen.
Antwort von WDR.de , geschrieben am 05.02.2026, 19:14 Uhr :
Vielen Dank für den berechtigten Hinweis! Wir haben die Information im 2. Absatz ergänzt. Viele Grüße!
Kommentar 7: Bernd schreibt am 05.02.2026, 15:07 Uhr :
Wann wird mal über sexuelle Unterdrückung berichtet. Und was ist bitte "Sexualisierte Gewalt"? Gewalt ist Gewalt. Wir leben in einer geld- und sexfeindlichen Gesellschaft.
Antwort von Harald B. , geschrieben am 05.02.2026, 16:29 Uhr :
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Antwort von Parmenides3000 , geschrieben am 05.02.2026, 17:17 Uhr :
Zwischen Gewalt und sexualisierter Gewalt ist selbstverständlich zu unterscheiden, schon allein deswegen, weil Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung rechtlich von Körperverletzung im StGB unterschieden werden und sich auch die Folgen (damit einhergehend Traumabewältigung) unterscheiden. Der Hinweis, dass wir in einer "geld- und sexfeindlichen Gesellschaft" leben, ist im vorliegenden Kontext absolut unangemessen, zumindest sehr missverständlich, wenn (!) damit gemeint sein sollte, dass eine "sexfreundliche" Gesellschaft kein Problem mit sexueller Gewalt haben sollte. Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und Minderjährigen gehört auch nicht in eine "sexfreundliche" Gesellschaft.
Antwort von R.S. , geschrieben am 06.02.2026, 22:43 Uhr :
Immer, wenn man denkt „Schlimmer geht nimmer“, wird man eines Besseren belehrt.