Ein Wolf (Canis Lupus Lupus) steht in einem Gehege in einem Wildpark

Rätselraten um Gloria: Keine Spur von Wölfin im Wolfsgebiet Schermbeck

Stand:

Von Wölfin Gloria fehlt im Wolfsgebiet Schermbeck bei Dorsten weiterhin jede Spur. Naturschützer befürchten das Schlimmste.

Von Petra Brönstrup

Rainer K. (Name von der Redaktion geändert) ist oft im Hünxer Wald unterwegs, auf der Suche nach Spuren von Wölfin Gloria. Das Tier war 2018 hier erstmals aufgetaucht und sesshaft geworden. Zum Ärger von Jägern und Nutztierhaltern. Die haben seitdem einige Tiere an Gloria und ihr Rudel verloren. Der Kreis Wesel sah in Gloria eine Problem-Wölfin, er wollte sie deshalb abschießen lassen. Doch Gerichte untersagten das.

Wurde Gloria illegal abgeschossen?

Wolfskot liegt auf Asphalt, jemand hält einen Zollstock daneben.

Hinterlassenschaften eines Wolfes

Doch seit November 2024 ist es um Gloria still geworden. Es gab keine Schafsrisse mehr und auch keine anderen Spuren wie etwa Kothaufen auf Waldwegen und Straßen im Territorium von Gloria und ihrem Rudel. Nichts. Gloria ist wie vom Erdboden verschluckt. Rainer K. geht davon aus, dass die Wölfin illegal abgeschossen und ihr Kadaver verscharrt oder auf andere Weise entsorgt wurde. Dafür gebe es einige Indizien.

Der Mann mag Wölfe, freut sich über deren Rückkehr auch nach Nordrhein-Westfalen. Doch das kommt in der Gegend rund um Schermbeck nicht bei jedem gut an. "Es gibt Leute, die wollten den Wolf von Anfang an tot sehen", erzählt Martin Frenk vom Naturschutzbund (NABU) im Kreis Borken. "Und alle, die sich für den Schutz von Wölfen einsetzen, werden beschimpft. Manche fühlen sich sogar bedroht", sagt Frenk. Das ist auch der Grund, warum Rainer K. anonym bleiben will. Er hat auf Ärger keine Lust mehr.

Keine Meldung von Jägern und Spaziergängern

Wolfskot liegt auf Asphalt.

Nahaufnahme vom Wolfskot

Das Verschwinden von Wölfin Gloria beschäftigt auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) NRW. Das ist für die Wölfe in Nordrhein-Westfalen zuständig. Hier werden alle Hinweise gesammelt. Allerdings hat die Behörde keine Mitarbeiter, die sich auf die Suche nach Wölfen machen.

Das könne man sich finanziell nicht leisten. "Das sogenannte Monitoring in Nordrhein-Westfalen basiert darauf, dass zum Beispiel Jäger oder Spaziergänger dem Landesamt Meldung machen, wenn sie etwas beobachten", erklärt LANUK-Sprecher Wilhelm Deitermann.

Doch seit November 2024 ist beim LANUK keine Meldung mehr zu Wölfin Gloria eingegangen. Dass Gloria illegal abgeschossen worden sein könnte, sei möglich wie vieles andere auch, sagt der Sprecher. "Vielleicht war sie aber auch krank und liegt jetzt tot unter einem Busch. Wir wissen es einfach nicht."

Solange es keinen Kadaver gibt, ist alles nur Spekulation. Es fehlen die Beweise. Wilhelm Deitermann,
LANUK NRW

Deutschlandweit 13 illegal getötete Wölfe

Wölfe sind im Moment immer noch streng geschützt. Wer sie dennoch ohne Ausnahmegenehmigung abschießt, macht sich strafbar. Und doch es gibt diese illegalen Abschüsse.

So heißt es im Statusbericht 2023/24 der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), dass von den 193 Wölfen, die in den zwölf Monaten zwischen Mai 2023 und April 2024 in Deutschland tot aufgefunden wurden, 13 nachweislich illegal getötet wurden. Die Mehrzahl der toten Wölfe starb bei Verkehrsunfällen.

Rätselraten um Gloria: Keine Spur von Wölfin im Wolfsgebiet Schermbeck

WDR Studios NRW 30.06.2025 00:46 Min. Verfügbar bis 30.06.2027 WDR Online

Neue Wölfe werden erwartet

LANUK-Sprecher Deitermann ist sich aber sicher, dass neue Wölfe in das Wolfsgebiet Schermbeck kommen werden. Das sei nur eine Frage der Zeit. Die Gegend mit viel Wald und Wild sei wie gemacht für Wölfe.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter im Gespräch mit Rainer K. (Name der Redaktion bekannt)
  • Naturschutzbund NABU Kreis Borken
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Klima LANUK NRW
  • Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)

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